Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.08.2011

13:59 Uhr

iPad-Konkurrenz

Amazon bereitet Angriff auf Apple vor

VonTino Andresen, Axel Postinett

Apple schien bisher auf dem Markt für Tablet-PCs unangreifbar zu sein. Doch jetzt könnte nach Ansicht von Analysten erstmals ein ernsthafter Herausforderer für das iPad auf den Markt kommen - und zwar sehr bald.

Marktführer unter Druck: Tablet iPad von Apple. AFP

Marktführer unter Druck: Tablet iPad von Apple.

DüsseldorfSchon im Oktober könnte Amazon laut dem „Wall Street Journal“ beginnen, ein eigenes Tablet zu verkaufen. Sollte sich Amazon mit Apple anlegen, wäre das nach Ansicht von Analystin Sarah Rotman Epps vom Marktforschungsinstitut Forrester Research wie der Kampf Davids gegen Goliath. Für sie ist der Internethändler, der sich selbst nicht zu den Spekulationen äußert, mit seinem Produkt „der einzig glaubhafte iPad-Rivale auf dem Markt“.

Bisher sind nämlich alle Tablets chancenlos gegen Apples Übermacht. Und das obwohl der Kuchen, der zu verteilen ist, immer größer wird: Die Zahl der verkauften Tablets wird sich dieses Jahr laut Prognosen im Vergleich zu 2010 fast vervierfachen, auf 60 Millionen Stück. Drei von vier dieser Geräte werden demnach iPads von Apple sein.

Doch Amazon hat die Grundlagen für den Angriff auf Apple bereits gelegt. Im März 2011 eröffnete Amazon einen eigenen Online-Shop für Android Apps. Googles Betriebssystem wird wahrscheinlich Grundlage des Tablets werden. Kurz danach erschienen ein Web-Speicherdienst für Musik und ein Musikplayer für Android. Im April legte Amazon eine neue Android-Version der Lese-App Kindle für Android nach.

Die Erfolgschancen von Amazon sind der Forrester-Analystin zufolge stark abhängig vom Verkaufspreis. Die Erfahrungen von Hewlett-Packard (HP) unterstreichen ihre These: Das Touchpad des Konzerns avancierte plötzlich zum Verkaufsrenner, als HP es zu Billigstpreisen ausverkaufte. Das zeigt, dass etliche Menschen Interesse an einem solchen Produkt haben, aber nicht bereit sind, dafür zwischen 500 und gut 800 Dollar zu bezahlen, wie Apple sie verlangt.

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Und hier liegt der Ansatzpunkt von Amazon: Sarah Rotman Epps prophezeit, das Unternehmen aus Seattle könne bei einem Preis von unter 300 Dollar noch im letzten Vierteljahr 2011 bis zu fünf Millionen Tablets verkaufen. Das wäre wohl nur mit Verlust möglich, aber Amazon könne sich das leisten und verfüge über eine starke Marke.

Der gewöhnlich gut informierte Technologieblog „Business Insider“ betont: „Amazon hat bereits bewiesen, dass es mehr als bereit ist, Hardware zumindest eine Zeit lang mit Verlust zu verkaufen. Und ein Tablet für unter 300 Dollar könnte genau die Verlockung sein, auf die die Konsumenten gewartet haben.“

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

xetec

30.08.2011, 12:38 Uhr

Es stimmt nicht das alle Tablets chancenlos gegen Apples Übermacht sind. Zumindest einen gleichwertigen Gegner für das iPad 2 existiert schon, nur verhindert Apple mit einstweiligen Verfügungen den Verkauf in mehreren Ländern. Offensichtlich hat Apple schon ein wenig Respekt vor diesem Konkurrenten. Wenn es nach Apple´s Vorstellungen geht müssten alle anderen Tablets genau so verboten werden wie das Samsung Galaxy 10.1, da sie alle die identischen äußeren Attribute haben.

Account gelöscht!

30.08.2011, 12:52 Uhr

an solchen aktivitäten sieht man das apple seinen zenit bald überschritten haben wird.

Sascha1974

30.08.2011, 12:52 Uhr

Ich stimme meinem Vorschreiber zu. Ich habe das Galaxy Tab 10.1 und es ist einfach ein geniales Gerät mit intuitiver Bedienung und hoher Performance. Steht einem iPad 2 sicherlich in nichts nach. Deswegen auch das ganze Theater mit der einstweiligen Verfügung, die aber nichts daran ändert, dass man das Galaxy Tab immer noch kaufen kann, wenn auch vielleicht über gewisse Umwege.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×