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25.08.2012

16:33 Uhr

Internetunternehmen

Wie Facebook, Google & Co die Welt zensieren

VonGötz Hamann, Marcus Rohwetter
Quelle:Zeit Online

Apple, Facebook, Amazon und Google: Sie wollten die Menschheit freier machen. Inzwischen aber bestimmen sie, was wir hören, sehen und sagen sollen. Und keiner regt sich auf.

Facebooks Schnüffeleien sind leider nur ein Fall von vielen. Reuters

Facebooks Schnüffeleien sind leider nur ein Fall von vielen.

HamburgDie Antworten sind beängstigend: Alles sei bloß „ein Test“. Oder: „Statistik. That’s all.“ So fertigen sonst Herrscher ihre aufgeregten Untertanen ab: Macht euch keine Sorgen. Ihr braucht nichts zu wissen. Wer fragt, der stört. Genau dann aber muss man sich Sorgen machen. Große Sorgen. Ein Test. Statistik.

Das waren Reaktionen eines Mitarbeiters von Facebook gegenüber kritischen Mitgliedern des Sozialen Netzwerks. „Blockwart 2.0“ und „stasimäßig, das Ganze“ hatten sie geschimpft, weil Facebook sie über ihre Bekannten ausfragte. Den Computersystemen von Facebook waren zuvor nämlich etliche Nutzer aufgefallen, die anscheinend Pseudonyme statt ihrer richtigen Namen verwendeten. Nun entspricht es aber nicht der Geschäftsphilosophie des Hauses, dass seine Mitglieder Geheimnisse haben.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Also ließ Facebook vor wenigen Wochen seine Software den Bekanntenkreis der Verdächtigen ausfindig machen und dort nachfragen: „Ist dies der wahre Name deines Freundes?“ Ein Test? Was für ein Test? Ob Menschen bereitwillig ihre Freunde verraten, wenn eine Software sie dazu auffordert? Facebooks Schnüffelei ist nur ein Fall von vielen, in denen führende Konzerne den Internetnutzern mit fragwürdigen Methoden ihre Regeln aufzwingen.

Googles größte Deals

Googels größte Deals

Wenn Google auf Shopping-Tour geht, sind oft Milliardenbeträge im Spiel. Was steckt hinter den größten Zukäufen in der Google-Geschichte?

Platz 7: ITA Software

Im Juli 2010 erwirbt Google für 700 Millionen Dollar die Softwareschmiede ITA. Das Unternehmen aus Boston wertet Fluginformationen aus und stellt seine Daten beispielsweise der Reisewebseite Expedia zur Verfügung. Das macht ITA für Google interessant. Denn für die Suche nach Flugpreisen gibt es zwar diverse Suchmaschinen, Google selbst bietet aber noch keine entsprechende Suchfunktion an.

Platz 6: AdMob

Im November 2009 kauft Google für 750 Millionen Euro "AdMob". Der Name steht für "Advertising on Mobile" - und genau darauf ist die Firma aus dem kalifornischen San Mateo spezialisiert: AdMob ist eine der größten Plattformen für Werbung auf mobilen Plattformen. Die Firma wirbt damit, dass sie monatlich über 40 Milliarden Banner- und Textwerbungen auf Handys, Tablets und anderen mobilen Geräten schaltet.

Platz 5: AOL

Im Dezember 2005 steigt Google bei AOL ein: Für eine Milliarde Dollar erwirbt Google fünf Prozent der Anteile des Internetanbieters - bis dato eine 100-prozentige Tochter der Time Warner Company. Doch die besten Zeiten von AOL waren da schon längst vorbei: 2009 kauft Time Warner den fünfprozentigen Anteil für schlappe 283 Millionen Dollar wieder von Google zurück, um die verlustreiche Tochter endgültig abstoßen zu können.

Platz 4: dMarc Broadcasting

Im Januar 2006 steht dMarc Broadcasting auf der Einkaufsliste von Google: Insgesamt 1,2 Milliarden Dollar lässt sich Google den Erwerb des Unternehmens kosten. DMarc ist spezialisiert auf das Werbegeschäft im Radio: Über eine automatisierte Plattform werden Werbespots an amerikanische Hörfunkstationen verteilt. Google will sich damit einen neuen Distributionskanal für seine Werbeplattform "AdWords" erschließen.

Platz 3: YouTube

Im September 2006 kauft Google für 1,8 Milliarden Dollar die Videoplattform Youtube. Auch hier wittert Google einen klickträchtigen Verbreitungskanal für seine Werbung. Wer ein Video auf der Webseite betrachtet, bekommt fortan Anzeigen von Google präsentiert.

Platz 2: DoubleClick

Im Jahr 2007 sticht Google den Erzrivalen Microsoft im Bieterwettkampf um die Firma DoubleClick aus. DoubleClick schaltet grafische Werbeanzeigen auf Webseiten und pflegt exzellente Beziehungen zu finanzstarken Werbekunden. Das macht das Unternehmen für Google so begehrenswert, dass der Internetriese 3,1 Milliarden Dollar dafür auf den Tisch legt.

Platz 1: Motorola

Dieser Deal stellt alle bisherigen Google-Einkäufe in den Schatten: Für die Mobilfunksparte von Motorola bezahlt Google 12,5 Milliarden Dollar.

Etwa zeitgleich verweigerte Apple die Freigabe für ein satirisches Spiel, das Frederic Jacobs aus San Francisco für das iPhone programmiert hat. Es heißt Angry Syrians und kritisiert in bunter Comic-Optik das brutale Regime von Präsident Baschar al-Assad. Warum es bei Apple nicht erscheinen durfte? Weil es angeblich „diffamierend oder beleidigend“ gewesen sei, berichtet der Programmierer.

Apple unterdrückt eine politische Meinungsäußerung. Wie oft wohl noch? Oder Amazon: nahm Anfang Juni das Schwarzbuch WWF vorübergehend aus dem Programm. Der Autor Wilfried Huismann warf darin der Umweltorganisation große Nähe zur Industrie vor, ein juristischer Streit zeichnete sich ab. Amazon verbannte das Buch, noch bevor die Richter die Vorwürfe beurteilten. Aber bedeutet das angesichts der Marktmacht von Amazon nicht, dass faktisch ein einzelner Konzern im Wesentlichen entscheidet, was gelesen wird?

Kommentare (24)

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Skywalker

25.08.2012, 10:08 Uhr

.... und was sagen unsere Verbraucherschutzministerin und all die Eurokraten dazu? Vermutlich ist das her nicht ihr Lieblingsthema und wird deshalb ausgeblendet!

ljlkj

25.08.2012, 10:23 Uhr

Die Konzerne meinen es doch garnicht Böse. Es ist einfach so dass zuviele Informationen durchs Netz schwirren die dann, wenn sie nicht gefiltert werden, wieder irgendeinen Dummkopf auf die Matte rufen der dann diesen Unternehmen Rasissmus oder Kinderpornoförderung vorwirft.
Die Unternehmen müssen pauschal alles platt machen was in so eine Kategorie fallen könnte. Das sieht man doch schon bei dem kleinen Unternehmen Amazon und/oder Ebay. Für diese Unternehmen ist es doch garnicht machbar gezielt auf Kundenreklamationen zu reagieren, würden sie dies tun wollen müssten sie tausende von Leute einstellen und schon wäre die Provitabilität dahin. Ebay entlies tausende von Mitarbeiter in Berlin und reduzierte den Service. Deshalb, und nur deshlab, bieten die auch so einen ausgezeichneten "Service" an, willste die Ware nicht sende sie zurück und sei still. "Der Kunde hat ein Problem" dann zahlen wir ihm sofort das Geld zurück.
Und genau so Pauschal wie die reagieren müssen Suchmaschienen content ausschließen. Wer soll es denn bezahlen den Ganzen Müll zu lesen und zu bewerten. Die Aktionäre sicher nicht. Die Dimenssionen die das Netz angenommen hat und langsam bekannt werden werden viele von den Usern erschrecken, zumindest die die noch Anstand und Mitgefühl haben. Die bekanntgewordenen dinge wie die Sklavenhaltung von Apple, Zalando Amazon und Ebay sind nur der kalte wind der von der Spitze des auf uns zusteuernden Eisbergs zu uns rüber weht. Provitabilität geht nunmal über alles.

Account gelöscht!

25.08.2012, 10:44 Uhr

Die sagen eine ganze Menge dazu, aber der Medienwald vergißt das auch schnell wieder.
Die EU verhandelt gerade über die Rechtmäßigkeit der Gesichtserkennung von Facebook, die Datenschutzbeauftragten treffen regelmäßig Aussagen, sogar die Verbraucherschutzministerin war in Sachen Persönlichkeits- und Datenschutz unterwegs.

Es wird in Deutschland genauso zensiert wie in China. Mit Google hat man eine Schittstelle, alles was dort aus dem Bürokratenwald gemeldet wird, wird aus dem deutschen Index geworfen, bzw. nicht angezeigt. Namhafte Firmen, Kirchen und andere "gesellschaftlich relevante" Gruppen haben schon seit Jahren die Jagd eröffnet. U. a. auch deswegen kommt keine andere Suma mehr hoch, weil diese nach deutschem Recht sowieso erstmal wieder eingestampft wird, könnte ja sein das der Betreiber sich nicht um Suchbegriffe kümmert, die manchen nicht gefallen. Die Haftung für Inhalte soll ja sogar auf simple Leitungsprovider ausgedehnt werden. Bestrebungen dazu gibt es jeden Tag. Und - warum sollte sich das ändern, schließlich ist die Jagd auf "Abtrünnige" ja sehr lukrativ.

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