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21.05.2013

20:09 Uhr

Irische „Geisterfirmen“

Apple verteidigt seine Steuerpraxis

Dass Apple seine Milliarden auch cleveren Steuerstrategien verdankt, ist kein Geheimnis. Doch ein Ausschuss des US-Senats stellte nun fest: Apple zahle zum Teil gar keine Steuern. Konzernchef Tim Cook hält dagegen.

Gut 100 Milliarden seines Geldes hat Apple außerhalb der USA untergebracht: Die US-Politik reagiert gespalten. AFP

Gut 100 Milliarden seines Geldes hat Apple außerhalb der USA untergebracht: Die US-Politik reagiert gespalten.

WashingtonApple hat nach Auffassung amerikanischer Politiker durch ein komplexes Netz an Auslandsfirmen Milliarden Dollar an Steuerzahlungen gespart. Der Konzern betonte, stets im Rahmen der Gesetze zu handeln. „Wir sind stolz darauf, ein amerikanisches Unternehmen zu sein und unseren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten“, sagte Konzernchef Tim Cook am Dienstag bei einer Anhörung in Washington. „Wir sind nicht auf Steuertricks angewiesen.“

Ein Ausschuss des US-Senats veröffentlichte vor der Sitzung ein 40-seitiges Dokument über das Unternehmen und dessen internationale Verflechtungen. Im Zentrum der Kritik stehen dabei irische Tochterfirmen, über die schon seit den 1980er Jahren große Teile des Auslandsgeschäfts abgewickelt werden. Irland ist für seine niedrigen Steuern bekannt, unter bestimmten Voraussetzungen werden sogar gar keine Steuern fällig. Alleine in den vergangenen vier Jahren seien deshalb mehr als 70 Milliarden Dollar an Einnahmen nicht besteuert worden, hieß es in dem Senatsbericht.

Konzernchef Tim Cook bei der Anhörung: „Wir sind nicht auf Steuertricks angewiesen.“ Reuters

Konzernchef Tim Cook bei der Anhörung: „Wir sind nicht auf Steuertricks angewiesen.“

Der Ausschussvorsitzende Carl Levin sprach von „Geisterfirmen“, die Apple aufgesetzt habe, um sich vor Steuerzahlungen zu drücken. Die hauptsächliche irische Tochterfirma „reduziert unsere US-Steuern nicht im geringsten“, versicherte dagegen Cook. Die Firmenstruktur mache es schlicht einfacher, das Geschäft zu führen, ergänzte sein Finanzchef Peter Oppenheimer. „Unser Unternehmen ist etwas größer als das, was Steve Jobs vor vierzig Jahren in der Garage seiner Eltern gegründet hat“, sagte Cook.

Apple hat vor allem durch den Erfolg von iPhone und iPad einen Geldberg von 145 Milliarden Dollar angehäuft. Gut 100 Milliarden davon lagern außerhalb der USA. „Wir nutzen das Geld, um unser Auslandsgeschäft zu betreiben“, sagte Cook. Es sei außerdem zu teuer, das Geld bei einem Steuersatz von 35 Prozent in die USA zu holen. „Unser Steuersystem benachteiligt uns gegenüber unseren ausländischen Konkurrenten.“

Was US-Konzerne über ihre deutsche Steuerlast verraten

Amazon

Länderspezifische Zahlen weist das Unternehmen nicht aus. Man zahle aber alle anwendbare Steuern in jedem der Länder, in denen das Unternehmen tätig ist. Details für Großbritannien zeigen, dass der Konzern dort keinerlei Unternehmenssteuern zahlt.

Apple

Ein Apple-Sprecher macht es kurz: "Apple gibt keine regionalen Zahlen bekannt, daher kann ich Ihnen keine Gewinn- bzw. Steuerangaben für Deutschland nennen." Ähnlich wie bei Amazon erbringt die deutsche Apple GmbH lediglich Dienstleistungen für mit Apple verbundene Unternehmen.

Die Gesellschaft meldete einen Umsatz von 53 Millionen Euro im Geschäftsjahr bis Ende September 2011 und zahlte fast sieben Millionen Euro Steuern. Die Apple Retail GmbH machte im selben Zeitraum einen Umsatz von 174 Millionen Euro, meldete aber einen Verlust in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Die GmbH verzeichnete eine Steuerrückzahlung von 201.493 Euro.

Google

Die Google Germany GmbH meldet für 2011 eine Umsatz in Höhe von 190 Millionen Euro und einen Gewinn in Höhe von 16,2 Millionen Euro. Die abgeführten Steuern betragen 5,3 Millionen Euro.

Microsoft

Das Unternehmen rechnet vor, 31 Prozent Unternehmenssteuer auf den Gewinn gezahlt zu haben. "Bei der Betrachtung der Steueraufkommens, das mit Microsoft insgesamt verbunden ist, ist zu beachten, dass der bei weitem größte Anteil des Umsatzes/Gewinns/Steueraufkommens über unsere 38.000 Partnerunternehmen erbracht wird", so ein Sprecher. Der Finanzbericht der Microsoft Deutschland GmbH (für das Geschäftsjahr bis Ende Juni 2011) weist einen Umsatz von 682 Millionen Euro aus und eine Steuerlast in Höhe von etwas über 29 Millionen Euro.

Starbucks

Insgesamt 160 Filialen hat die Kaffeehaus-Kette Starbucks in Deutschland. Eine Sprecherin teilt mit: Starbucks [hat] es niemals umgangen, in Deutschland Steuern zu zahlen. In den vergangenen drei Jahren haben wir Steuern in Höhe von insgesamt mehr als 19 Millionen Euro bezahlt, unter anderem für Sozialversicherung und Unternehmenssteuer."

Das die Sozialversicherung in diese Angabe mit eingezogen wird, dürfte einen guten Grund haben. Denn für das Geschäftsjahr 2010/11 hat die Starbucks Coffee Deutschland GmbH einen deutlichen Verlust gemeldet und darin keine Hoffnung geweckt, dass sich die Lage bessern könnte. "Aufgrund des Jahresfehlbetrages des Geschäftsjahres sowie der Verlustvorträge ergibt sich kein Steueraufwand", heißt es im Jahresbericht.

Die Debatte um Apples Steuern war entbrannt, nachdem sich der Konzern jüngst für Zahlungen an seine Aktionäre 17 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt lieh, was bei den derzeitigen Zinssätzen billiger kam als das Geld aus dem Ausland zu holen. Cook versicherte aber, er sei „nicht vor dieses Komitee gezerrt worden“. Er sage den Leuten einfach gerne selbst, was bei Apple vor sich gehe.

Kommentare (5)

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steuerapple

21.05.2013, 22:18 Uhr

Wohin sind wir in dieser SozialismusPolitik hier und dort des Atlantiks gekommen?! Da muss sich nun ein Unternehmen rechtfertigen, das die Gesetze hier und da des Atlantiks angewandt hat und unsere Journalisten finden das eine Story wert. Volksverdummung und Stammtischniveau gehen hier eine üble Verbindung ein. Schlechte Ausbildung und fehlende Erfahrung machen aus einem Schreiberling leider keinen Journalisten. ...

Account gelöscht!

21.05.2013, 22:36 Uhr

Wenn ich mir den Artikel ansehe, fehlen mir oft die Worte! Wo bleibt die sorgfältige Recherche?
Warum, Wieso, Weshalb, wer ist verantwortlich? Es zählt nur die Quote.
Schon Adenauer soll gesagt haben, was stört mich mein Geschwätz von Gestern.

Die Kommentare zeigen oft nur die verführte Volksseele, der oft das Wissen und den Hintergrund nicht kennen will / fehlt.

Fast alle Gemeinden, Kreise, Bezirke, Bundesländer, auch Staaten haben, z.B.: Ihre Gewerbesteuer, etc. gesenkt, um sich gegenseitig Firmen und Betriebe abzujagen.
Das gibt es heute immer noch. Wer hat die Steuern – Vergünstigungen beschlossen?

Heute werden die Firmen und Betrieb mit der Behauptung „Steuervermeidung“ kriminalisiert.

Jeder Firma, jeder Betrieb ist verpflichtet seine Kosten zu minimieren. Auch Steuern sind Kosten! Siehe Betriebswirtschaftslehre. Um am Markt, im Wettbewerb und Global bestehen zu können. –Geiz ist geil - In der Regel kauft der Verbraucher auch nur das preisgünstige Angebot!

Die Politik, Politiker, Parteien lenken hiermit von ihren Fehlern ab und die Medien machen mit, obwohl die Medien sich als 4. Gewalt und Kontrollinstanz bezeichnen und hiermit ihr Dasein
Alex Odin

Double-Irish-Dutch-Sandwich

21.05.2013, 22:49 Uhr

In Irland wird mit 85 Mrd. "Eurorettung" ein parasitärer Steuervermeidungs-Zirkus alimentiert

70% der Direktinvestitionen in Irland stammen von US-Unternehmen wie Pfizer, Microsoft oder Apple.
Irlands Geschäft besteht darin, durch Lizenzakrobatik und (Schein-) Aktivitäten Gewinne von realen Konzern- und Leistungsorten wegzuverlagern ...hin zu Steueroasen wie den Caymans (Facebook) oder den Bermudas (Google).
Irland dient dabei als "Zwischenlager" solcher Gewinne, da eine Verlagerung auf direktem Weg regulatorisch unterbunden ist.
Die Konstruktion ist als "Double Irish" bekannt. Fährt das Geld einen weiteren Umweg über die Niederlande, spricht man von einem "Dutch Sandwich".
Der jährl.Schaden für den US-Fiskus übersteigt 60 Mrd USD. Google dagegen erfreut sich an Steuerquoten um 2,4%. Das Modell ist so legal, wie es eine gekaufte Gesetzgebung nur sein kann.
Irlands Steuerschieber lösten einen Ansiedlungsboom mit Immobienblase aus. Diese detonierte in den Bilanzen der Banken dort.
In Irland wird nun mit 85 Mrd. "Eurorettung" ein parasitärer Steuerschieberbahnhof gerettet.

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