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14.08.2015

18:35 Uhr

IT-Einsatz beim Bundesligastart

Wenn SAP für Pep mitschreibt

Am Abend startet die Bundesliga in die neue Saison. Der FC Bayern vertraut dabei auf die Hilfe von SAP. Der IT-Konzern ist im Hintergrund immer mit dabei. Doch es gibt ein Tabu.

Die Saisonvorbereitung mit Analysesoftware soll für noch mehr Erfolge sorgen. dpa

Bayern-Trainer Pep Guardiola (r.) mit Arturo Vidal

Die Saisonvorbereitung mit Analysesoftware soll für noch mehr Erfolge sorgen.

WalldorfSchon nach der ersten halben Stunde stand fest: Dieses Spiel dürfte in die Geschichte eingehen. Als die deutsche Nationalmannschaft am 8. Juli 2014 mit einem 7:1 gegen Brasilien vom Platz zog, war sie gefühlt schon fünf Tage vor dem Endspiel Weltmeister.

„Wir waren der 12. Mann auf dem Platz“, sagt Stefan Wagner – nicht ohne eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. Wagner ist beim Softwarekonzern SAP unter anderem für den Bereich Sport zuständig. Was er meint: Die Nationalmannschaft hatte während der WM in Brasilien Spielabläufe und Leistung ihrer Spieler mit SAP-Analysesoftware durchleuchtet. Lauf- und Abwehrverhalten oder durchschnittlicher Ballbesitz wurden mit Hilfe von Videoaufnahmen und Chips erfasst, verarbeitet und visualisiert. Taktiktafeln und Spickzettel aus Papier waren gestern.

FC Bayern München: Meister der Sponsorenverträge

FC Bayern München

Meister der Sponsorenverträge

„Die Bayern lassen niemanden kalt“: Der Deutsche Meister verlängert seine Kooperationen mit der Telekom und Adidas. Das Geschäft mit dem Spitzenfußball ist für Verein und Sponsoren ein lukratives Geschäft.

Auch wenn Bayern München und die TSG Hoffenheim am Wochenende zum Start der Bundesliga auf dem Platz stehen, wird SAP im Hintergrund dabei sein. Beide Vereine verbindet mit dem Softwarekonzern eine Mischung aus Kundenbeziehung und Sponsoring. Sie kaufen Software und werden dafür bei Neuentwicklungen eingebunden.

Beide verwenden die digitale Trainingshilfe des Walldorfer Softwarekonzerns. Während der Spiele ist der Einsatz in der Bundesliga allerdings noch nicht erlaubt. Neben Spielanalysen werden auch Leistungsparameter und Verletzungshistorie der Spieler erhoben und ausgewertet.

„Passlänge, Schussgeschwindigkeit, das Tempo, aber auch das Abbremsen eines Spielers lassen sich ebenso messen wie die Schrittzahl und ob der Ball mit rechts oder links geschossen wurde“, sagt Rafael Hoffner, bei Hoffenheim für Sport-IT-Innovationen zuständig.

Fragen und Antworten zur 53. Bundesliga-Saison

Was ist neu in der Bundesliga-Saison?

Erstmals wird in der deutschen Eliteklasse die Torlinientechnologie Hawk Eye eingesetzt. Am 4. Dezember 2014 hatten sich die Vertreter der damaligen Erstligisten auf einer Mitgliederversammlung mit 15:3 Stimmen und damit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit für dieses System ausgesprochen.

Wen soll die neue Technologie unterstützen?

In erster Linie die 22 Schiedsrichter, die im Oberhaus zum Einsatz kommen. Neu im erlauchten Kreis der Bundesliga-Referees ist der erst 26 Jahre alte Benjamin Brand. Der BWL-Student aus Bamberg ist seit 2010 im DFB aktiv und debütierte 2012 in der 2. Liga. Dienstältester Unparteiischer ist Wolfgang Stark, der in seine 19. Bundesliga-Saison geht. Nicht mehr dabei sind die aus Altersgründen ausgeschiedenen Peter Gagelmann und Thorsten Kinhöfer. Nach wie vor ist die Spielleitung in der deutschen Eliteklasse eine Männer-Domäne: Zweitliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus wird im Oberhaus weiterhin nur als vierte Offizielle zum Einsatz kommen.

Wer kann Redordmeister Bayern München Paroli bieten?

DFB-Pokalsieger und Vizemeister VfL Wolfsburg dürfte nicht zuletzt wegen seines Sieges im Supercup gegen die Bayern wieder ärgster Kontrahent sein. Dazu kommen die üblichen Verdächtigen wie Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen, Schalke 04 und auch wieder Borussia Dortmund unter seinem neuen Coach Thomas Tuchel. Der BVB gibt sich nach einer schwierigen Saison allerdings zurückhaltend.

Welche Rekorde jagt Bayern in der kommenden Saison?

Die Bayern können als erstes Team zum vierten Mal in Folge die deutsche Meisterschaft gewinnen. Zuvor steht aber möglicherweise schon am zehnten Spieltag eine neue Bestmarke an: Die Münchner könnten als erstes Team der Geschichte den 1000. Sieg in der Bundesliga feiern. Bislang gewann der Rekordmeister 990 Bundesliga-Spiele.

Auf welche neuen Gesichter darf man sich freuen?

In dem chilenischen Copa-América-Gewinner Arturo Vidal und dem brasilianischen Nationalspieler Douglas Costa hat Bayern München die prominentesten Akteure verpflichtet. Von den Rückkehrern Kevin Kuranyi (1899 Hoffenheim), Sascha Riether (Schalke 04) und Piotr Trochowski (FC Augsburg) wird ebenfalls eine Menge erwartet. Insgesamt gaben die Klubs für etwas über 200 Zugänge fast 300 Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Die reichste Liga der Welt, die englische Premier League, investierte bislang schon über 750 Millionen Euro (260 Profis).

Mit welchem Ball wird gespielt?

In der sechsten Saison in Folge wird mit der Torfabrik aus dem Hause adidas gespielt, überwiegend in weiß gehalten. Über die Oberfläche des offiziellen Spielballs winden sich „Diamantenbänder“ in erhabenem Schwarz-Rot-Gold. Das Spielgerät basiert auch in seiner neuesten Auflage auf der Technologie des WM-Spielballes brazuca. Für die Wintermonate gibt es eine Alternative in Orange, die auf Schnee oder Eis gut zu sehen ist.

Wie lange dauert die Saison?

Am 10. Juni 2016 beginnt in Frankreich die Europameisterschaft. Um der Nationalmannschaft eine vierwöchige Vorbereitung zu gewährleisten, endet die Bundesliga mit dem 34. Spieltag am 15. Mai 2016. Eine Woche später kämpfen allerdings noch zwei Teams um den DFB-Pokal, und die Relegation steht ebenfalls noch an.

Wer ist der jüngste und wer der älteste Trainer?

Seit 1997 ist Pal Dardai in verschiedenen Funktionen bei Hertha BSC angestellt und damit ein echtes Urgestein. Mit Blick auf die 18 Trainer der Bundesligisten ist der Ungar allerdings ein echter Grünschnabel: Dardai geht in seine erste komplette Saison als Bundesliga-Coach und ist mit 39 Jahren aktuell der Jüngste seiner Zunft. Sein mit 57 Jahren ältester und gleichzeitig dienstältester Kollege ist der Gladbacher Lucien Favre, einer seiner Vorgänger in Berlin.

Was ist noch interessant?

Der Hamburger SV ist der erste Bundesligist, der seinem Stadion seinen ursprünglichen Namen zurückgegeben hat – nachdem er in der Saison 2001/02 noch der erste Klub war, der den Namen an einen Sponsor verkaufte. Ab dieser Saison spielt der Bundesliga-Dino wieder im Volksparkstadion, wobei die Namensrechte nicht beim Verein, sondern bei einem Mäzen liegen.

Was sollte man noch wissen?

Im FC Ingolstadt gibt es wieder einen echten Neuling in der Bundesliga. Die Schanzer sind der 54. Verein im Oberhaus. Von den jüngsten vier Neulingen sind die SpVgg Greuther Fürth (2012/13) und der SC Paderborn (2014/15) gleich wieder abgestiegen, der FC Augsburg und 1899 Hoffenheim halten sich dagegen seit ihrem Aufstieg (2011 bzw. 2008). Zweiter Aufsteiger ist Darmstadt 98, das nach 33 Jahren zurückkehrt. Darüber dürfte sich der HSV freuen: In den beiden Bundesliga-Jahren der Lilien holte Hamburg am Ende die Meisterschaft.

Um die Daten zu erfassen, arbeitet SAP mit Anbietern wie Opta und Prozone zusammen. „Bis zu 50.000 Positionsdaten pro Sekunde kann das RedFIR-System, das zum Beispiel bei unserer A-Jugend eingesetzt wird, aufzeichnen“, so Hoffner.

Diese stehen in einem Container am Spielfeldrand sofort zur Verfügung, wo eine Datenbank von SAP sie verarbeitet. Die Trainer können damit Millionen Daten binnen Sekunden für die Trainingsplanung verwenden.

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