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16.01.2009

15:05 Uhr

IT-Branche

Der Stern von Indiens IT-Himmel sinkt

VonHelmut Hauschild

Bisher dachte die erfolgsverwöhnte Branche, von der Wirtschaftskrise profitieren zu können. Noch mehr Firmen sollten ihre Computersysteme ins billige Ausland verlagern. Jetzt müssen Indiens IT-Dienstleister ihre kühnen Erwartungen zurückschrauben. Schuld daran ist nicht nur die Krise. Die Kunden haben infolge des Bilanzbetrugs bei Satyam Computer Services das Vertrauen verloren.

Die Zentrale von Satyam in Hyderabad. Foto: Reuters Reuters

Die Zentrale von Satyam in Hyderabad. Foto: Reuters

Die Wirtschaftskrise und der Bilanzskandal bei Indiens viertgrößtem IT-Dienstleister Satyam rauben der lange umjubelten Vorzeigebranche von Asiens zweiter Wachstumslokomotive neben China den Glanz. Indiens Marktführer bei IT-Dienstleistungen, Tata Consultancy Services (TCS), musste gestern einen deutlichen Rückgang seines Gewinns bekanntgeben. Im dritten Quartal bis 31. Dezember erzielte das zum Mischkonzern Tata gehörende Unternehmen mit Sitz in Bombay einen Nettogewinn von 276 Mio. US-Dollar. Das sind knapp 15 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Eine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr und die weitere Geschäftsentwicklung wollte TCS-Vorstandschef Subramaniam Ramadorai nicht abgeben. Die Wirtschaftskrise habe das Marktum-feld verschlechtert, sagte er vor Journalisten lediglich. TCS erzielt etwa die Hälfte seines Umsatzes mit der Programmierung und Betreuung von Computersystemen und Kundendaten internationaler Finanzkonzerne. Zu den Kunden gehören unter anderem Deutsche Bank und Citigroup.

Branchenexperten rechnen mit einem massiven Einbruch bei Indiens erfolgsverwöhnten IT-Dienstleistern. "Der an Wachstumsraten von 25 Prozent gewöhnten Branche droht eine Phase der Stagnation", glaubt Wolfgang Messner, Managing Consultant bei der Unternehmensberatung Capgemini in Bangalore. Ursache sei nicht nur die Wirtschaftskrise, sondern auch der erhebliche Vertrauensverlust amerikanischer und europäischer Kunden infolge des Bilanzbetrugs bei Satyam Computer Services.

Vergangene Woche hatte der Gründer und Chef von Satyam, Ramalinga Raju, überraschend gestanden, die Bilanz des in Hyderabad ansässigen Unternehmens jahrelang geschönt und die Barreserven um eine Mrd. US-Dollar aufgeblasen zu haben. Satyam mit knapp 53 000 Beschäftigten braucht dringend Liquidität, um der Pleite zu entgehen. Die Hoffnung auf öffentliche Finanzhilfe erlitt gestern einen Rückschlag. Indiens Minister für Unternehmensangelegenheiten, Prem Cham Gupta, sagte, es gebe von Satyam bisher keine Anfrage nach einem staatlichen Rettungspaket. Wenige Tage nach dem Satyam-Betrug war zudem bekannt geworden, dass die Weltbank den drittgrößten indischen IT-Dienstleister Wipro seit 2007 von der Auftragsvergabe ausgeschlossen hat. Wipro soll Weltbank-Mitarbeiter finanziell begünstigt haben. Den gleichen Vorwurf erhebt die Bank auch gegen Satyam.

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