Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.09.2014

10:32 Uhr

„Isis Wallet“

Wenn ein Unternehmen wie eine Terrorgruppe heißt

VonTina Halberschmidt

Was hat ein amerikanisches Software-Unternehmen mit der gefürchteten Terrorgruppe „Islamischer Staat“ zu tun? Eigentlich nichts. Bis auf die Tatsache, dass man sich den Namen teilt.

Mit der App „Isis Wallet“ kann man bargeldlos zahlen.

Mit der App „Isis Wallet“ kann man bargeldlos zahlen.

Einfach und bequem mit dem Smartphone zahlen – „Isis Wallet“ macht’s möglich. Das Joint Venture aus AT&T Mobility, T-Mobile US und Verizon, das 2010 gegründet wurde, bietet die App „Isis Mobile Wallet“ an, mit der Kunden in den USA in zahlreichen Geschäften bargeldlos einkaufen können.

Seit Wochen berichten Medien in aller Welt tagtäglich über „Isis“. Gemeint ist in diesem Fall allerdings nicht das mobile Zahlungssystem, das man sich mit wenigen Klicks aufs Phone lädt, sondern die Terrorgruppe „Islamischer Staat in Irak und Syrien“, die im Irak Angst und Schrecken verbreitet. Zwar nennen sich die Terroristen selbst inzwischen „IS“ für „Islamischer Staat“. Die Abkürzung „Isis“ wird aber immer noch verwendet und weckt äußerst negative Gefühle.

Bei Twitter werden deswegen immer öfter Beschwerden laut. „Hey, das ist ein brutaler Name für eine App“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer meint, allein der Name der App sei ein Grund, die Software nicht zu benutzen und lieber ganz auf Bitcoins als virtuelle Währung zu setzen. Tatsächlich mutet es mehr als zynisch an, wenn die App auf dem Smartphone startet und ein Bildchen auf magentafarbenem Hintergrund fröhlich verkündet, dass „Isis gerade lädt“.

Mobile Bezahlsysteme fürs Smartphone

Square

Der Vorreiter ist Square: Das US-Unternehmen, hinter dem Twitter-Gründer Jack Dorsey steckt, bietet sein Adapter für Smartphones und Tablet-Computer seit Mai 2010 in den USA an. Zu den Geldgebern gehören neben namhaften Risikokapitalgebern auch der Kreditkarten-Gigant Visa und die Kaffeekette Starbucks, die das System in ihren Geschäften einsetzt. In Europa bietet Square seine Dienste aber noch nicht an.

iZettle

Das schwedische Unternehmen iZettle ging im Mai 2011 an den Start. Es ist bislang vor allem in Europa tätig, macht Square aber seit Juni 2013 aber auch in dessen Hinterhof Mexiko Konkurrenz. Zu den Geldgebern zählen die Kreditkarten-Riesen American Express und Mastercard, außerdem die spanische Großbank Banco Santander und der skandinavische Finanzkonzern SEB. Die Deutsche Telekom und die Volksbanken vertreiben das Lesegerät in Deutschland. iZettle hat nach eigenen Angaben „weit mehr als 100.000 Nutzer“ in Europa.

Payleven

Payleven stammt aus dem Umfeld der Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet, mit der die Gebrüder Samwer zahlreiche Unternehmen gründen oder unterstützen. Über die Investment-Firma halten sie etwas mehr als 50 Prozent der Anteile. Zu den weiteren Investoren zählen Holtzbrinck Ventures und New Enterprise Associates. Der Bezahldienstleister hat mit Apple einen prestigeträchtigen Vertriebspartner gewinnen können, die Lesegeräte werden europaweit in den Apple Stores und online verkauft. Im Handel ist das System unter anderem bei Metro Cash & Carry, Selgros und Schaper erhältlich.

Das Bezahlsystem ist seit August 2012 auf dem Markt, in Deutschland wie auch in etlichen anderen Ländern in Europa. Zu Nutzerzahlen und Umsatz äußert sich das Unternehmen nicht.

Das Chip-Lesegerät kostet einmalig 99 Euro plus Mehrwertsteuer, Die Gebühren betragen 0,95 Prozent der Summe mit EC- und Debitkarten sowie 2,75 Prozent der Summe bei Zahlung mit Kreditkarte.

SumUp

Der Berliner Mobil-Bezahldienst SumUp ist in Deutschland seit August 2012 am Start. Das Unternehmen ist außerdem in Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Italien aktiv, ebenso in Russland.

Zu den Investoren gehören der Kreditkarten-Riese American Express und das Gutschein-Portal Groupon – sie investierten einen zweistelligen Millionenbetrag. Auch die spanische Großbank BBVA hat sich beteiligt. Zu den deutschen Kapitalgebern zählen die Beteiligungsgesellschaften b-to-v Partners, Shortcut Ventures und Tengelmann Ventures sowie der Investor Klaus Hommels.

Das Kartenlesegerät gibt SumUp in Deutschland derzeit kostenlos ab, pro Transaktion werden 2,75 Prozent Gebühr fällig. Darüber hinaus gibt es eine „EC-Flatrate“, bei der für rund 30 Euro im Monat ein Umsatz von bis zu 5000 Euro mit EC-Karten inklusive ist.

Wie viele Geräte im Einsatz sind, legt das Unternehmen nicht offen, ebenso wenig den Umsatz.

Streetpay

Hinter der Firma Streetpay steckt die Firma Masterpayment AG aus Starnberg. Sie brachte im Juni 2012 ihr Bezahlsystem auf den Markt. Insgesamt 3000 Geräte sind nach Unternehmensangaben in regelmäßiger Verwendung. Beim Vertrieb arbeitet sie unter anderem mit dem Mobilfunker E-Plus zusammen. Ein Schwerpunkt des Geschäfts liegt im Nahen Osten, wo lokale Firmen die Lesegeräte vertreiben. Kein Wunder: Die königliche Familie von Abu Dhabi hält 33 Prozent der Anteile. Der Rest gehört den Gründern und dem Management.

Streetpay bietet unterschiedliche Geräte an, im günstigsten Fall kostenlos. Pro Transaktion werden bis zu 2,7 Prozent fällig. Das Unternehmen peilt nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von drei Millionen Euro an, das Volumen an abgewickelten Zahlungen wächst demnach von Quartal zu Quartal um 100 bis 150 Prozent.

Wirecard AG

Das deutsche Unternehmen Wirecard AG ist mit Systemen für Zahlungsverkehr und Risikomanagement groß geworden. Jetzt bietet es als White-Label-Lösung auch ein Kartenlesegerät an, das andere Unternehmen unter eigener Marke vermarkten. So stattet der Dienst MyTaxi seit März 2013 Fahrer in Deutschland, Spanien und den mit dem Terminal aus.

Paypal

Die Ebay-Tochter Paypal gehört zu den großen Zahlungsdienstleistern im Internet, will aber auch außerhalb der virtuellen Welt expandieren. Das Aufstecksystem Paypal Here wird bislang allerdings noch nicht in Deutschland vertrieben.

Orderbird

Auf Restaurants, Bars und Diskotheken ist der Kassensystemhersteller Orderbird spezialisiert – auch eine Aufstecklösung für mobile Geräte hat er im Angebot. Bei EC-Kartenzahlungen wird eine Gebühr von 1,7 Prozent fällig, bei Kreditkartenzahlungen 2,7 Prozent. Dabei gebe es weder eine Mindestvertragslaufzeit noch eine Grundgebühr, teilt das Unternehmen mit. Für die Profilösung my.orderbird werden 39 Euro im Monat fällig.

Das finden wohl auch die Chefs von „Isis Wallet“. Bereits Anfang Juli verkündete CEO Michael Abbott, man werde den Markennamen ändern. Dies sei kein leichter Schritt. „Aber wir wissen, dass es die richtige Entscheidung ist – für unsere Geschäftspartner, unsere Kunden und unser Unternehmen.“ Den Namen „Isis“ habe man übrigens gewählt, weil er gut geeignet schien, um die neue Marke auf dem amerikanischen Markt einzuführen. Mit einer Terrorgruppe wolle man aber keinesfalls in Verbindung gebracht werden.

Einen neuen Namen zu finden, das scheint jedoch gar nicht so einfach zu sein. „Isis Wallet“ heißt jedenfalls weiterhin „Isis Wallet“ – und befindet sich damit in gar nicht guter Gesellschaft: Als Firmen- oder Markenname kommt „Isis“ relativ häufig vor. An den deutschen Börsen werden aktuell zum Beispiel Aktien des Pharma-Unternehmens „Isis Pharmaceuticals“ oder des Startup-Unternehmens „Isis Lab Corp“ gehandelt. Auch eine 1997 gegründete US-amerikanische Rockband nennt sich „Isis“ – und wurde bei Twitter und Facebook bereits für den Namen kritisiert. In Großbritannien sorgte derweil die neue „Isis“-Wäschekollektion von Ann Summers für Aufregung. In der ägyptischen Mythologie ist „Isis“ übrigens die Göttin der Geburt und der Magie.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×