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19.09.2014

04:26 Uhr

IT-Branche

Oracle-Chef Larry Ellison tritt zurück

Überraschender Rücktritt: Der CEO des US-Software-Konzerns Oracle, Larry Ellison, gibt sein Amt ab. Der Gründer des SAP-Rivalen wird künftig andere Aufgaben wahrnehmen. Die Gründe für diesen Schritt sind vielfältig.

Zieht sich von der Firmenspitze zurück: Oracle-Chef Larry Ellison ap

Zieht sich von der Firmenspitze zurück: Oracle-Chef Larry Ellison

San Francisco, Redwood ShoresDer SAP -Rivale Oracle tauscht überraschend seinen Chef aus. Wie der Softwarekonzern am Donnerstag nach US-Börsenschluss bekanntgab, übernimmt der bisherige CEO Larry Ellison die Stelle als Technischer Geschäftsführer (CTO) und Executive Chairman. An seine Stelle treten als Doppelspitze Safra Catz und Mark Hurd. „Wir drei arbeiten seit mehreren Jahren gut zusammen“, erklärte Ellison. Dies solle „auf absehbare Zeit“ so bleiben.

Den Hintergrund für den Führungswechsel gab es am Donnerstag gleich mit. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz mit Software und Cloud-Diensten um magere sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit Servern fiel weiter mit Minus acht Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Seit 2011 ist der frühere Wachstumswert Oracle nie über ein konsolidiertes Plus von vier Prozent in einem Quartal hinausgekommen. Auch jetzt waren es nur drei Prozent.

Der scheidende CEO greift in die Börsen-Trickkiste

Der Gewinn fiel auf 2,18 Milliarden Dollar nach 2,19 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Ohne Sonderposten betrug er 62 US-Cent je Aktie, während die Experten 64 Cent erwartet hatten. Der US-Konzern kündigte weiter eine Ausweitung des Aktienrückkauf-Programms um bis zu 13 Milliarden Dollar an.

Die Oracle-Aktie verlor im nachbörslichen Handel 2,4 Prozent. Um den Aktienkurs zu stützen, griff der scheidende CEO noch einmal in die Trickkiste der Wall Street. Es wird ein Aktienrückkaufprogramm über 13 Milliarden Dollar installiert. Es soll die Kurse stabilisieren und helfen die Ergebnisse zu schönen. Der von Analysten viel beachtete Gewinn pro Aktie wird immer positiv beeinflusst, wenn es weniger Aktien im Markt gibt. Auch, wenn die Gewinne nicht steigen.

Experten zeigten sich von Ellisons Rücktritt von der Firmenspitze überrascht. Zwar habe es entsprechende Spekulationen gegeben, sagte Daniel Ives von FBR Capital Markets. Der Zeitpunkt löse jedoch Verwunderung aus. „Die Wall Street wird viele Fragen haben.“

Bill Kreher von Edward Jones sagte, es sei grundsätzlich "nicht ideal", mit einer Doppelspitze zu arbeiten. So seien die 52-jährige Catz und der 57-jährige Hurd sehr unabhängige Denker mit einem starken Willen.

Ellison ist der letzte seiner Art, ein IT-Dinosaurier aus der Zeit vor dem Internet – ähnlich wie Steve Jobs, Bill Gates, Steve Wozniak oder Intel-Mitgründer Andy Grove. Sie alle sind heute abgetreten oder verstorben. Das Silicon Valley von heute gehört Facebooks Mark Zuckerberg, Googles Larry Page, Amazons Jeff Bezos oder Marc Benioff von Salesforce.com. Benioff war einst einer der höchstgehandelten Nachfolger von Ellison bei Oracle, bis er in das Cloud-Business einstieg, das Ellison bis zum Schluss nie richtig gemocht und verstanden hat.

1977, zwei Jahre nachdem Bill Gates Microsoft ins Leben gerufen hatte, gründete Ellison Oracle. Aus den Anfängen eines Datenbank-Spezialisten entstand eines der mächtigsten Softwareunternehmen der Welt. Oracle kaufte die Konkurrenten reihenweise auf, überholte SAP mühelos und kämpfte mit Microsoft und IBM um die Geschäftskunden.

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