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16.07.2015

09:19 Uhr

Kabelnetzbetreiber

Tele Columbus krallt sich Primacom

Der deutsche Markt der Kabelnetzbetreiber ist um einen Anbieter ärmer. Tele Columbus hat Primacom für über 700 Millionen Euro übernommen. Damit steigt Tele Columbus zur Nummer Drei im deutschen Kabelmarkt auf.

Der Kabelnetzbetreiber steigt nach der Übernahme des Konkurrenten Primacom zur deutschen Nummer Drei auf. www.telecolumbus.com

Tele Columbus

Der Kabelnetzbetreiber steigt nach der Übernahme des Konkurrenten Primacom zur deutschen Nummer Drei auf.

Berlin/FrankfurtDer drittgrößte und der viertgrößte Kabelnetzbetreiber in Deutschland schließen sich zusammen. Die Nummer drei, die seit einem halben Jahr börsennotierte Tele Columbus, schluckt die kleinere Primacom für 711 Millionen Euro, wie der Käufer in der Nacht zum Donnerstag mitteilte. Beide Unternehmen sind vor allem im Osten Deutschlands stark. Durch den Zusammenschluss entstehe eine „starke Nummer drei“ auf dem deutschen Kabelmarkt, erklärte Tele-Columbus-Chef Ronny Verhelst. Die Konkurrenten Kabel Deutschland und Unitymedia, die sich die Netze im Westen Deutschlands fast komplett aufgeteilt haben, sind allerdings deutlich größer.

Tele Columbus und Primacom kommen zusammen auf rund 2,8 Millionen angeschlossene Haushalte und erreichten 2014 einen Umsatz von 345 Millionen Euro. Die operativen Gewinne (Ebitda) lagen bei 99 Millionen (Tele Columbus) und 55 Millionen Euro (Primacom). „Die Kombination von Primacom und Tele Columbus bildet eine hervorragende Ausgangslage für den zukünftigen Wettbewerb mit den globalen Medien- und Telekommunikationskonzernen“, sagte Primacom-Chef Joachim Grendel.

Der Kaufpreis für Primacom ist fast hoch wie der Börsenwert der größeren Tele Columbus: Diese hatte im Januar als erstes deutsches Unternehmen in diesem Jahr den Sprung an die Börse geschafft. Zuletzt war die im Kleinwerteindex SDax gelistete Tele Columbus an der Börse 716 Millionen Euro wert. Finanzieren kann Tele Columbus die Übernahme zur Hälfte aus den Einnahmen von rund 370 Millionen Euro aus dem Börsengang. Dazu kämen besicherte und nachrangige Bankkredite und eine Brückenfinanzierung über 125 Millionen Euro, erklärte das Unternehmen.

Das Kartellamt müsse der Übernahme nicht zustimmen. Sie könne daher schon Ende des Monats perfekt gemacht werden, teilte der Käufer mit. Noch vor zwei Jahren hatten die Wettbewerbshüter Kabel Deutschland den Kauf von Tele Columbus untersagt.

Primacom und Tele Columbus haben eine gemeinsame Geschichte: Der Finanzinvestor Orion/Escaline war gleichzeitig an beiden Unternehmen beteiligt, zeitweise wurden beide von den gleichen Managern geführt. 2009 musste Orion/Escaline allerdings jeweils den Schlüssel an die Gläubiger abgeben, weil der Finanzinvestor Primacom und Tele Columbus zu viele Schulden aufgeladen hatte. Die ehemals selbst börsennotierte Primacom musste 2010 sogar Insolvenz anmelden. Seither waren mehrere Anläufe zu einer Fusion - unter unterschiedlichen Vorzeichen – gescheitert.

Von

dpa

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