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04.10.2014

01:49 Uhr

Investitionsdruck

Yahoo flirtet mit Snapchat

2005 hat Yahoo klug investiert: Die Beteiligung an Alibaba zahlt sich bei dessen Börsengang in rund acht Milliarden Dollar für Yahoo aus - führt aber auch zu Investitionsdruck. Oben auf der Liste steht Snapchat.

Die passende Beteiligung für Yahoo? Das Logo der Handy-App Snapchat. AFP

Die passende Beteiligung für Yahoo? Das Logo der Handy-App Snapchat.

BangaloreYahoo steht einem Zeitungsbericht zufolge vor einem Einstieg beim aufstrebenden Kurznachrichten-Dienst Snapchat. Ein Investment sei möglich, wenn das Start-Up das nächste Mal Geld bei Teilhabern einsammele, berichtete das "Wall Street Journal" am Freitag unter Berufung auf Insider. Die Verhandlungen liefen bereits.

Wieviel Yahoo von seinen rund acht Milliarden Dollar an Einnahmen aus dem Weltrekord-Börsengang des chinesischen Online-Partners Alibaba reinvestieren wolle, sei noch unklar. Die Gespräche mit potenziellen Investoren bewerteten Snapchat allerdings mit zehn Milliarden Dollar.

Die Firma hatte erst Ende 2013 eine drei Milliarden Dollar schwere Kaufofferte von Facebook ausgeschlagen. Der prominente Wagniskapitalgeber Kleiner Perkins hingegen hatte mehr Erfolg: Er soll sich mit 20 Millionen Dollar beteiligt haben. Die Firma hatte schon bei Google und Amazon ein gutes Näschen bewiesen.

Messaging-Dienste sind bei den Konzernen gefragt

Snapchat ist eine Handy-App. Sie ermöglicht es, Fotos und Nachrichten zu senden, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Messaging-Dienste werden für die großen Internetkonzerne immer interessanter, weil sie über den Zugang zu neuen Nutzern vor allem von Smartphones und Tablet-Computern mitunter erhebliche Zusatzeinnahmen versprechen.

Deswegen kaufte der ins Hintertreffen geratene Online-Pionier Yahoo auch im Mai den Snapchat-Rivalen Blink. Dieser bietet eine Handy-App, die es ermöglicht, eine Mitteilung nach einer vom Sender programmierten Zeit zu löschen.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Yahoo versucht auf diesem Weg, Boden auf Rivalen wie Google gutzumachen. Im Februar sorgte Facebook für einen Paukenschlag, als das weltgrößte Online-Netzwerk den populären Kurnachrichten-Dienst Whatsapp für 19 Milliarden Dollar kaufte. Die EU-Wettbewerbshüter gaben am Freitag grünes Licht für die Übernahme.

Yahoo hat zuletzt einen großen Gewinn beim Alibaba-Börsengang gemacht und steht unter Investitionsdruck. Das Unternehmen war 2005 günstig bei den Chinesen eingestiegen.

Von

rtr

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