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10.04.2011

10:39 Uhr

Internetfernsehen

Youtube will eigene TV-Filme machen

VonBernd Kupilas

Youtube will bald selbst TV-Filme und Serien produzieren und wird damit zur Konkurrenz für die Fernsehsender. Damit beginnt der Kampf um den Markt des Internetfernsehens in den USA.

"Originalserien" wie "Sex and the City" zu produzieren ist das Kerngeschäft von Sendern wie HBO, mit den neuen Plänen könnte Youtoube zur Konkurrenz werden. Quelle: dapd

"Originalserien" wie "Sex and the City" zu produzieren ist das Kerngeschäft von Sendern wie HBO, mit den neuen Plänen könnte Youtoube zur Konkurrenz werden.

New YorkDie Videoplattform Youtube will künftig eigene Fernsehinhalte produzieren lassen. Außerdem will die Google-Tochter ihren Internetauftritt in verschiedenen thematischen Kanälen präsentieren. Demnach plant Youtube um die 20 "Premium"-Kanäle mit Themen wie Sport oder Kunst, berichtet das "Wall Street Journal".
Die Video-Webseite will 100 Millionen Dollar investieren und fünf bis zehn Stunden eigenes Programm pro Woche senden. Youtube ist groß geworden als Plattform für Amateure, die dort ihre Filme hochladen können.

Zwar sind die Pläne noch schwammig, das Unternehmen selbst wollte sie nicht bestätigen. Auch das Volumen ist überschaubar. Dennoch zeigt der Youtube-Plan: Der Kampf um die Vormacht im Zukunftsgeschäft Internetfernsehen ist in vollem Gang. Große Spieler bringen sich in Stellung, um den traditionellen Fernsehsendern Zuschauer abzuluchsen. "Das ist eine Schlacht um die Wohnzimmer", sagte Investmentbanker und Internetspezialist Kevin Covert. "Es geht um die Kontrolle über die heimischen Fernsehgeräte, die nach und nach ins Internet integriert werden."
Einer der großen Herausforderer ist die Online-Videothek Netflix. Das Unternehmen investiert in großem Stil - und schreckt dabei auch nicht vor Konflikten mit etablierten TV-Sendern zurück. So kündigte Netflix jüngst an, dass es die erste eigene Fernsehserie produzieren lassen werde. Das Unternehmen kaufte die exklusiven Rechte einer noch nicht hergestellten Serie mit dem Titel "House of Cards" - ein ambitioniertes Politdrama, umgesetzt von "The Social Network"-Regisseur David Fincher. Bislang kauft Netflix die Verleihrechte für Serien und Filme von den Sendern. Künftig tritt Netflix als Produzent auf - und zwar direkt im Premium-Segment. "Vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen", so Netflix-Manager Ted Saranos.
Das ist ein ungeheurer Affront gegenüber den traditionellen Sendern. Denn solche "Originalserien" zu produzieren und exklusiv zu senden ist das ureigene Geschäftsfeld insbesondere der großen amerikanischen Bezahlsender wie HBO ("Sex and the City") oder Showtime ("Californication"). Sie haben ohnehin mit sinkenden Abonnentenzahlen zu kämpfen und fürchten, dass ihre Zuschauer ins Netz abwandern.
Prompt kam die Reaktion. Showtime und der Sender CBS kündigten Verträge mit der Online-Videothek für einige beliebte Serien. Sie werden künftig nicht mehr bei Netflix zu sehen sein. Da hatte jemand die Hand gebissen, die ihn füttert.
Netflix ist mit dem Verleih von DVDs per Postversand groß geworden, hat sich aber zum Onlineanbieter gewandelt, bei dem Abonnenten für eine Gebühr von acht Dollar im Monat Filme herunterladen können. Netflix hat mittlerweile 20 Millionen Abonnenten. Bezahlsender HBO hat 28 Millionen.
Zugleich rüsten die großen TV-Netzwerke zum Gegenschlag. Überraschend ist am Mittwoch ein neuer Wettkämpfer in die Schlacht ums Internet-TV eingetreten: Das drittgrößte amerikanische Fernsehnetzwerk Dish Network hat die Auktion um die Überreste der pleitegegangenen Videothekenkette Blockbuster gewonnen. Satellitennetzbetreiber Dish will die Marke und die Onlineaktivitäten des Unternehmens nutzen, um ins Internetgeschäft einzusteigen. Der Schritt ergibt Sinn: Dish kauft sich eine amerikaweit bekannte Marke und die Technologie für das Anschauen von Filmen per Internet ("Streaming").
Dish war überhaupt erst vor einer Woche in das Bieterrennen um die Blockbuster-Überreste eingetreten. Nun zahlt Dish 233 Millionen für ein sieches Unternehmen und übernimmt 87 Millionen an Verbindlichkeiten. Blockbuster hat noch rund 1700 Verleihfilialen. Vor einem Jahr waren es noch doppelt so viele. Das geschrumpfte Filialnetz kann Dish nutzen, um Kunden für sein Kabelangebot zu werben - solange die Filialen noch existieren. "Eines Tages", sagt Internetexperte Covert, "werden diese Videotheken alle schließen."

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