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16.09.2014

06:50 Uhr

Interview Bastei-Lübbe-Chef Schierack

„Dan Brown hätten wir fast abgelehnt“

VonChristof Kerkmann, Oliver Stock

Der Bastei-Lübbe-Verlag setzt ganz aufs digitale Geschäft. Im Interview berichtet Verlagschef Thomas Schierack wie er Chinesen deutsche E-Books schmackhaft macht und warum er sich für Mittelstandsanleihen (fast) schämt.

Bastei-Lübbe-Chef Thomas Schierack: Top-Autoren wie Dan Brown und Ken Follett kennt er persönlich. picture alliance/dpa

Bastei-Lübbe-Chef Thomas Schierack: Top-Autoren wie Dan Brown und Ken Follett kennt er persönlich.

DüsseldorfEs war ein turbulentes Jahr für den Bastei-Lübbe-Chef Thomas Schierack: Vor fast einem Jahr ging der Verlag an die Börse, seitdem übernahm er vier junge Unternehmen – nun steht die erste Hauptversammlung an. Im Interview mit dem Handelsblatt berichtet der Manager, wie er die Groschenromane ins digitale Zeitalter bringen will, was Computerspiele mit Büchern zu tun haben und wie der Verlag dem heutigen Bestseller-Autoren Dan Brown fast eine Absage geschickt hätte.

Herr Schierack, vertrauen Sie nicht mehr auf Ken Follett und Dan Brown?
Natürlich vertrauen wir auf Ken Follett und Dan Brown. Sie sind Weltbestseller-Autoren. Ihre Bücher verkaufen sich hervorragend, gedruckt wie digital.

Trotzdem haben Sie die Mehrheit an der Self-Publishing-Plattform Bookrix gekauft, auf der Nutzer selbst veröffentlichen können, und bilden Autoren in der „Bastei Lübbe Academy“ aus. Warum?
Es ist sinnvoll, unsere Abhängigkeit von einzelnen Titeln und Autoren zu verringern. Deswegen entwickeln wir Serien, die wir über die digitalen Kanäle verteilen, derzeit 12 oder 13. Dafür brauchen wir Inhalte von eigenen Autoren, an denen wir alle Rechte halten. Bei Bookrix sehen wir eine hervorragende Möglichkeit, über die Autoren, die dort veröffentlichen, weitere Rechte zur Verwertung in Deutschland und zur internationalen Verwertung zu.

Zahlen und Fakten zu Bastei Lübbe

Gegründet 1953

Gustav Lübbe gründete die Verlagsgruppe 1953, indem er den Romanheft-Verlag Bastei übernahm. Bis 2009 saß das Unternehmen in Bergisch Gladbach, dann zog es nach Köln um.

Seit 2013 an der Börse

Im Oktober 2013 ging Bastei Lübbe an die Frankfurter Börse, um Geld für die Digitalisierung einzusammeln. Das Unternehmen ist im Prime Standard gelistet. Der Start verlief etwas holprig, die AG musste die Preisspanne senken.

Familie hat das Sagen

Auch nach dem Börsengang hat die Familie Lübbe das Sagen, Stefan Lübbe und seine Ehefrau halten weiter die Mehrheit. Sie hatten zuvor nach einer harten Auseinandersetzung mit anderen Familienmitgliedern deren Anteile übernommen.

Wachstum durch Übernahmen

Bastei Lübbe übernahm im Laufe der Jahre mehrere Unternehmen, etwa den Münchner Verlag Ehrenwirth (1997), den Frankfurter Kinder- und Jugendbuchverlag Baumhaus (2008) und den Eichborn-Verlag (2011).

Bekannt durch Romanhefte

Viele verbinden den Namen mit den Romanheften, die seit Jahrzehnten an Kiosken und in Bahnhofsbuchhandlungen verkauft werden. Serien wie „Jerry Cotton“ und „Der Berg-Doktor“ haben heute noch viele Fans. Etliche neue Serien bietet der Verlag allerdings nur noch digital an.

Umsatz mit Dan Brown und Ken Follett

Das wichtigste Geschäftsfeld der Bastei Lübbe AG sind heute indes nicht die Romanhefte, sondern Bücher. Das verdankt der Verlag nicht zuletzt Bestseller-Autoren wie Dan Brown, Ken Follett und Rebecca Gablé.

Neue Geschäftsfelder

Bastei Lübbe investiert kräftig ins digitale Geschäft. So übernahm der Verlag 2014 die Self-Publishing-Plattform Bookrix, den Computerspielehersteller Daedalic Entertainment und den Online-Shop beam-ebooks.de.

Der Groschenroman fürs digitale Zeitalter…
Das ist eine unserer Strategien für die Zukunft! Die Inhalte sollen moderner sein, aber die Grundstruktur stammt aus dem Romanheftbereich.

Es klingt so, als ob Sie das nächste „Shades of Grey“ suchen.
Alle Autoren haben mal klein angefangen. Dan Brown zum Beispiel war in Großbritannien und Amerika zunächst erfolglos. Bei uns lag das Manuskript auch schon im Fach für die Rücksendung, bis unser Verlagsleiter es noch mal in die Hand nahm und das Potenzial erkannte. Wir haben die deutsche Ausgabe dann mit einem anderen Cover verkauft als in Amerika. Mit einem Mönch in Kutte und tief ins Gesicht gezogener Kapuze bekam es dadurch die Anmutung einer Verschwörung.

Mit bekanntem Erfolg.
Als die Amerikaner dieses Motiv dann nachträglich auch verwendet haben, ging das Buch auch dort durch die Decke. Das Internet gibt jedem Autoren die Chance, groß zu werden. Aber es schafft nur einer von 100.000, wenn überhaupt. 

Bastei-Lübbe Schierack im Interview

Und was liest der Verlagschef persönlich?

Bastei-Lübbe Schierack im Interview: Und was liest der Verlagschef persönlich?

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Kennen Sie die Top-Autoren eigentlich?
Bei Bastei Lübbe legen wir großen Wert auf persönliche Beziehungen zu unseren Autoren, ob das Dan Brown ist, Jeff Kinney oder Rebecca Gablé. Ken Follett hat uns vor ein paar Wochen sogar zu seinem 65. Geburtstag eingeladen, da gab es den Dresscode „White Tie“– wir sind dann erstmal alle zum Frackverleih gegangen. Das war eine hochinteressante Veranstaltung.

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