Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.02.2014

11:25 Uhr

Kabelnetzbetreiber

Unitymedia punktet mit HD-TV

Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia hält seinen Wachstumskurs bei und steigert den operativen Gewinn. 2013 wurden mehr als eine halbe Million neue Abonnements verkauft. Besonders im Trend: hochauflösendes Fernsehen.

Eine Filiale des Kabelnetzbetreibers Unitymedia: Der Jahresumsatz zog um sieben Prozent auf gut 1,9 Milliarden Euro an. dpa

Eine Filiale des Kabelnetzbetreibers Unitymedia: Der Jahresumsatz zog um sieben Prozent auf gut 1,9 Milliarden Euro an.

FrankfurtDeutschlands zweitgrößter Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW ist weiter auf Wachstumskurs. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) stieg 2013 um neun Prozent auf 1,16 Milliarden Euro, wie das in Köln ansässige Unternehmen am Freitag mitteilte. Grund sei das starke Wachstum: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 560.000 neue Abonnements für Internet, Telefon und Kabelfernsehen verkauft. Erfolgreich sei auch der Marktstart der neuen Settop-Box „Horizon“, von der seit Einführung im Oktober 75.000 Stück über die Ladentheke gingen.

Insgesamt gebe es bei den Kunden eine höhere Zahlungsbereitschaft für höherwertige Fernsehangebote wie eben Horizon oder HD-TV und schnelles Breitbandinternet, sagte Konzernchef Lutz Schüler. Der Jahresumsatz zog um sieben Prozent auf gut 1,9 Milliarden Euro an.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Unitymedia Kabel BW gehört zum US-Kabelriesen Liberty Global und versorgt 6,6 Millionen Haushalte in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg mit Fernsehen. Branchenprimus Kabel Deutschland, der in 13 Bundesländern aktiv ist, wurde im Herbst für knapp elf Milliarden Euro von Vodafone geschluckt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×