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09.09.2013

16:24 Uhr

Investor Paul Singer

Hedgefonds könnte Kabel-Deutschland-Deal gefährden

Vodafone will Kabel Deutschland übernehmen. US-Investor Paul Singer hat sich mehr als zehn Prozent an dem Kabelnetzbetreiber gesichert. Sollte er sich mit seinem Anteil quer stellen, könnte es für die Briten eng werden.

Vodafone will bis zu diesem Mittwoch mindestens drei Viertel der Kabel-Deutschland-Anteile angedient bekommen. Andernfalls werde die Übernahme abgeblasen. Reuters

Vodafone will bis zu diesem Mittwoch mindestens drei Viertel der Kabel-Deutschland-Anteile angedient bekommen. Andernfalls werde die Übernahme abgeblasen.

UnterföhringDer Investor Paul Singer hat sich in den vergangenen Wochen über seinen Hedgefonds Elliot mehr als zehn Prozent an Kabel Deutschland gesichert. Das teilte der Kabelnetzbetreiber am Montag in Unterföhring mit. Derzeit läuft das milliardenschwere Übernahmeangebot von Vodafone für Kabel Deutschland. Die Briten bieten insgesamt 87 Euro je Aktie - inklusive einer Dividende von 2,50 Euro je Anteil - und hatten am Montagmorgen bestärkt, dass sie die Offerte nicht aufstocken.

Singer ist unter anderem dafür bekannt, sich mit seinem Hedgefonds Elliot bei vor der Übernahme stehenden Unternehmen einzukaufen. Er spekuliert dabei entweder auf ein höheres Gebot oder Abfindung, falls der Käufer die komplette Kontrolle über das Unternehmen haben will - wie in Deutschland zum Beispiel beim Kranbauer Demag Cranes, der vom US-Konzern Terex übernommen wurde. Als Halter von Staatsanleihen Griechenlands und Argentiniens pocht Elliot auf deren vollständige Bedienung, während viele andere Gläubiger sich mit diesen Staaten auf den Teilverzicht geeinigt hatten.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Vodafone will bis zu diesem Mittwoch mindestens drei Viertel der Kabel-Deutschland-Anteile angedient bekommen. Andernfalls werde die Übernahme abgeblasen. In der „Financial Times“ (Montag) hatten nicht genannte Aktionäre von Kabel Deutschland die Befürchtung geäußert, dass die Annahmeschwelle nicht erreicht werden könnte. Sie forderten Vodafone auf, die Bedingungen zu senken. Ein Anleger verwies im Blatt darauf, dass bei den acht Großübernahmen in Deutschland seit 2007 im Schnitt die Annahmequote nur bei 68,5 Prozent gelegen habe. Sollte sich Elliot mit seinem Anteil quer stellen, könnte es für die Briten noch enger werden.

Mit der Offerte bewertet Vodafone den Kabelnetzbetreiber einschließlich seiner Schulden mit 10,7 Milliarden Euro. Die Führungsspitze von Kabel Deutschland empfiehlt den Aktionären, das Gebot anzunehmen. Offen ist noch die Zustimmung der EU-Kommission. Das Bundeskartellamt hatte keine Einwände gegen die im Juni angekündigte Übernahme angemeldet. An der Börse gab das im MDax notierte Papier am Montag bis 15 Uhr ein Prozent auf 84,89 Euro nach. Vodafone-Aktien zeigten sich unbeeindruckt und lagen um 0,05 Prozent leichter bei 210,62 Pence.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Wirtschaftswaise

11.09.2013, 10:40 Uhr

[...]. Denn das Kernprodukt der Kabelnetze - Radio und Fernsehen - exisitiert nur dank langfristiger Verträge mit Wohnungsbaugesellschaften noch. Über Satellit gibt's mehr Radio und Fernsehen in besserer Qualität für umme. Ein Kabelanschluß ist ausschließlich wegen des schnellen Internetzugangs moch für Verbraucher interessant.

Mit anderen Worten: Vodafone könnte mit Kabel Deutschland sein Festnetz schneller ausbauen und seinen Kundenstamm erweitern - aber zur Not kommen die auch ohne aus. Umgekehrt bricht den Kabelleuten (nicht nur Kabel Deutschland) das Kerngeschäft weg - so sicher wie das Amen in der Kirche.

Wenn Herr Singer den Bogen überspannt, wird er mit seinen Aktien die Wände tapezieren können...
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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