Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.09.2013

08:46 Uhr

IT-Unternehmen Secusmart

„Snowden-Effekt“ hilft Blackberry-Anbieter

Über zu wenig Aufträge kann sich Secusmart derzeit nicht beschweren. Durch die von Edward Snowden aufgedeckte Späh-Affäre besteht großes Interesse an abhörsicheren Smartphones – Secusmarts Blackberrys sind gefragt.

Bundeskanzlerin Merkel mit einem Blackberry von Secusmart auf der Cebit: Zahlreiche Ministerien haben das Z10 geordert. AP/dpa

Bundeskanzlerin Merkel mit einem Blackberry von Secusmart auf der Cebit: Zahlreiche Ministerien haben das Z10 geordert.

BerlinDer Düsseldorfer IT-Spezialist Secusmart hofft nach dem „Snowden-Effekt“ auf ein großes internationales Geschäft mit seinen abhörsicheren Smartphones. In Deutschland hätten wenige Tage nach Verkaufsstart 23 Behörden über 1200 der Geräte auf Blackberry-Basis geordert, sagte Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle. Inzwischen testeten mehrere weitere europäische Länder die Technik. Auch aus der Wirtschaft kämen mehr Aufträge.

Denn die Enthüllungen des Informanten Edward Snowden über die Internet-Überwachung durch amerikanische und britische Geheimdienste hätten die Stimmung verändert. „Wir glauben, dass es der deutschen Krypto-Industrie jetzt bessergehen wird“, sagte Quelle. „Der Snowden-Effekt wird mittelfristig auch dem Geschäft mit Sprachverschlüsselung einen Schub geben.“ Derzeit liefen Test bei mehreren DAX-Konzernen. Der Bedarf sei zwar schon immer da gewesen, werde jetzt aber auch erkannt. „Das Ausmaß des Problems war niemandem klar.“

Das aktuelle Secusmart-Gerät basiert auf dem Touchscreen-Blackberry Z10. Das Modell hat dem kanadischen Smartphone-Pionier gerade eine Abschreibung von 934 Millionen Dollar eingebrockt, weil sich der einstige Hoffnungsträger so schlecht verkaufte. Blackberry konnte die Talfahrt bei den Marktanteilen nicht stoppen und setzt jetzt nach einem hohen Verlust auf den Verkauf an einen Finanzinvestor.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Die aktuelle Diskussion um die Zukunft von Blackberry sei „wenig Hilfreich“, räumte Quelle ein. Allerdings gehe er davon aus, dass Blackberry zumindest als Anbieter geschäftlicher Kommunikation weiter existieren werde: „In unserer Nische sehe ich keine Probleme.“ Die Secusmart-Lösung sei zwar auch auf Android-Smartphones einsetzbar, das Blackberry biete aber angesichts der Zusammenarbeit eine besonders bequeme Bedienung.

Deutsche Behörden haben die Wahl bei abhörsicheren Smartphones. Neben dem Gerät von Secusmart und Blackberry bietet auch die Deutsche Telekom unter der Bezeichnung „SiMKo 3“ ein Smartphone auf Basis des Samsung Galaxy S3 an. Beide Geräte wurden im März auf der Computermesse Cebit in Hannover vorgestellt. Die Technik ist für die Geheimhaltungsstufe „Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch“ zugelassen.

Bei der Ausrüstung der Regierungsbehörden in Deutschland verlassen sich die Verantwortlichen nicht auf Smartphones von der Stange, da diese nicht abhörsicher sind. In den abgesicherten Geräten ist der dienstliche Bereich abgeschottet.

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Numismatiker

30.09.2013, 10:24 Uhr

" In Deutschland hätten wenige Tage nach Verkaufsstart 23 Behörden über 1200 der Geräte auf Blackberry-Basis geordert,..."

Heißt:

Unsere Obrigkeit schottet sich systematish gegen die Bevölkerung ab. Bezahlen darf dies der Steuerzahler.

Ebs

30.09.2013, 12:17 Uhr

Naja, weil die durchschnittliche Bevölkerung ja auch generell in der Lage ist jegliche Smartphone - Aktivitäten abzuhören.. (Ende der Ironie)
Das BlackBerry Z10 ist im Übrigen ein erstklassiges Spitzenmodell!
Sollen sich doch die i-Jünger und die Google-Fetischisten an ihren überteuerten und neugierigen Geräten erfreuen, aber wirklich hilfreich sind nur die neuesten BB10 Phones.
Nach der Nutzung eines Z10 seit nun 6 Monaten bin jedenfalls ich absolut überzeugt von der Leistungsfähigkeit dieses Betriebssystems und ihrer jeweiligen Hardware!
MfG,
Eberhard.

AdamW

30.09.2013, 13:47 Uhr

Wir haben alle aktuellen Blackberry 10 Geräte (auf dem BES) getestet- auch das iPhone (auf Afaria).

Blackberry und der BES decken sämtlich erdenkbare Sicherheits und BYOD-Szenarien ab und sind -mit der Secusmart Erweiterung- soger extrem sicher zu machen(nicht nur für Behörden, auch für Firmen o.ä.).

Sicherheitstechnisch ist derzeit trotz Allem immer noch das BB eine Empfehlung Wert.

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Sicherheitsdiskussion.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×