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09.10.2013

17:17 Uhr

Jobabbau

Frankreich erhöht Druck auf Alcatel

Die französische Firma Alcatel will 10.000 Stellen streichen. Frankreichs Regierung gefällt das mit Blick auf die hohen Arbeitslosenzahlen gar nicht. Sie schreckt nicht davor zurück, die Pläne politisch zu blockieren.

Die Firmenzentrale von Alcatel-Lucent in Paris. Das Telekommunikationsunternehmen will 10.000 Stellen kürzen. ap

Die Firmenzentrale von Alcatel-Lucent in Paris. Das Telekommunikationsunternehmen will 10.000 Stellen kürzen.

ParisFrankreich erhöht wegen der geplanten radikalen Stellenstreichungen den Druck auf den Telekommunikationsausrüster Alcatel-Lucent. Sollte sich der Konzern nicht mit den Gewerkschaften einigen, könne die Regierung den Restrukturierungsplan blockieren, kündigte Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault am Mittwoch im Radio „Europe 1“ an. Es müssten so viele Arbeitsplätze und Standorte erhalten bleiben wie möglich. Das Unternehmen will weltweit 10.000 Stellen abbauen, darunter 900 im Heimatmarkt und mehr als 500 in Deutschland. Firmenchef Michel Combes bezeichnete diesen Schritt nach mehreren verlustreichen Jahren als „letzte Chance“, um zu überleben.

Bei Anlegern sorgte der drohende Widerstand der Regierung für Verunsicherung. Die Aktie brach um acht Prozent ein. In den vergangenen drei Monaten war der Kurs allerdings um mehr als 80 Prozent gestiegen. Die Aussicht auf eine Sanierung unter dem neuen Konzernchef hatte der Aktie geholfen.

Präsident Francois Hollande, der wegen der hohen Arbeitslosigkeit in Frankreich stark in der Kritik steht, prangerte die Pläne Alcatel-Lucents an. Ayrault deutete an, dass die Regierung von einem neuen Gesetz zur „Sicherung von Arbeitsplätzen“ Gebrauch machen könnte, das es seit Juni gibt. Seither kann geprüft werden, ob Pläne eines Konzerns gemessen an seinen Vermögenswerten und der Wirtschaftsstärke angebracht sind. Ein Vertreter des Arbeitsministeriums sagte, sollten die Behörden das Vorgehen des Konzerns nicht genehmigen, könnten keine Mitarbeiter gefeuert werden.

Gewerkschaftsvertreter Stephane Dubled hält ein solches Vorgehen für eher unwahrscheinlich. Das Gesetz sei noch zu neu, um seine komplette Wirkung zu entfachen. Zudem sei die Regierung bisher sehr zurückhaltend bezüglich direkter Eingriffe gewesen. Bei Ayraults Aussagen sei auch eine Menge „Effekthascherei“ dabei, so Dubled.

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Der vor sieben Jahren aus der französischen Alcatel und der amerikanischen Lucent entstandene Konzern mit weltweit 72.000 Mitarbeitern leidet ähnlich wie Nokia unter dem Preiskampf mit den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Auch die Dominanz des schwedischen Marktführers Ericsson macht dem früheren DSL-Pionier zu schaffen. Zudem gilt die Kundschaft der Netzbetreiber rund um die Welt als äußerst sparsam. Die kanadische Nortel war 2009 dem Druck nicht mehr gewachsen und musste schließlich Insolvenz anmelden. Alcatel macht bereits seit fünf Quartalen Verluste. Im vergangenen Jahr summierte sich der Fehlbetrag auf 1,2 Milliarden Euro.

Von

rtr

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