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19.09.2013

16:19 Uhr

Kabelnetzbetreiber

Numericable will Schuldenberg mit Verkäufen abbauen

Numericable bringt einen Minderheitsanteil an die Börse und will so seinen Schuldenberg abbauen. Zudem planen die Franzosen Investitionen in das Glasfasernetz. Da hinkt das Unternehmen seinen Rivalen hinterher.

Numericable will sein Glasfasernetz ausbauen. Da hinkt das Unternehmen den heimischen Rivalen Bouygues und der Vivendi i-Tochter SFR hinterher. dpa

Numericable will sein Glasfasernetz ausbauen. Da hinkt das Unternehmen den heimischen Rivalen Bouygues und der Vivendi i-Tochter SFR hinterher.

ParisDer französische Kabelnetzbetreiber Numericable will zum Abbau seines Schuldenbergs und zur Auslösung von Großaktionären einen Minderheitsanteil an die Börse bringen. Ziel sei es, 20 bis 40 Prozent des Unternehmens als Aktien zu listen, teilte der Konzern am Donnerstag mit, der damit auch Profit aus dem Kabelnetz-Boom in Europa schlagen will. Dabei könnte Numericable etwa bis zu zwei Milliarden Euro einnehmen. Im Zuge des Börsengangs können die Miteigner des Konzerns, die Finanzinvestoren Cinven und Carlyle, aussteigen.

„Der IPO gibt unseren Anteilseignern Liquidität und uns die Möglichkeit, mehr in unser Netz zu investieren, um das Wachstum anzukurbeln“, sagte Vorstandschef Eric Denoyer. Die Aussichten sind gut: Es wird damit gerechnet, dass der europäische Markt weiter wächst, da immer mehr Menschen schnelle Datennetze benötigen. Der Markt ist extrem in Bewegung: So will unter anderem der britische Mobilfunkriese Vodafone Kabel Deutschland für elf Milliarden Euro übernehmen.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Denoyer äußerte sich nicht zum Zeitpunkt des Börsengangs. Mit der Angelegenheit vertrauten Personen zufolge könnte es bereits Anfang November so weit sein. Daneben plant Numericable eine Kapitalerhöhung von 200 bis 250 Millionen Euro, um seinen Schuldenberg von 2,7 Milliarden Euro abzubauen. Zudem will der Konzern, der Bezahlfernsehen, Internet sowie Festnetz-Gespräche anbietet, sein Glasfasernetz ausbauen. Da hinkt Numericable den heimischen Rivalen Bouygues und der Vivendi i-Tochter SFR hinterher.

Von

rtr

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