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31.03.2017

10:48 Uhr

iPad, iPhone SE, Apple Watch, AirPods

Wie sich Apple heimlich vom Luxus-Image verabschiedet

VonNils Jacobsen
Quelle:Meedia.de

Seit Jahrzehnten gilt Apple als Luxus-Marke. Doch der Kultkonzern hat weitgehend unbeachtet die Preise gesenkt. Einige ausgewählte Produkte sind mittlerweile billiger als die Konkurrenz von Samsung oder Huawei.

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Der Preis ist plötzlich ziemlich heiß: Für 329 Dollar ist das neue iPad in den USA bereits zu haben – ein durchaus bemerkenswerter Preisnachlass von 70 Dollar gegenüber dem Vorgängermodell iPad Air 2. (In Deutschland fiel die Ermäßigung wechselkursbedingt um nur 30 Euro von 429 auf 399 Euro weniger rasant aus).

Es ist kein Einzelfall: Seit dem vergangenen Jahr dreht Tim Cook auf den Nebenschauplätzen weitgehend unbemerkt an der Preisschraube. Das Einstiegsmodell der ersten Generation der Apple Watch wurde vom Startpreis 2015 bei 349 auf nur noch 269 Dollar herabgesenkt. Hierzulande beträgt der Einstiegspreis der Apple Watch mit Sportarmband inzwischen nur 319 Euro statt vor zwei Jahren noch 399 Euro.

Die iPhone-Evolution

Von Modell zu Modell

Das erste iPhone im Jahr 2007 hat den Vormarsch der Smartphones angestoßen und nicht nur die Mobilfunk-Industrie umgekrempelt. Ein Überblick über die Entwicklung der Geräte von Modell zu Modell:

Das erste iPhone

Für das Jahr 2007 waren der große Touchscreen ganz ohne Tastatur und die Bedienung per Finger ein radikales Konzept, das die Smartphone-Revolution entscheidend anschob. Dabei verzichtete Apple bei der ersten Version sogar auf den schnellen UMTS-Datenfunk. (Quelle: dpa)

iPhone 3G

Ein iPhone 2 gab es nie – stattdessen kam im Sommer 2008 das iPhone 3G, was auf die Unterstützung des 3G-Standards UMTS hinwies. Das Aluminium-Gehäuse wurde durch eine Plastik-Schale ersetzt. Mit dem App Store öffnete Apple die Plattform für Programme verschiedener Entwickler.

iPhone 3GS

Mit dem Modell des Jahres 2009 führte Apple sein „Tick-Tock“-Prinzip ein, bei dem die iPhones alle zwei Jahre radikal erneuert werden und es zwischendurch ein „S“-Modell im unveränderten Design, aber mit aufgerüstetem Innenleben gibt. Das 3GS bekam eine bessere Kamera und einen schnelleren Chip.

iPhone 4

Das letzte Modell, das Gründer Steve Jobs noch selbst vorstellte. Das kantige Design des iPhone 4 mit einer gläsernen Rückwand war 2010 aufsehenerregend, zugleich häuften sich zunächst Berichte über Empfangsprobleme mit der Antenne am Außenrand.

iPhone 4S

Apple ließ sich 15 Monate Zeit bis Oktober 2011 mit einer Aktualisierung. Zu den Neuerungen gehörte neben technischen Verbesserungen die Sprachassistentin Siri.

iPhone 5

Während die Smartphones der Wettbewerber immer größer wurden, erweiterte Apple 2012 zunächst vorsichtig die Bildschirm-Diagonale von 3,5 auf 4 Zoll. Zugleich wurde das Gerät deutlich dünner gemacht und bekam wieder eine Aluminium-Hülle.

iPhone5S

Die wichtigste Neuerung im Herbst 2013 war der Fingerabdruck-Sensor zum Entsperren der Telefone. Zudem entwickelte Apple unter anderem die Kamera weiter.

iPhone 6

Erstmals entschied sich Apple 2014 für zwei neue Modelle mit deutlich größeren Bildschirmen mit Diagonalen von 4,7 und 5,5 Zoll. Der Schritt löste einen Absatzsprung aus, Apple kam monatelang der Nachfrage nicht hinterher. Die Geräte wurden abermals dünner.

iPhone 6S

Gleiches Gehäuse, bessere Technik – das reichte im Weihnachtsquartal 2015 knapp für den nächsten Absatzrekord von knapp 74,8 Millionen verkauften iPhones.

iPhone 7

Zum ersten Mal geht Apple ins dritte Jahr mit einem weitgehend unveränderten äußeren Design. Aber Apple verzichtete unter anderem auf die klassische Ohrhörer-Buchse zugunsten des digitalen „Lightning“-Anschlusses.

In beiden Fällen bietet Apple das Einstiegsmodell einer Produktkategorie ohne erkennbaren Premiumaufschlag bzw. sogar mit einem Abschlag an: Samsungs Gear S2 bzw. S3 ist aktuell für 319 bzw. 349 Euro zu haben; Huaweis Smartwatch 2 ist mit 329 Euro ebenfalls teurer. Auch die zweite Generation der Apple Watch ist mit einem Startpreis von 369 Dollar kaum teurer als die Konkurrenzprodukte, während die absurd teure goldene Apple Watch bereits nach einem Jahr wieder aus dem Verkauf gezogen wurde.

Das gleiche Bild beim iPad, das mit 329 Dollar bzw. 399 Euro zu einem Discount gegenüber Samsungs Galaxy Tab S2 und Microsofts Surface-Serie angeboten wird. Selbst die neuen Drahtlos-Kopfhörer AirPods liegen mit einem Verkaufspreis von 169 Dollar bzw. 179 Euro deutlich unter dem In-Ear-Kopfhörer-Pionier Bragi Dash, für den stolze 299 Dollar fällig werden.

Apple-Zuliefererbericht: Wie viel Kongo darf in einem iPhone stecken?

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Premium Wie viel Kongo darf in einem iPhone stecken?

Der IT-Konzern Apple dokumentiert die Lieferkette für seltene Metalle – mehr als 30 davon stecken in einem iPhone. Firmen, die sich nicht dauerhaft an die Regeln des Unternehmens halten, droht der Ausschluss.

Und sogar in der Königskategorie, dem iPhone, ist Apple nach zehn Jahren inzwischen bereit, in der Mittelklasse zu konkurrieren: das 4 Zoll große iPhone SE wird nun mit immerhin schon 32 GB, die weniger obsessiven Smartphone-Nutzern reichen könnten, für 399 Dollar angeboten (479 Euro in Deutschland), während der nächste große Wachstumsmarkt Indien zu Startpreisen von um die 300 Dollar erobert werden soll.

In anderen Worten: Apple kann auch günstig. Die Strategie hinter den Preisnachlässen ist klar: Abseits des Premium-iPhones und der MacBooks ist Konzernchef Tim Cook inzwischen auch bereit, für die Menge die Marge zu opfern.

Dazu hat Cook guten Grund: Einerseits hat die Apple Watch auch zwei Jahre nach ihrem Debüt die hochfliegenden Erwartungen nicht annähernd erfüllt, andererseits gelingt der Tabletsparte nach dreieinhalb Jahren im Niedergang immer noch nicht die Trendwende.

Während Cook das günstige iPhone SE im vergangenen Jahr zu ermäßigten Preisen auf den Markt brachte, um den Einbruch nach Absatzzahlen zumindest im Rahmen zu halten, reizt Apple bei den AirPods das Preispotenzial nicht voll aus, um vom Start weg möglichst viele Kunden einzusammeln.

Apple kann sich den Dreh an der Preisschraube, der an der Gewinnmarge knabbert, fraglos leisten – im September nämlich dürfte Tim Cook den Schalter im ganz großen Stil wieder in die andere Richtung umlegen: beim iPhone, das mutmaßlich bei einem Verkaufspreis jenseits der 1000 Dollar starten soll.

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