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17.01.2007

21:40 Uhr

Internet-Wirtschaft

Keine Schonfrist mehr für Youtube und Co.

Videoseiten mit Heim- und Amateurvideos wie Youtube, Myspace Video und Metacafe haben vergangenes Jahr einen enormen Aufschwung in der Zuschauergunst erlebt. Allerdings wird immer fraglicher, ob sich auch der erhoffte finanzielle Erfolg einstellen wird. Denn große Werbegelder können die Online-Plattformen bisher kaum abgreifen.

pos DÜSSELDORF. Während die Billigschnipsel im Jahre 2010 bereits 55 Prozent des gesamten Videokonsums in den USA ausmachen sollen, wird der Umsatzanteil am Werbebudget für Online-Videos nur 15 Prozent oder rund 875 Mill. Dollar ausmachen. Das erwartet der Mediendienst Screen Digest.

Der große Rest der Werbegelder wird etwa an professionelle Inhalte wie TV-Shows, Soap-Operas und Miniserien gehen. „Keine Seite mit nutzergeneriertem Inhalt hat es geschafft, ein schlüssiges Geschäftsmodell zu präsentieren“, sagt der Autor der Studie, Arash Amel. „Die Geschäftsmodelle lauteten bislang schlicht: ’Mach die Seite auf, verkauf sie, und dann sollen sich andere drum kümmern’.“

Die Studie meißelt die Bedenken in Stein, die seit der spektakulären Übernahme der praktisch umsatzlosen Videoseite Youtube durch Google für über 1,6 Mrd. Dollar die Internet-Wirtschaft bewegen. Der Deal war der bisherige Höhepunkt des Hypes um das so genannte Web 2.0. Damit sind in dieser Definition interaktive Internet-Angebote gemeint, die die Nutzer aktiv in Entstehung und Verbreitung der Inhalte einbeziehen. Weitere Beispiele sind hier Myspace.com und Wikipedia.

Wesentlich erfolgreicher haben sich Videoseiten mit Rückendeckung durch TV-Konzerne entwickelt, so das deutsche Portal Myvideo von Pro Sieben Sat 1: „Insbesondere Myvideo hat in Verbindung mit TV-Serien wie ’You can dance’ und ’Popstars’ Ende 2006 profitiert – und von den damit verbundenen Werbekampagnen“, sagt Stefan Raum von Nielsen/Netratings Europe.

Myvideo hatte Ende 2006 den zweiten Platz in der Nutzergunst im deutschen Videoportalmarkt hinter Youtube erobert. „Es wird spannend“, sagt Raum, „wie sich Clickfish von RTL mit Big Brother ab Januar entwickeln wird.“ Der Medienkonzern Sony präsentierte auf der Messe CES ein Internet-Modul, das Filme und TV-Serien von Sony Pictures und Videoclips des Sony-Webportals Grouper direkt ohne PC auf TV-Geräte senden kann.

„Die Seiten mit nutzergenerierten Inhalten werden sich diversifizieren müssen“, sagt Analyst Amel. Als Beispiele nennt er Online-Filmvermietung, Techniklizenzierungen an andere Anbieter und Abo-Gebühren. Das Videoportal „Guba“ – Nummer 27 im US-Markt – hatte Mitte 2006 bereits begonnen, Vermittlungsgebühren für Neuanmeldungen anzubieten, laut Medienblog Mashable.com schon fast ein „Zeichen der Verzweiflung“. Auf jeden Fall, sagt Amel, sei „die Schonfrist jetzt vorbei“.

Mit dem Erfolg der eigenen Angebote machen die Medienkonzerne Druck auf die Amateurseiten. Nach Informationen der Pariser Zeitung „Les Echos“ wollen mehrere europäische Verwertungsgesellschaften gemeinsam gegen massive Urheberrechtsverletzungen vorgehen und hunderte Mill. Euro einklagen.

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