Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.12.2014

11:27 Uhr

Kabel Deutschland

Vodafone hat zu wenig für Aktien gezahlt

Einem Gutachten zufolge hat Vodafone zu wenig für die Aktien von Kabel Deutschland gezahlt. Vor gut einem Jahr hatte Vodafone den Kabelnetzbetreiber geschluckt. Der Mobilfunkriese kontrolliert rund 76 Prozent der Aktien.

Vodafone hatte Kabel Deutschland im Herbst 2013 inklusive Schulden für 10,7 Milliarden Euro geschluckt. dpa

Vodafone hatte Kabel Deutschland im Herbst 2013 inklusive Schulden für 10,7 Milliarden Euro geschluckt.

FrankfurtVodafone hat einem Gutachten zufolge vor gut einem Jahr zu wenig Geld für die Aktien von Kabel Deutschland auf den Tisch gelegt. Basierend auf den Schätzungen von Investmentbanken ergebe sich ein Wert von 104 Euro je Kabel Deutschland-Aktie, hieß es in einem Reuters am Dienstag vorliegenden Gutachten eines Sonderprüfers. Vodafone hingegen zahlte seinerzeit 84,53 Euro je Titel.

Der Preis wird vom Finanzinvestor Elliott Capital angezweifelt. Vielmehr beziffert Elliott den Wert der Aktie auf 225 Euro bis 275 Euro je Titel. Die Sonderprüfung wurde von Kabel Deutschland in Auftrag gegeben.

Vodafone hatte den größten Kabelnetzbetreiber des Landes im Herbst 2013 inklusive Schulden für 10,7 Milliarden Euro geschluckt und kontrolliert rund 76 Prozent der Aktien. Von den restlichen Titeln sicherte sich Elliott rund 13 Prozent.

Wichtige Fragen und Antworten zum Vodafone-Deal

Was genau hat Vodafone vor?

Vodafone wird Kabel Deutschland komplett übernehmen. Der britische Telekommunikationskonzern hatte dazu 87 Euro je Kabel-Deutschland-Aktie geboten. Damit bewerteten die Briten den deutschen Kabelanbieter mit insgesamt 10,7 Milliarden Euro. Die Übernahme soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Warum ist Vodafone an Kabel Deutschland interessiert?

Kabel Deutschland hat eine gut ausgebaute Infrastruktur: Das Unternehmen ist in 13 der 16 Bundesländer aktiv und hat 8,5 Millionen Kunden. Die Kabel reichen bis in die Wohnungen der Kunden und sind nicht nur für Fernsehen, sondern auch für Internetanschlüsse gut geeignet. Kabel Deutschland bietet schon jetzt Telefon- und Internetanschlüsse. 75 Prozent aller Neukunden hierzulande entscheiden sich bei schnellen Internetanschlüssen mittlerweile für Kabelnetz-Betreiber.

Was ist der Unterschied zwischen DSL- und Kabelanschlüssen?

Technisch ist das natürlich etwas anderes, für den Kunden ist es aber letztlich kein großer Unterschied. Über das Telefon- wie über das Fernsehkabel können Internetdaten übertragen werden. Fernsehkabel sind sogar besonders schnell. Anrufe laufen bei Kabelanschlüssen über Internettelefonie - das ist aber selbst bei Telekom-Anschlüssen mittlerweile teilweise so. Kunden haben weiterhin eine klassische Telefonnummer und ihr normales Telefon.

Was haben die Unternehmen gemeinsam vor?

Die Grundzüge haben Vodafone und Kabel Deutschland bereits in einer „Grundsatzvereinbarung“ geregelt. Kabel Deutschland soll demnach als eigenständiges Unternehmen mit Zentrale in Unterföhring bei München erhalten bleiben. Die Geschäftsfelder sollen aufgeteilt werden: Kabel Deutschland verantwortet das gesamte Festnetz-Geschäft beider Unternehmen; Vodafone soll das Mobilfunk-Geschäft verantworten.

Was bedeutet das für die Kunden von Kabel Deutschland und Vodafone?

Vodafone hat zwar selbst ein Festnetz, das meist entlang der großen Bahnstrecken in Deutschland verläuft. Die letzten Meter der Leitungen bis in die Wohnung der Kunden muss das Unternehmen in den meisten Fällen aber bei der Deutschen Telekom mieten. Wo es geht, sollen die Kunden nun künftig per Fernsehkabel angeschlossen werden. Leitungen von der Telekom wollen die Unternehmen nur noch dort mieten, wo Kabel Deutschland keine Leitungen bis die Wohnung verlegt hat.

Sind auch Bestandskunden von den Änderungen betroffen?

Die Umstellung von der Telefon- auf die Kabeldose wird zunächst vermutlich vor allem Neukunden betreffen. Aber auch alte Kunden sollen voraussichtlich umgestellt werden: „Die Idee ist, unsere Netzinfrastruktur bestmöglich zu nutzen. Dann dürften auch Kunden migriert werden“, sagt eine Kabel-Deutschland-Sprecherin. Denkbar ist ebenso, dass Nutzer des Kabel-Deutschland-Internetangebotes, das bislang im Netz von O2 (Telefónica) betrieben wird, dann auf Vodafone umgestellt werden.

Damit hat sich der Hedgefonds Blockademacht verschafft, da er eine Komplettübernahme von Kabel Deutschland durch den britischen Mobilfunkriesen verhindern kann.

Strittig ist der Preis der Abfindung, falls es so weit kommen sollte.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas Melber

09.12.2014, 11:51 Uhr

Ja, und jetzt? Es soll vorkommen, daß man sich im Preis irrt - auf Käufer- und auf Verkäuferseite.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×