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13.10.2014

20:04 Uhr

Internetriesen

Amazon ist größter Konkurrent von Google

Der langjährige Chef des Netzgiganten Google nutzt einen Aufenthalt in Deutschland, um den Erfindergeist preisen. Die Innovationskraft von Google verortet Schmidt in einer Reihe mit Thomas Edison und den Gebrüdern Wright.

Eric Schmidt, Chef des Google-Verwaltungsrats: „Unser größter Konkurrent im Suchmaschinenbereich ist tatsächlich Amazon.“ ap

Eric Schmidt, Chef des Google-Verwaltungsrats: „Unser größter Konkurrent im Suchmaschinenbereich ist tatsächlich Amazon.“

BerlinDie größte Herausforderung im internationalen Wettbewerb sieht der Suchmaschinen-Betreiber Google im Online-Händler Amazon. „Viele denken, unsere größten Wettbewerber seien Yahoo oder Bing“, sagte Eric Schmidt, Chef des Google-Verwaltungsrats, am Montag in Berlin. „Aber unser größter Konkurrent im Suchmaschinenbereich ist tatsächlich Amazon.“ Wer etwas kaufen wolle, schaue meist bei Amazon nach. „Im Grunde antworten sie auf Anfragen und Suchen der Nutzer genauso, wie wir es tun“, sagte der langjährige Google-Chef bei einer Veranstaltung des Berliner Start-ups Native Instruments.

Vor dem Hintergrund der Vorwürfe von Konkurrenten gegen Google, eine monopolartige Markstellung auszunutzen, betonte Schmidt die Schnelligkeit, mit der neue Herausforderungen im digitalen Zeitalter entstehen können. Wichtig sei es zu wissen, „dass irgendjemand irgendwo in einer Garage auf uns lauert“, sagte Schmidt. „Ich weiß das, weil es nicht lange her ist, dass wir in dieser Garage saßen.“ Der Wandel komme von dort, wo man ihn am wenigsten erwarte. Die EU-Kommission hatte zuletzt ihre Forderungen nach weiteren Zugeständnissen des Internet-Konzerns in einem jahrelangen Wettbewerbsstreit mit Rivalen bekräftigt und erweitert.

„Die Geschichte hat gezeigt, dass Größe und vergangene Erfolge kein Garant für die Zukunft sind“, sagte Schmidt. Große Unternehmen könnten schnell übertrumpft werden. Das sehe man auch an Unternehmen wie Yahoo, Nokia, Microsoft und Blackberry, die noch vor wenigen Jahren konkurrenzlos erschienen.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Auch Google sei stets von einer ganzen Reihe großer Herausforderer und Konkurrenten umgeben. Facebook etwa sehe sich selbst als „Sprungbrett zum Internet“. Bei der lokalen Suche unterwegs auf mobilen Geräten seien auch Yelp, TripAdvisor, Dooyoo, Ciao oder HolidayCheck Konkurrenten von Google. Das solle nicht heißen, dass Google unwichtig sei, wenn es um Informationsbeschaffung gehe. Es gehe darum, dass die Menschen die Wahl unter mehreren Möglichkeiten hätten. „Der Markt ist sehr umkämpft und ändert sich dauernd.“ Eintrittshürden seien zu vernachlässigen, da der Wettbewerb nur einen Klick weit entfernt stattfinde.

Der Besuch bei Native Instruments in Berlin macht für Schmidt den Auftakt eines mehrtägigen Aufenthalts in Deutschland, in dem er unter anderem auch mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zusammentreffen wird. Native Instruments, 1996 in Berlin gegründet, stellt Hard- und Software für computerbasierte Musikproduktion und Ausrüstung für DJs her. Seinen Vortrag über Erfindungen und Erfindergeist nutzte Schmidt auch dafür, die Innovationskraft von Google darzustellen und die Bedeutung für Unternehmen zu unterstreichen, in ihrer Entwicklung und Kreativität nicht nachzulassen.

Von

dpa

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