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16.09.2012

14:20 Uhr

Italienische Medien

Berlusconi will das Meinungsmonopol

VonKatharina Kort

Berlusconis Fernsehunternehmen Mediaset möchte sich den letzten politisch unabhängigen Fernsehsender Italiens kaufen. Die Mitarbeiter protestieren und die Empörung ist groß.

Medienmogul Silvio Berlusconi. dapd

Medienmogul Silvio Berlusconi.

In Italien sorgt Silvio Berlusconi erneut für Aufruhr. Diesmal geht es nicht um Sexskandale oder ein politisches Comeback, sondern um sein Fernsehunternehmen Mediaset, das seine Macht ausweiten will. Wie am Wochenende bekannt wurde, plant der von Berlusconis Familienholding Fininvest kontrollierte Fernsehsender ein Übernahmeangebot für die Fernseh-Aktivitäten von Telecom Italia.

Damit würde Mediaset sich den einzigen politisch unabhängigen Fernsehsender La7 einverleiben. Bisher sind in Italien die großen Kanäle mit Rai entweder in der Hand des Staats oder gehören zu Mediaset. Im Satellitenmarkt dagegen dominiert Rupert Murdoch mit Sky. Nur La7 und MTV gehören in Italien der Telecom Italia. Doch dort will der Vorstandsvorsitzende Franco Bernabè Kasse machen und stellt die Mediasparte Telecom Italia Media zum Verkauf. Dazu gehören außer den Fernsehsendern La7 und MTV auch Multiplex-Kinos.

Steckbrief Silvio Berlusconi - der „Cavaliere“

Herkunft

Geburtstag: 29. September 1936

Geburtsort: Mailand

Familie

Vater: Bankangestellter Luigi Berlusconi (1908-1989)

Mutter: Rosa Bossi (1911-2008)

Familienstand: getrennt lebend, seit 2009 in Scheidung

Kinder: drei Töchter und zwei Söhne aus zwei Ehen

Studium

1961 Jura-Examen mit Bestnote der Universität Mailand

Größe

1,64 Meter

Spitzname

„Cavaliere“ (Ritter, Kavalier)

Partei

1994 Gründung der Forza Italia, 2008 neue Partei Popolo della Libertà (Volk der Freiheit)

Regierungschef

Von Mai 1994 bis Januar 1995, dann von 2001 bis 2006, erneut zum Ministerpräsidenten gewählt am 8. Mai 2008. Im November 2011 trat Berlusconi nach einer langen Reihe von Skandalen zurück.

Besitz

Rund 150 Firmen, darunter der Fußballverein AC Mailand

Vermögen

Geschätzt auf mehr als sechs Milliarden Euro

Selbsteinschätzung

„Mit mir kann sich keiner vergleichen, nicht in Europa und nicht in der Welt.“

Der Wert der mit 200 Millionen Euro verschuldeten Sparte wird auf 450 Millionen Euro bis 500 Millionen Euro geschätzt. Bis zum 24. September sollen die Interessenten ihre Angebote vorlegen.

Zu den potentiellen Käufern gehört auch der Moiblfunkbetreiber 3 Italia, der Teil des chinesischen Konglomerats Hutchison Whampoa ist. Beobachter halten auch eine Allianz von 3 Italia und Mediaset für möglich. Als weitere Interessenten gelten Clessidra und andere Private-Equity-Fonds.

La7 hat in den vergangenen Jahren deutlich an Marktanteil dazu gewonnen. Mit mehr als vier Prozent Share bleibt der Sender zwar immer noch ein kleiner Spieler, aber die Tendenz ist steigend. Das gleiche gilt für den Anteil an den Werbeeinnahmen, die derzeit bei drei Prozent liegen.

Der Sender hat von Rai und Media-set auch große Namen wie die Moderatoren Lilli Gruber und Enrico Mentana abgeworben. Sie sind vor allem wegen der Unabhängigkeit zu dem kleinen Sender gewechselt, bei dem weder die jeweilige Regierung noch Silvio Berlusconi hereinredet. Mentana hat bereits seinen Rücktritt angekündigt, sollte Berlusconi die Herrschaft übernehmen. Auch andere Kollegen rufen nach der Wettbewerbsaufsicht, die einen Einstieg des Ex-Premiers und mächtigen Medienunternehmers verhindern soll.

Kommentare (4)

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nunja

16.09.2012, 17:20 Uhr

Und Berlusconi will wieder Präsident werden.

Monti wird aus allen Rohren Berlusconis Propagandamedien beschossen: schade nur, dass dabei wirklich wichtige Kritik unter die Räder gelangt.

Benito Berlusconi iteressiert sein Land einen feuchten Kehrricht.

So hat er sich verhalten und so bleibt er sich treu in seinem Verhalten.

Terrone

16.09.2012, 17:51 Uhr

La7 ist italienischer Rotfunk; die Gruber und Santoro waren zwischenzeitlich auch Europa-Abgeordnete der Ex-Kommunisten PD; Formigli, Dandini, Telese & Co sind alle Linksausleger, die groesstenteils von Rai 3 kommen; der Rotfunk bringt aber oekonomisch kein Ergebnis, weil niemand in dieser merda werben will; im letzten Jahr haben die bei 240 Milloenchen Umsatz schon eine Verlust von 80 Millionen geschoben ... und 2012 wird deutlich schlechter. Mediaset ist in der Lage, einen solchen Sender konzeptionell auf die richtige Schiene zu setzen. Wenn die Mehrheit der Italiener nicht die Sch.... voll haette von diesen radikalchic-Kommunisten, haetten die u.U. schon einmal irgendwann eine Wahl gewonnen ... und Berlusconi waere politisch vielleicht nie hochgekommen. Aber die Linken in Italien koennen es halt nicht ... bei allem sponsoring der deutschen Einheitspresse.

bjarki

16.09.2012, 18:05 Uhr

Ich wüsste wo Berlusconi gut aufgehoben wäre: 2 Meter unter der Grasnarbe.

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