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05.06.2012

20:47 Uhr

Kabelkonzern

Unitymedia streicht jede zehnte Stelle

VonHans-Peter Siebenhaar

Nach der Übernahme von Kabel BW hebt Unitymedia Synergien – und baut Beschäftigte ab. Ein Standort wird komplett geschlossen. Konzernchef Lutz Schüler nennt das einen Erfolg.

Unitymedia-Filiale in Köln: 232 Jobs werden gestrichen. dpa

Unitymedia-Filiale in Köln: 232 Jobs werden gestrichen.

DüsseldorfDeutschlands zweitgrößter Kabelkonzern Unitymedia wird nach der Übernahme von Kabel BW 232 Arbeitsplätze abbauen. Das sind neun Prozent aller Beschäftigten. Neben den Standorten Heidelberg, Kerpen und Bochum ist insbesondere Marburg betroffen. Wie Unitymedia-Chef Lutz Schüler dem Handelsblatt (Mittwochsausgabe) sagte, werde das Kundenzentrum in der nordhessischen Stadt verkauft. „Marburg ist der einzige Standort, von dem wir uns komplett trennen“, sagte der Manager. Die Beschäftigten würden eine zweijährige Gehalts- und Beschäftigungsgarantie sowie eine Prämie von bis zu 15 000 Euro für die Zustimmung zum Betriebsübergang erhalten. In Marburg beschäftigt Unitymedia derzeit 100 Mitarbeiter. Schüler teilte die Entscheidung den Beschäftigten am Dienstag mit. Auch die ehemalige Zentrale von Kabel BW in Heidelberg ist vom Stellenabbau betroffen.
„Wir haben uns so flexibel wie möglich gezeigt“, sagte Schüler dem Handelsblatt. Insider gingen bisher von weit mehr Stellenkürzungen aus. Unitymedia beschäftigt insgesamt 2500 Mitarbeiter bundesweit.

Aus der Sicht von Schüler lohnt sich die Übernahme von Kabel BW. „Wir haben ein Wachstum von über zehn Prozent“, sagte der frühere Telefónica-Manager. Vor allem die anhaltend hohe Nachfrage nach schnellem Internet und hochauflösendem Fernsehen sorge für steigende Erlöse. „Mit einer Verschlankung der Organisation wollen wir uns das Momentum des Wachstums erhalten.“

Unitymedia hatte zuletzt seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um zehn Prozent auf 431 Millionen Euro. Der fusionierte Konzern wird von Köln aus mit 500 Mitarbeitern geleitet, sagte Schüler. Dennoch bleibe Heidelberg, die frühere Kabel BW-Zentrale, mit 400 Mitarbeitern ein wichtiger Standort. Der dortige Mietvertrag werde um weitere drei Jahre verlängert

Das Kölner Unternehmen gehört zum Kabelimperium des Medien-Tycoons John Malone. Sein börsennotierter Konzern Liberty Global, Mutter des Kabelnetzbetreibers Unitymedia, durfte den Anbieter Kabel BW übernehmen. Das entschied das Bundeskartellamt im Dezember 2011. Liberty Global zahlte für die Übernahme des Kabelnetzbetreibers 3,16 Milliarden Euro. Für Malone erfüllte sich damit ein lang gehegter Traum. Bereits vor über zehn Jahren wollte er zum Herrscher über das Kabel in Deutschland aufsteigen. Damals scheiterte er allerdings an den Wettbewerbsbehörden.

Kommentare (6)

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Delin

06.06.2012, 10:54 Uhr

Ob die Schließung eines Standwerks als so großer Erfolg zu sehen ist, bezweifle ich. Denn so gehen Arbeitsplätze verloren, nur weil das Unternehmen die Kosten senken möchte! Ich denke, dass langfristig eine solche Unternehmenspolitik nicht funktionieren wird.

Tomfrue

06.06.2012, 14:52 Uhr

Eine Meisterleistung sieht anders aus, als alle Führungskräfte einem AC zu unterziehen und dann die "überzähligen" zu entlassen. Das kann jeder Fünftklässler.
Das gleiche Geld anders investiert: AC durchführen und den "potenziell Überflüssigen" Managern eine Projektaufgabe geben. Die besten Businesspläne gewinnen eine Anschubfinanzierung. So könnte man sich als attraktiver AG qualifizieren. Schon wieder eine Arbeitgebermarke schwer beschädigt...

freiwirt

06.06.2012, 15:24 Uhr

Arbeite dort selbst als Zeitarbeiter, es ist natürlich nicht gerade ein positives Omen, was die Chancen auf eine Festanstellung betrifft. Ohne Reformen des heutigen Wirtschaftssystems geht es heute immer mehr in die neoliberale Richtung. Was wir dringend brauchen ist ein neues Geldsystem, mit Geldumlaufsicherung und ein BGE, damit die Arbeitnehmer nicht zum Spielball der Wirtschaftsinteressen sind, die man nach Belieben erpressen kann.

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