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23.01.2013

06:24 Uhr

Internetwerbung floriert

Google baut weiter am besseren Apple

VonAxel Postinett

Es scheint, als habe Google wieder in die Spur zurückgefunden. Ein starkes Werbegeschäft um die Weihnachtszeit ließ den Gewinn in die Höhe schnellen. Vergessen ist der Ausrutscher im Spätsommer. Das nächste Ziel: Apple.

Google konnte dank starker Werbeeinnahmen um die Weihnachtszeit das schlechtere letzte Quartal vergessen lassen. Reuters

Google konnte dank starker Werbeeinnahmen um die Weihnachtszeit das schlechtere letzte Quartal vergessen lassen.

Mountain ViewDas enttäuschende dritte Quartal ist vergessen, Google ist zurück: Besser als erwartete Zahlen für das Weihnachtsquartal katapultierten die Aktie des Webkonzerns nach Börsenschluss um rund fünf Prozent in die Höhe. Immer klarer kristallisiert sich dabei die große Linie des jungen CEO Larry Page ab: Er will das bessere Apple bauen. Hardware, Betriebssystem, Software und Internetdienste aus einer Hand.

Die Online-Werbung boomt, laut Chief Business Officer Nikesh Arora geben alleine die 25 größten Werbekunden im Schnitt 150 Millionen Dollar pro Jahr auf Google-Seiten aus. Die Verluste beim Problemkind Motorola Mobility, 2012 für 12,5 Milliarden Dollar übernommen, sinken. Es werde aber noch einige unruhige Zeiten geben, bis man Erfolge sehen werde, warnt Finanzvorstand Patrick Pichette.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Operativ verlor Motorola noch einmal 353 Millionen Dollar im Quartal. Derzeit werde die gesamte vorgefundene Produktpalette für die kommenden zwölf bis achtzehn Monate überarbeitet. Die Sparte für Settop-Boxen und Homeprodukte wird verkauft, ein entsprechender Vertrag ist unterschrieben. Zurück bleibt das reine Mobilgeschäft.

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CEO Larry Page lässt derweil keinen Zweifel an dem langfristigen Engagement bei dem Hardwarehersteller, der mittlerweile gut elf Prozent des Umsatzes repräsentiert. Page hat große Pläne mit der gestrauchelten Ikone des amerikanischen Mobilfunkmarktes. Smartphones, Tablets, Laptops, all dies seinen immer noch „unerforschte Gebiete“, glaubt er. Seit der Geburt des PCs habe es keine dermaßen dramatischen Umwälzungen in der Industrie gegeben wie derzeit. Deshalb sei der Einstieg in die Geräteproduktion „eine der größten Wetten“, die Google derzeit eingehe, so Page. Google verkauft derzeit zwei Tablet-Modelle und ein Smartphone seiner Nexus-Serie, die von asiatischen Herstellern gefertigt werden, daneben das Laptop Chromebook.

Was US-Konzerne über ihre deutsche Steuerlast verraten

Amazon

Länderspezifische Zahlen weist das Unternehmen nicht aus. Man zahle aber alle anwendbare Steuern in jedem der Länder, in denen das Unternehmen tätig ist. Details für Großbritannien zeigen, dass der Konzern dort keinerlei Unternehmenssteuern zahlt.

Apple

Ein Apple-Sprecher macht es kurz: "Apple gibt keine regionalen Zahlen bekannt, daher kann ich Ihnen keine Gewinn- bzw. Steuerangaben für Deutschland nennen." Ähnlich wie bei Amazon erbringt die deutsche Apple GmbH lediglich Dienstleistungen für mit Apple verbundene Unternehmen.

Die Gesellschaft meldete einen Umsatz von 53 Millionen Euro im Geschäftsjahr bis Ende September 2011 und zahlte fast sieben Millionen Euro Steuern. Die Apple Retail GmbH machte im selben Zeitraum einen Umsatz von 174 Millionen Euro, meldete aber einen Verlust in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Die GmbH verzeichnete eine Steuerrückzahlung von 201.493 Euro.

Google

Die Google Germany GmbH meldet für 2011 eine Umsatz in Höhe von 190 Millionen Euro und einen Gewinn in Höhe von 16,2 Millionen Euro. Die abgeführten Steuern betragen 5,3 Millionen Euro.

Microsoft

Das Unternehmen rechnet vor, 31 Prozent Unternehmenssteuer auf den Gewinn gezahlt zu haben. "Bei der Betrachtung der Steueraufkommens, das mit Microsoft insgesamt verbunden ist, ist zu beachten, dass der bei weitem größte Anteil des Umsatzes/Gewinns/Steueraufkommens über unsere 38.000 Partnerunternehmen erbracht wird", so ein Sprecher. Der Finanzbericht der Microsoft Deutschland GmbH (für das Geschäftsjahr bis Ende Juni 2011) weist einen Umsatz von 682 Millionen Euro aus und eine Steuerlast in Höhe von etwas über 29 Millionen Euro.

Starbucks

Insgesamt 160 Filialen hat die Kaffeehaus-Kette Starbucks in Deutschland. Eine Sprecherin teilt mit: Starbucks [hat] es niemals umgangen, in Deutschland Steuern zu zahlen. In den vergangenen drei Jahren haben wir Steuern in Höhe von insgesamt mehr als 19 Millionen Euro bezahlt, unter anderem für Sozialversicherung und Unternehmenssteuer."

Das die Sozialversicherung in diese Angabe mit eingezogen wird, dürfte einen guten Grund haben. Denn für das Geschäftsjahr 2010/11 hat die Starbucks Coffee Deutschland GmbH einen deutlichen Verlust gemeldet und darin keine Hoffnung geweckt, dass sich die Lage bessern könnte. "Aufgrund des Jahresfehlbetrages des Geschäftsjahres sowie der Verlustvorträge ergibt sich kein Steueraufwand", heißt es im Jahresbericht.

Im Gegensatz zu seinem Unternehmen geht es dem CEO und Mitgründer allerdings noch immer nicht richtig gut: Ruhig und mit rauer Stimme, bedächtig sprechend, eröffnete Page die gewohnte Telefonkonferenz zur Vorlage der Quartalszahlen. Im Vorquartal hatte er wegen einer Erkrankung der Stimmbänder das Gespräch nicht leiten können, was bei Analysten Unsicherheit über seinen allgemeinen Gesundheitszustand ausgelöst hatte.

Kommentare (2)

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BGC

23.01.2013, 08:16 Uhr

Gefühlt kann kein Mensch ohne Google Maps leben und gemäß der "allgemeinen Meinung" wird niemand mehr Apple Maps nutzen.
Zahlen zum Vergleich
Google Maps - 48 Stunden - 10 Millionen downloads - angeblich unverzichtbar
TempleRun2 - 48 Stunden - 20 Millionen downloads - nettes Spiel, aber verzichtbar
Danke Apple, dass Google nun endlich gezwungen wurde, grundlegende Funktionen von Android Google Maps nach Jahren auch auf iOS Google Maps auch verfügbar zu machen.

kaka

23.01.2013, 11:05 Uhr

Warum melden deutsche Wirtschaftszeitungen nie, was Google mit Werbung auf iOS im Vergleich verdient. Diese Zahlen sind sehr erhellend!
Auch die Meldung, dass das iPhone nun schon seit zwei Monaten die Marktführerschaft von Android im zweitwichtigten Markt der Welt (USA) übernommen hat sucht man vergeblich. DEr Opionsmarkt will AAPL seit Monaten schlechtschreiben, wegen auslaufender Put-Optionen zum 19.01. Darüber sollte recherchiert und berichtet werden.

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