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09.09.2013

17:47 Uhr

Internetkonzern

Auch Yahoo klagt für mehr Transparenz

Auch Yahoo will mehr Transparenz bei Geheimdienstanfragen durchsetzen. Bisher dürfen Firmen nicht offenlegen, ob und wie viele solcher Fragen sie erhalten. Nun schaltet der Internetkonzern ein US-Gericht ein.

Yahoo und andere Firmen dürfen bisher nicht offen legen, ob und wie viele solcher Anfragen sie erhalten, oder wie viele Nutzer davon betroffen sind. dpa

Yahoo und andere Firmen dürfen bisher nicht offen legen, ob und wie viele solcher Anfragen sie erhalten, oder wie viele Nutzer davon betroffen sind.

Sunnyvale/BerlinNach Microsoft und Google will auch Yahoo seine Forderungen nach mehr Transparenz bei Geheimdienstanfragen vor Gericht durchsetzen. Dazu habe Yahoo eine Klage vor dem US-Gericht eingereicht, das die Überwachungsmaßnahmen des Geheimdienstes NSA überwacht, teilte Chefjustiziar Ron Bell am Montag in einem Blogeintrag mit. Yahoo will bei dem Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC) erreichen, dass das Unternehmen genauere Angaben über Forderungen von Geheimdiensten nach Nutzerdaten veröffentlichen darf. Microsoft und Google hatten bereits ähnliche Klagen angestrengt.

Yahoo und andere Firmen dürfen bisher nicht offen legen, ob und wie viele solcher Anfragen sie erhalten, oder wie viele Nutzer davon betroffen sind. „Letztlich schafft das Zurückhalten solcher Informationen Misstrauen und Verdächtigungen – sowohl gegenüber den USA wie auch gegenüber den Firmen, die den gerichtlichen Anordnungen der Regierung folgen müssen“, schrieb Bell in dem Blogeintrag.

Ein kleines Lexikon der Spähaffäre

Prism

Das ist der Name des US-Geheimdienstprogramms, das gleich zu Beginn enthüllt wurde und deshalb zum Inbegriff der gesamten Spähaffäre wurde. Die Abkürzung steht für „Planning Tool for Resource Integration, Synchronization and Management“ (etwa Planungswerkzeug für Quellenintegration, -synchronisierung und -management). Es ist bislang nicht ganz klar, wie das Programm funktioniert. Nach den von Snowden der Presse übergebenen Dokumenten erlaubt oder organisiert „Prism“ den Zugriff auf Daten der Nutzer großer Internetfirmen wie Microsoft, Google und Facebook. Experten glauben, dass US-Dienste damit verdachtsunabhängig große Mengen Nutzerdaten abgreifen. Die gespeicherten Daten werden dann mit Filterbegriffen genauer durchsucht.

Tempora

So lautet der Deckname eines Überwachungsprogramms des britischen Geheimdienstes und NSA-Partners GCHQ, das es auf Daten aus Seekabeln abgesehen hat. Durch diese Glasfaserverbindungen fließt der überwiegende Teil der globalen Telefon- und Internetkommunikation. „Tempora“ erlaubt es demnach, den Datenverkehr in Pufferspeichern zu sammeln und Emails, Telefonate und Videochats zu rekonstruieren. Die Daten können einige Tage, einzelne Informationsteile wie Absender und Empfänger sogar wochenlang gespeichert werden. Mit der entsprechenden Software können so nachträglich Nachrichten von Verdächtigen gefunden oder die Stimmen von Gesuchten identifiziert werden.

Muscular

Hierbei geht es den bislang vorliegenden Berichten zufolge um das wahllose Abfangen der Datenströme aus Glasfaserkabeln zwischen den Rechenzentren der Internetkonzerne Google und Yahoo durch die NSA und ihren britischen Partnerdienst GCHQ. Google betreibt weltweit 13 dieser Anlagen, auf denen die Daten von Nutzern und deren Informationsströme verwaltet werden. Die Zentren tauschen ständig gigantische Datenmengen untereinander aus. NSA und GCHQ haben sich angeblich heimlich Zugang zu den Verbindungskabeln verschafft und kopieren Massen unverschlüsselter Daten.

XKeyscore

Der Begriff bezeichnet ein weiteres internes IT-Programm der NSA. Nach bisher vorliegenden Informationen handelt es sich dabei anscheinend um eine Art Analyse-Software, mit der die von der NSA betriebenen Datenbanken durchsucht werden, um Berichte über das Kommunikationsverhalten einer Person zu erstellen. Demnach kann „XKeyscore“ etwa auf Telefonnummern und Emailadressen zugreifen, aber auch Begriffe auflisten, die jemand in die Google-Suche eingegeben hat. Über „XKeyscore“ wurde hierzulande zuletzt viel diskutiert. Der Verfassungsschutz räumte ein, das Programm „testweise“ einzusetzen - wobei der Dienst aber ausdrücklich betont, es lediglich zur Analyse von bereits im eigenen Haus vorliegenden, nach deutschem Recht erhobenen Daten zu testen und damit weder aktiv Informationen zu sammeln noch international Daten etwa mit der NSA auszutauschen.

DE-CIX

Der große Internetknoten in Frankfurt am Main ist den Berichten zufolge ein bevorzugtes Ziel der NSA-Spionage in Deutschland. DE-CIX ist eine Art große Weiche, an der Internetverkehr aus verschiedenen einzelnen Provider- und Datennetzen zusammenfließt und verteilt wird. Gemessen am Datendurchsatz soll DE-CIX laut Betreiber der größte Internetknoten der Welt sein. Unklar ist aber, wie mutmaßliche Spione Zugriff auf den Knoten erhalten haben sollen. Denn DE-CIX besteht aus 18 gesicherten Einrichtungen, die durch Glasfaser verbunden sind. Der Betreiber und deutsche Behörden dementierten, dass die NSA hier Zugriff habe.

G-10-Gesetz

Dieses Gesetz regelt den Zugriff der deutschen Nachrichtendienste auf Telekommunikationsdaten. Vollständig heißt es „Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses“. Da es in Artikel 10 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich fixiert ist, lautet die Kurzform G-10-Gesetz. Es verpflichtet Postanbieter sowie Telekom- und Internetkonzerne, den Verfassungsschutzämtern, dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr auf Verlangen Sendungen zu übergeben und ihnen die Aufzeichnung und Überwachung der Telekommunikation technisch zu ermöglichen. Laut Gesetz dürfen die Dienste derartige Maßnahmen etwa zur Abwehr einer „drohenden Gefahr“ für die demokratische Grundordnung beantragen. Genehmigt werden diese von einer speziellen Kommission aus zehn Bundestagsabgeordneten, der sogenannten G-10-Kommission.

Yahoo hatte Ende vergangener Woche seinen ersten Bericht über Anfragen von Behörden veröffentlicht. US-Stellen forderten demnach im ersten Halbjahr 2013 in knapp 12.000 Fällen Informationen über Yahoo-Nutzer an. Darin seien von dem Geheimgericht bewilligte Anfragen enthalten, so Yahoo solche bekommen hätte, schrieb Bell. Deutschland folgte mit gut 4200 Anfragen auf Platz 2.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Angela-Wendehals

09.09.2013, 21:18 Uhr

wenn Yahoo, Google & Co es nicht schaffen, die GRESTAPO-Methoeden der amis mit NSA zu unterbinden, werden die Internet Nutzer auch ohne diese Handlager des Unrechts klar kommen.

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