Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.12.2011

17:24 Uhr

iPad, Kindle Fire und Playbook

Wer ist der lachende Dritte im Tablet-Krieg?

VonAxel Postinett

Der Krieg um den Markt mit Tablet-Computern scheint entschieden: Apples iPad und Amazons Kindle Fire sind der Konkurrenz enteilt. Aber ein Großteil des Marktes ist noch nicht vergeben: Der Platz in der Mitte ist frei.

Das iPad von Apple hat den Markt für Tablets begründet - und beherrscht diesen noch unangefochten. Reuters

Das iPad von Apple hat den Markt für Tablets begründet - und beherrscht diesen noch unangefochten.

San FranciscoApple hat den Markt für Tablet-Rechner geschaffen, aber Amazon hat ihn revolutioniert. Der Einstieg des Web-Händlers mit seinem Kindle Fire für 199 Dollar hat zwei Dinge gezeigt. Erstens, es gibt Bedarf für günstige Rechner zum kleinen Preis. Und zweitens, die zwei Pole des Marktes sind nun besetzt. Apple dominiert den Premiumbereich und niemand ist in Sicht, der das ändern kann. Amazon hat sich den Billigmarkt gekrallt und hat momentan ebenfalls wenig Konkurrenz zu fürchten. Im kommenden Jahr wird es für deshalb für alle anderen Anbieter nur noch einen Platz geben, um den es sich lohnt zu kämpfen: die Mittelklasse um 300 bis 400 Dollar. Doch wie sollen diese Geräte aussehen und will sie überhaupt jemand?

Der frühe Ausstieg der Computerriesen HP und Dell aus dem Markt der beliebten Handflächencomputer mit Berührungsbildschirm war nur konsequent. Sie mussten erkennen, dass ihre Strategien nicht mehr aufgehen können und haben gehandelt. Tablets auf dem Technik-Niveau des Kindle-Fire, aber zum doppelten Preis, sind nicht mehr abzusetzen. Geräte – zumeist mit Android-Betriebssystem von Google - auf Preisniveaus des iPad haben ebenfalls kaum Chancen. Warum soll ich zur Kopie greifen, wenn ich das Original haben kann? Eine Lektion, wie sie grausamer auch Blackberry mit seinem Playbook nicht lernen konnte.

Doch wie muss ein Konkurrent aussehen, um mehr verlangen zu können als ein Amazon-Billigrechner und wann ist es attraktiv genug, um ein iPad auszustechen? Wenn im Januar die Elektronikmesse CES in Las Vegas ihre Tore öffnet, wird sich alles um diese Frage drehen.

Wer am meisten Tablets verkauft

Apple

Kultkonzern Apple verkaufte 18,6 Millionen Tablet PCs im 4.Quartal von 2011m, im Quartal zuvor waren es noch rund 11 Millionen Stück. Der Marktanteil von Apple liegt derzeit bei 65,6 Prozent.

Amazon

Auf Platz zwei liegt das Versandhaus Amazon - weit abgeschlagen. Im dritten Quartal in 2011 verkauften sie noch nichts, im vierten waren es schon 3,9 Millionen Tablet-PCs - macht einen Marktanteil von 13,8 Prozent.

Samsung

Samsungs Verkaufszahlen unterschieden sich in Quartal 3 und 4 nur marginal. Erst verkauften sie 1,3 dann 1,4 Millionen Tablet-PCs. Ihr Marktanteil liegt bei 4,8 Prozent.

Barnes & Noble

Barnes und Noble lag im dritten Quartal noch bei 0,8 Millionen. Sie steigerten sich im darauffolgenden Quartal um 5 Prozentpunkte. Mit ihrem Marktanteil liegen sie bei 4,7 Prozent.

HTC

Das Unternehmen HTC verkaufte erst 0,3, dann 0,4 Millionen Tablet-PCs. Ihr Marktanteil liegt bei 1,3 Prozent.

Andere Hersteller

Den Rest decken andere Hersteller ab. Zusammen haben sie einen Marktanteil von 4,6 Prozent. Gemeinsam verkauften sie im dritten Quartal 2,6 Millionen Tablet-PCs, im vierten 2,8 Millionen Stück.

Die Antwort kann nur in der Offenheit der Systeme liegen. Perfekt abgestimmte Tablets, in der Hard- und Software ineinandergreifen und damit auch massiv die Wahlfreiheiten der Nutzer beschneiden, die haben wir jetzt. Wer das mag, der findet, was er sucht. Offene, PC-artige Tablets für den unabhängigen Nutzer, der sich nicht vorschreiben lassen will, welchen Shop er zu benutzen hat, die fehlen noch. Viele Kunden wären sicher bereit, dafür einen – angemessenen – Aufpreis zu zahlen.

Microsoft hätte mit einem offenen Windows 8 eine Chance gehabt - die aber offenbar schon verpasst. Während laut dem Marktforschungsinstitut Forrester Reseach im ersten Quartal 2011 noch 46 Prozent der potenziellen Käufer gerne auf ein Windows 8-Tablet gewartet hätten, waren es im dritten Quartal nur noch 25 Prozent. Wenn Microsoft nicht schnellstens handelt, ist das Rennen verloren.

Der Phoenix aus der Asche könnte dann tatsächlich das abgeschriebene webOS von Hewlett Packard sein, der Untote der Softwareindustrie. Es ist modern, internet-orientiert und wird als Open-Source-Software ein neues Leben beginnen. Das Beste: es ist deshalb weitgehend unbelastet von Limitierungen und Eigeninteressen des ehemaligen Herstellers. So weit ist der gar nicht mehr gekommen. Findet sich eine mutige Schar von Hardware-Herstellern, die attraktive webOS-Tablets auflegen und stürzen sich Entwickler auf die jetzt offene Plattform, ist der Champion des Mittelstands geboren.

Wer den Markt der Smartphones regiert

Apple

Platz 1: Mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent führte Apple im zweiten Quartal des Jahres den Smartphone-Markt an. Insgesamt 20, 34 Millionen Smartphones lieferte der Hersteller in diesem Zeitraum an den weltweiten Handel. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von über neun Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr konnte Apple damit sogar eine Steigerung von über 140 Prozent erzielen.

Samsung

Platz 2: Direkt hinter Apple reiht sich der südkoreanische Rivale Samsung mit einem Marktanteil von 17,8 Prozent ein. Insgesamt 19,6 Millionen Smartphones brachten die Koreaner im zweiten Quartal in den weltweiten Handel. Damit hat sich der Hersteller selbst übertroffen: Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von fast 56 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar eine 600-prozentige Steigerung.

Nokia

Platz 3: Mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent hat es Nokia trotz der Verluste bei den Smartphones im zweiten Quartal noch unter die drei Besten geschafft. 16,7 Millionen Modelle lieferte der Hersteller aus - das sind 31 Prozent weniger als noch im ersten Quartal.

RIM

Platz 4: Ebenfalls Verluste machte RIM im zweiten Quartal des Jahres. Mit 13,2 Millionen ausgelieferten Smartphones erreichte der Hersteller einen Marktanteil von 12 Prozent, musste im Vergleich zum Quartal zuvor aber einen Rückgang von fast 11 Prozent in Kauf nehmen.

HTC

Platz 5: Der Marktanteil der HTC-Smartphones lag im zweiten Quartal bei 10,8 Prozent. Insgesamt fast 12 Millionen Modelle brachte der Hersteller in den Handel und steigerte damit sein Ergebnis aus dem Quartal zuvor um fast 25 Prozent.

Motorola

Platz 6: Motorola-Smartphones erreichten im zweiten Quartal einen Marktanteil von 4 Prozent. 4,4 Millionen Modelle brachte der Hersteller in diesem Zeitraum in den weltweiten Handel und steigerte sein Ergebnis aus dem ersten Quartal damit um mehr als sieben Prozent.

Sharp

Platz 7: Der japanische Elektronikkonzern Sharp hat mit 1,48 Millionen ausgelieferten Smartphones im zweiten Quartal einen Marktanteil von 6,8 Prozent erreicht. Im Vergleich zum ersten Quartal konnte der Konzern sein Ergebnis um 1,3 Prozent steigern.

Andere

Unter ferner liefen: Alle anderen, weniger nennenswerten Hersteller machten im zweiten Quartal mit rund 22,7 Millionen ausgelieferten Smartphones zusammengenommen einen Marktanteil von 20,6 Prozent aus. Im Vergleich zum Quartal zuvor entspricht das einer Steigerung von fast 31 Prozent. Betrachtet man den gesamten Markt, so wurden im zweiten Quartal weltweit über 1,1 Milliarden Smartphones der verschiedenen Hersteller ausgeliefert. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von 7,5 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist es sogar eine Steigerung um rund 82 Prozent.

Eine Chance liegt hier sogar für die Medienkonzerne in der Zwickmühle zwischen Apples iTunes und Amazons Kindle. Sie suchen Alternativen und müssten das junge Pflänzchen schon alleine aus Gründen des Selbstschutzes schnell und konsequent unterstützen. Eine dritte Kraft muss her und sie sollte offen sein für alle und jeden. Sonst droht das Duopol der Media-Plattformen aus den USA. Das sollte sich auch die nicht existierende europäische Tablet-Industrie überlegen – die letzte Chance für den Einstieg ist da, das Spielfeld ist bereitet.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.12.2011, 17:54 Uhr

Glücklicherweise ist noch überhaupt nichts entschieden: Apple´s iPad kann wegen des hohen Preises kein Massenprodukt werden (will es gar nicht) und den Kindle kauft man vielleicht in USA, aber nicht bei uns. Überall ist viel Luft, man denke nur an die 99 $ Nummer mit dem Abverkauf der Tablets von HP vor gerade einmal ein - zwei Monaten. Letzte Woche brachte Billigheimer Aldi sein erstes Tablet unter die Leute: Donnerstag um 09.00 Uhr wurde ich von der Verkäuferin schon ausgelacht, dass ich danach fragte: die Geräte waren nach weniger als 15 Minuten weg. Um Mittag gab´s in ganz Deutschland keins mehr! Warum? Auch wenn es etwas schwerer und dicker als das iPad ist, dafür spart man ca. 400 (!) €. Also: genügend Platz für den Wettbewerb!

Pro-D

15.12.2011, 18:35 Uhr

echt klasse,

wie schon oft früher passiert, auf ALDI kann man sich hierbei verlassen. Schade, dass die Aldi-Geräte schon weg sind. Man sieht, die Zukunft gehört auch den bezahlbaren Tablets.

Kartoffelberg

15.12.2011, 18:38 Uhr

außerdem ist das playbook laut einschlägigen testberichten einiger magazine o. websites (notebookcheck.com) eigentlich ein recht solides werkzeug nur eben mehr mit dem focus in richtung office-applikationen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×