Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.07.2015

19:14 Uhr

Japan und der Toshiba-Skandal

Wenn es stinkt, muss ein Deckel drauf

VonMartin Kölling

Ein Bilanzskandal erschüttert Japan: Jahrelang hat Toshiba die Bücher frisiert. Der Gewinn wurde um 1,1 Milliarden Euro geschönt. Können Aktionäre dem Finanzplatz noch trauen? Nein – und Ja, meint unser Korrespondent.

Bücher massiv geschönt

Bilanzskandal bringt Toshiba-Vorstand zu Fall

Bücher massiv geschönt: Bilanzskandal bringt Toshiba-Vorstand zu Fall

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Tokio„Ich halte dies für den schädlichsten Vorfall in der 140-jährigen Geschichte unseres Unternehmens“, sagt Hisao Tanaka – und tritt ab. Der Vorstandschef von Toshiba zieht damit die Konsequenzen aus dem umfangreichen Bilanzskandal des Elektronikriesen. Seit 2008 hat der Konzern den operativen Gewinn um insgesamt umgerechnet 1,1 Milliarden Euro schön gerechnet, zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie. Tanaka und seine Vorgänger sollen davon gewusst haben.

Wie konnte es dazu kommen? Sind japanische Unternehmen anfällig für derartige Bilanzfälschungen, ist es gar ein Fehler im System? Was für Aktionäre gegen den Finanzplatz Japan spricht – und warum sie vielleicht doch dort investieren sollte: ein Pro und Contra unseres Japan-Korrespondenten.

Contra Japan: Widerspruch wird unterdrückt

In Sachen Transparenz haben Japans Firmen noch einen Rückstand zu den globalen Benchmarks. Die Unternehmen setzen traditionell mehr auf einen Stakeholder-Ansatz und gewichten daher die Interessen der Aktionäre im Zweifel niedriger. Damit verbunden ist das fehlende Verständnis in weiten Kreisen der Bevölkerung dafür, dass Firmen im alleinigen Besitz der Aktionäre sind und daher im Sinne der Eigner agieren sollten.

Japan

Hauptstadt

Tokio

Staatsform

Parlamentarische Erbmonarchie

Regierungssystem

Parlamentarische Demokratie

Staatsoberhaupt und Regierungschef

Staatsoberhaupt: Kaiser Akihito

Regierungschef: Shinzo Abe

Bevölkerung

127,3 Millionen Einwohner (Stand 2013)

Bruttoinlandsprodukt

BIP: 4.901.532 Millionen US-Dollar

BIP pro Kopf: 38.492,09 US-Dollar (Stand 2013)
Quelle: Weltbank

Noch wichtiger ist die gruppenorientierte Firmenkultur, die offenen Widerspruch unterdrückt. Selbst in vielen Vorständen wird wenig kontrovers und strategisch diskutiert. Stattdessen werden Beschlussvorlagen der Managementbereiche abgenickt. Auch firmenfremde Direktoren haben das nicht unbedingt geändert, da die Unternehmen oft Freunde aussuchen.

Diese Kultur des „Managements hinter verschlossenen Türen“ kann wie bei Toshiba dazu führen, dass Probleme, die dem Ruf der Firma schaden könnten, vertuscht werden – frei nach dem japanischen Sprichwort: Wenn es stinkt, muss ein Deckel drauf.

Hisao Tanaka: Toshiba-Chef stürzt über den Bilanzskandal

Hisao Tanaka

Toshiba-Chef stürzt über den Bilanzskandal

Der Bilanzskandal bei Toshiba hat nun acht führende Manager den Job gekostet. Darunter sind auch Konzernchef Hisao Tanaka und sein Vorgänger Norio Sasaki. Toshiba hatte seine Bücher um über eine Milliarde Euro geschönt.

Viele Firmen tun sich schwer mit radikalen Schnitten, schleppen aus der Sicht von Aktionären zu lange kriselnde Sparten mit sich herum und werfen daher im Vergleich zu westlichen Konzernen geringere Renditen ab.

Achja, und dann sind da noch die hohe Verschuldung und die Anleihekäufe der Bank von Japan. Das kann in den Augen von deutschen Investoren nicht gut gehen, weshalb sie sich auch nie in den Boom der japanischen Aktien nach dem Amtsantritt von Shinzo Abe im Dezember 2012 eingekauft haben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×