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02.09.2013

15:11 Uhr

Kabelnetzbetreiber

US-Investor erhöht Anteil an Kabel Deutschland

Wie Kabel Deutschland mitteilte, hat der Investor Paul Singer den Anteil seines Fonds Elliott Asset Management aufgestockt. Nun hält Singer 5,1 Prozent – er ist damit einer der größten Aktionäre des Kabelnetzbetreibers.

Das Management des Kabelnetzbetreibers empfiehlt den Aktionären, ihre Anteilsscheine bis zum Fristende am 11. September zu verkaufen. Reuters

Das Management des Kabelnetzbetreibers empfiehlt den Aktionären, ihre Anteilsscheine bis zum Fristende am 11. September zu verkaufen.

MünchenMitten im Übernahmeringen von Vodafone um Kabel Deutschland schwingt sich der Investor Paul Singer zu einem der größten Aktionäre des Kabelnetzbetreibers auf. Singer habe den Anteil seines Fonds Elliott Asset Management am 23. August auf 5,1 Prozent aufgestockt, teilte Kabel Deutschland am Montag mit. Zuletzt hatte Singer knapp 3,1 Prozent gehalten. Die meldepflichtige Schwelle von drei Prozent hatte er erst am 8. August überschritten.

Es gehört zu den Strategien von Elliott, sich in laufende Übernahmeprozesse einzumischen und auf ein höheres Angebot zu spekulieren - oder darauf zu drängen. Auf diese Weise hatte sich der Investor beim Kranbauer Demag Cranes, beim Pressenhersteller Schuler und beim Notebook-Hersteller Medion engagiert.

Der britische Telekommunikationsanbieter Vodafone hat für Kabel Deutschland ein - inklusive Schulden - knapp elf Milliarden Euro schweres Kaufangebot auf den Tisch gelegt. Das entspricht nach Firmenangaben 87 Euro je Aktie. Die Titel notierten am Montag fast unverändert bei 85,89 Euro.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Das Management des Kabelnetzbetreibers empfiehlt den Aktionären, ihre Anteilsscheine bis zum Fristende am 11. September zu verkaufen. Falls die EU-Kommission zustimmt, soll der Deal im Frühjahr 2014 in trockenen Tüchern sein. Damit entstünde ein Anbieter, der der Deutschen Telekom erstmals sowohl mit eigenem Festnetz als auch mit eigenem Mobilfunknetz Konkurrenz macht.

Kabel Deutschland wollte sich zu Singers Vorgehen nicht näher äußern. Von dem US-Investor war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die übrigen Großaktionäre liegen ebenfalls bei rund fünf Prozent der Anteile, darunter die Investmentbank Merrill Lynch und der Fondsanbieter Blackrock. Der norwegische Staatsfonds hielt Mitte August noch fast fünf Prozent, hat aber am 28. August die Drei-Prozent-Schwelle unterschritten und nur noch 2,64 Prozent gehalten, wie Kabel Deutschland mitteilte.

Vodafone besaß Ende August bereits gut vier Prozent der Anteile und hatte Verkaufszusagen von weniger als einem Prozent der Aktionäre. Üblicherweise entscheiden sich Aktionäre aber erst gegen Ende der Angebotsfrist zu einem Verkauf.

Von

rtr

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