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31.01.2014

04:01 Uhr

Internet

Motorola verhagelt Google die Bilanz

VonAxel Postinett

Der US-Konzern Google präsentiert sich zum Quartalsende mit guten Zahlen: Dank gut gehender Werbegeschäfte konnte der Suchmaschinenbetreiber ein Plus von 17 Prozent einstreichen. Doch Anleger hatten mehr erwartet.

Mega-Deal für Lenovo

Weg mit der Handysparte: Google verkauft Motorola

Mega-Deal für Lenovo: Weg mit der Handysparte: Google verkauft Motorola

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San FranciscoFalls sich noch jemand gefragt hat, warum der Suchmaschinenkonzern Google den erst vor zwei Jahren erworbenen Handy-Hersteller Motorola an Lenovo verkauft hat, der bekam am Donnerstag die Antwort: Ein Verlust von 384 Millionen Dollar bei der Smartphone-Tochter riss im vierten Quartal ein tiefes Loch in Endabrechnung. Im gesamten Jahr verschlang die einstige Ikone des amerikanischen Smartphone-Baus fast eine Milliarde Dollar.

Vor allem dieser enorme Verlustanstieg war dafür verantwortlich, dass die Gewinnerwartungen im Quartal leicht verfehlt wurden. Die Frage steht im Raum, was erst für Verluste anfallen, wenn kein Weihnachten ist und Smartphones verschenkt werden? Doch damit wird sich Google-Chef Larry Page in Zukunft nicht mehr rumschlagen müssen.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Denn ein Verkauf der Sparte an Lenovo, Genehmigung durch die Wettbewerbshüter in China und USA unterstellt, ist bereits abgemachte Sache. Deshalb verzichteten die Anleger diesmal darauf, Google abzustrafen. Der zweite Grund für einen leichten nachbörslichen Kursanstieg liegt in der robusten Entwicklung des Kerngeschäfts.

Der Webkonzern ohne Motorola lieferte ein Umsatzplus von 22 Prozent auf 15,7 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 3,38 Milliarden Dollar. Damit macht Google im Quartal so viel Gewinn, wie Facebook Umsatz in sechs Monaten.

Die anhaltende Diskussion um Datenspionage durch US-Geheimdienste scheint noch keinen messbaren Einfluss zu haben. Der Anteil des Auslandsumsatzes liegt mit 56 Prozent sogar leicht höher als ein Jahr zuvor.

Die Treiber für die gute Weihnachtssaison waren die Online-Verkäufe im App- und Media-Shop Google Play und die verbliebenen Hardware-Aktivitäten. Laut Finanzvorstand Patrick Pichette war der Video-Stick Chromecast für 35 Dollar der Bestseller.

Er bringt Youtube-Videos auf den TV-Bildschirm. Aber auch die Nexus-Tablets und Smartphones verkauften sich ordentlich. „Andere Umsätze“, hier sind diese Bereiche enthalten, sah einen Sprung um 99 Prozent auf 1,65 Milliarden Dollar.

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