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27.05.2015

07:17 Uhr

Journalismus im Silicon Valley

Vox Media kauft Technologieportal „Recode“

VonAxel Postinett

Das renommierte Technologieportal um Starjournalist Walt Mossberg sucht den Schutz eines starken Partners. „Recode“ ist nicht das erste Webportal, das aufgeben muss. Doch die Macher werden „unabhängig weiterarbeiten“.

Die „Recode“-Gründer Walt Mossberg (links) und Kara Swisher sprechen mit Apple-Chef Tim Cook: Das erhoffte Wachstum blieb aus. Reuters

„Recode“-Gründer mit Tim Cook

Die „Recode“-Gründer Walt Mossberg (links) und Kara Swisher sprechen mit Apple-Chef Tim Cook: Das erhoffte Wachstum blieb aus.

San FranciscoSie lieben es, „Breaking News“ auf ihren Konferenzen zu verkünden – nun werden sie selbst zu einer Nachricht: Nur siebzehn Monate nach Gründung verkaufen der ehemalige Starjournalist des „Wall Street Journal“, Walt Mossberg, und seine Mitgründerin Kara Swisher ihr Technologie-Nachrichtenportal „Recode“.

Käufer ist das aufstrebende Medienunternehmen Vox Media, wie „Recode“ am Dienstag auf der hauseigenen Konferenz „Code“ in Kalifornien mitteilte. Vox Media betreibt unter anderem die populäre Technologieseite „The Verge“, der neue Shootingstar unter den Techportalen in den USA. Details der Transaktion wurden nicht bekannt. Es wird lediglich gemeldet, es handelt sich um eine reine Aktientransaktion. Es fließt also kein Bargeld. Mit dem Portal geht auch die Konferenzserie „Code“ an die neuen Eigner über.

Mossberg und Swisher selbst teilten in einem „Hinweis an unsere Leser“ den Verkauf mit und betonten, sie würden redaktionell unabhängig weiterarbeiten und „wo sinnvoll“ mit Objekten des neuen Eigentümers kooperieren.

In einem Interview mit CNN Money bezeichnete Vox-Media-Chef Jim Bankoff „Recode“ als eine „Abrundung des Portfolios“ und nannte indirekt eine Wachstumsschwäche der Online-Seite als Grund für den Verkauf: „Wie bei vielen Start-ups kam der Moment, in dem man entscheiden muss, ob man in Wachstum investiert oder mit jemandem kooperiert, der schon groß ist“, so Bankoff. Swisher erklärte gegenüber der „New York Times“, „jeder ist größer“ als „Recode“ und es sei kein Geheimnis, dass man es als „kleinerer Fisch eben schwerer habe“.

Anders als „The Verge“ richtet sich „Recode“ nicht an das breite Publikum, sondern an Business-Leser und Entscheidungsträger. Diese Aufteilung will Bankoff auch beibehalten. „Recode“ könne von Marketing, Vertrieb und anderen Bereichen des Mutterkonzerns profitieren.

Walt Mossberg galt mit seinen Produkttests beim „Wall Street Journal“ und exzellenten Verbindungen zu Apple und Steve Jobs als Top-Journalist der US-Techszene. Seine Konferenzserie „All things D“ unter dem Dach von Dow Jones & Company setzte Millionen von Dollar pro Jahr um.

Swisher und Mossberg strebten aber eine eigene Firma an und beschlossen, sich von dem Großverlag zu trennen. Der TV-Sender NBC wurde strategischer Medienpartner. Offenbar stellte sich das erhoffte Wachstum aber nicht schnell genug ein. Nun sucht „Recode“ wieder den Schutz eines starken Partners.

„Recode“ ist nicht die erste populäre Seite im überfüllten Konferenz- und Technologiesektor im Silicon Valley, die aufgeben muss. Die renommierte Seite „GigaOM“ des früheren Journalisten Om Malik musste Insolvenz anmelden. „Techcrunch“ (Konferenz: „Techcrunch Disrupt“) wurde an AOL verkauft und könnte nach Vollzug der Übernahme durch Verizon angeblich wieder zum Verkauf stehen. Zu AOL gehört auch „Engadget“, ein direkter Konkurrent von „The Verge“.

Im Silicon Valley gilt die Faustregel, dass mit den Webseiten alleine kein oder nur wenig Geld verdient wird. Stattdessen dienen sie dem Markenaufbau. Erst das lukrative Geschäft mit Konferenzen und Forschung für zahlende Unternehmenskunden bringen gute Erträge. Aber mit dem Boom des Silicon Valleys ist auch die Zahl der Konferenzen angestiegen. Das hat den Kampf um zahlende Kunden dramatisch verschärft.

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