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14.07.2012

14:47 Uhr

Internetfirmen

Erfolgreiche IT-Gründer gesucht

VonSusanne Schier

Trotz einer aktiven Gründerszene fehlt in Deutschland noch ein Internet-Unternehmen in der Größe von Google oder Facebook. Experten machen dafür die Ausbildung von IT-Studenten verantwortlich - und den Bund.

In Deutschland fehlen große It-Start-Ups wie Google. AFP

In Deutschland fehlen große It-Start-Ups wie Google.

FrankfurtDie USA seien in der Champions League und Asien spiele in der Bundesliga, sagte Lars Hinrichs dem Nachrichtenportal Gründerszene: „Europa spielt in Sachen Internet hingegen nur in der Kreisliga.“ Hinrichs, einst Gründer des Online-Karrierenetzwerks Xing und heute Chef der Investorenfirma HackFwd, bezieht seine Aussage auf die Marktkapitalisierung, die Start-ups im vergangenen Jahr erzielen konnten.

Vor kurzem diskutierte er mit weiteren Gründern und Investoren bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Schwierigkeiten der deutschen Start-up-Szene. Denn obwohl das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) jährlich über 11 000 Gründungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zählt und in Berlin eine rege Gründerszene besteht, ist hierzulande noch keine Firma in der Größe von Facebook und Google entstanden. Zu dem Treffen haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Unabhängig davon erläutert Tobias Kollmann, BWL-Professor an der Universität Duisburg-Essen und ebenfalls Teilnehmer der Runde, im Gespräch mit dem Handelsblatt die Herausforderungen der Gründer.

Kritisch sieht der E-Business-Experte, dass die Ausbildung von IKT-Spezialisten an Universitäten und Fachhochschulen primär auf Tätigkeiten in der Forschung und in Großunternehmen abziele: „Die Ausbildung in Deutschland ist weitgehend auf ein Angestelltenverhältnis ausgerichtet.“ Impulse für eine mögliche Unternehmensgründung gebe es kaum.

Mit dem Thema kämen zudem vor allem Betriebswirtschaftler in Berührung. Hier spielen private Hochschulen wie die WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar eine große Rolle. Dort hat unter anderem der Gründer und Investor Oliver Samwer studiert. Für Wirtschaftsinformatiker und Informatiker gebe es dagegen kaum spezielle Weiterbildungsangebote in diesem Bereich, sagt Kollmann. Dabei sei gerade das für die IKT-Branche sehr wichtig.

Denn in Deutschland entstehen bislang vor allem Start-ups, die bestehende Geschäftsmodelle aus den USA kopieren. Oliver Samwer und seine Brüder Marc und Alexander verfolgen diese Strategie mit Erfolg. Firmen wie Alando, ein Klon des US-Internetauktionshauses Ebay, und Zalando, eine Kopie des Schuhversenders Zappos, machten die drei reich und bekannt. Um die deutsche Start-up-Szene nachhaltig aufzubauen, wären jedoch neue Einfälle nötig: „Gründer sollten hierzulande noch viel mehr eigene Ideen entwickeln“, so Kollmann.

Um das zu fördern, müssten die positiven Aspekte der Selbstständigkeit wie eine erhöhte Eigenverantwortlichkeit stärker herausgestrichen werden. So forderte der Schweizer Investor Christophe Maire bei einer Telekom-Veranstaltung eine „andere gesellschaftliche Stellung“ für Gründer: „Der Gründer ist ein Held, aber er wird nicht so wahrgenommen.“ In den USA sei das anders.

Im Vergleich zu Nordamerika kritisiert Kollmann zudem die „überschaubare und wettbewerbsarme Finanzierungslandschaft“ in Deutschland. Privates Engagement zur finanziellen Unterstützung von Gründern sei noch gering ausgeprägt. Kollmann, der als Business-Angel auch Finanzierungen bietet, sieht den Staat in der Pflicht: „Für Investoren müsste es mehr steuerliche Anreize geben.“

Kommentare (6)

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globalyze

14.07.2012, 16:26 Uhr

Es gibt zahlreiche Gründe, warum wir hier in Deutschland kein Internetunternehmen von Weltruf hervorbringen. Da wären

1) eine sklerotische und gründerfeindliche Förderlandschaft, die noch konservativer als die Banken ist und geistige Produkte und Dienstleistungen (nichts anderes ist Internet) gegenüber Beton und Maschinen massiv benachteiligt

2) vollkommen überschätzte und arrogante Risikokapitalgeber in denen sich fantasielose Strategieberater, die im Grunde nur Wissen von einem Unternehmen zum anderen tragen und von Unternehmertum keine Ahnung haben, ihr Unwesen treiben

3)ein allgemeines Sicherheitsbedürfnis, das an Angst grenzt und weswegen jedes kopierte Geschäftsmodell einem uniquen vorgezogen wird

4) Mangelnder Mut sich auf seine eigene Intuition und seinen gesunden Menschenverstand zu verlassen, was dazu führt, dass Heerscharen in die USA pilgern, um abzukupfern

5) ein innovationsfeindliches, sich stark absicherndes Denken und Verhalten der Menschen, insbesondere auch in den Unternehmen und vor allem

6) zu wenig verfügbares Kapital, weil wir es u.a. bevorzugen Milliarden rückwärtsgewandt in marode Banken zu stecken

Vor allem aber trifft man auf eine ungeheure Arroganz und Selbstüberschätzung derjenigen, die darüber urteilen, ob etwas Neues vorliegt. Wer die Geschichte der Innovationen, insbesondere auch im letzten und vorletzten Jahrhundert kennt, weiß dass das Umfeld der größten Erfinder diese für Spinner hielt bzw. die Innovation gar nicht erkannte.

Insofern bleibt am Ende nur das Prinzip "Versuch und Irrtum". Man investiert, in etwas, was man gar nicht so richtig versteht, wo es aber Anhaltspunkte gibt (z.B. Beharrlichkeit der Verfolgung einer Idee durch die Gründer) jemanden eine Chance zu geben. Das tun die Amis eher. Sie investieren Geld in etwas und schauen was dabei herüber kommt. Während wir uns hierzulande aus Angst uns rechtfertigen zu müssen, absichern. That's it.

Ihr Norbert Lohrke (www.globalyze.de)







Einanderer

14.07.2012, 18:14 Uhr

Dafür ist in den USA der Staat böse und es gibt seit ewig immer nur dieselben 2 Parteien. Gut, das hilft den deutschen Gründern nix, ausgenommen Parteigründern, aber wenigstens zeigt es auch einen hiesigen Vortiel auf - und den generellen Einfluss der Kultur auf das Verhalten. Da kann man dann ansetzen.

ahmet.oeztop

15.07.2012, 10:44 Uhr

@norbert lohrke
Ihr Beitrag hat mir sehr gefallen, es triftt den Nagel auf den Kopf.
Statistisch gesehen entstehen die meisten Unternehmensgründungen in Deutschland aus einer Arbeitslosigkeit heraus, also aus einer Notsituation heraus. Da ist also keine supertolle Idee dahinter! Und 90% dieser Neugründungen gehen in den ersten zwei Jahren wieder zugrunde. Die Ursachen hierfür sind zu hohe Anfangsinvestitionen. Nicht immer aber meistens sind diese Miete und Personalkosten.
Ein weiterer Aspekt sind steuerliche Belastungen. Ferner sind die psychischen und physische Belastungen des Firmengünders in den ersten Jahren immens. Man wird zum Einzelkämpfer. Niemand kommt zu einem und bedankt sich, weil man Arbeitsplätze schafft:-)) Eine gute Idee ist also nicht ausreichend! Ich denke es wäre sinnvoll, wenn man eine Plattform schaffen würde, in der sich Gründungswillige mit mehreren Gründungswilligen austauschen könnten, auf Neudeutsch also die Vernetzung fördern. Die Kommunikation der Gründungswilligen untereinander ist notwendig und wichtig. Aus einer derartigen Kommunikation können Synergien und neue Ansätze entstehen.
ahmetoeztop@yahoo.de

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