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05.01.2010

09:11 Uhr

Kabelsender

Experten erwarten weitere Übernahme

VonHans-Peter Siebenhaar

Nach der Übernahme der Tele Columbus durch Gläubiger wird der viertgrößte deutsche Kabelkonzern für den Verkauf vorbereitet. Als aussichtsreichster Kandidat gilt derzeit Liberty Goal - der Konzern hatte zuvor bereits Unitymedia übernommen.

Ein Markt Im Umbruch: Nach dem Verkauf von Unitymedia strecken Investoren jetzt die Hände nach Tele Columbus aus. Quelle: Getty Images

Ein Markt Im Umbruch: Nach dem Verkauf von Unitymedia strecken Investoren jetzt die Hände nach Tele Columbus aus.

DÜSSELDORF. Die Neuordnung des Kabelmarktes in Deutschland geht weiter. Nach der 3,5 Mrd. Euro teuren Übernahme des zweitgrößten deutschen Kabelkonzerns Unitymedia durch John Malones Konzern Liberty Global steht mit Tele Columbus ein weiterer Branchenriese zum Verkauf. Der viertgrößte Kabelkonzern wurde für 2,5 Mio. Euro an ein Konsortium von rund 100 Gläubigern verkauft. Eine unabhängige Holding nach Luxemburger Recht übernimmt nun Tele Columbus.

Die Finanzinvestoren Scott Lanphere und Robert Fowler haben damit die Kontrolle und ihre Mandate abgegeben. Dietmar Schickel wurde als COO erneut in das Führungsgremium von Tele Columbus berufen. Schickel gehörte dem Kabelanbieter nach Unternehmensangaben bereits seit 23 Jahren als Geschäftsführer an. Außerdem wurde Andrew MacCallum als Finanzvorstand berufen. Er soll unter der Kontrolle der Beratungsfirma Nikolaus & Co. LLP den Kabelnetzbetreiber sanieren und finanziell restrukturieren.

Die hochverschuldete Tele Columbus erzielte mit 2,3 Mio. Haushalten zuletzt Erlöse von 259 Mio. Euro und einen operativen Betriebsgewinn von 109 Mio. Euro. Das Herausdrängen der unbequemen Investoren Lanphere und Fowler haben sich die Gläubiger offenbar etwas kosten lassen. "Sowohl Lanphere als auch Fowler haben ihr Investment gut versilbern können", sagte ein Brancheninsider. Die Gläubiger äußerten sich zu den Details gestern nicht.

In der Branche wird erwartet, dass Malone zugreifen wird. "Malone ist der wahrscheinlichste Käufer für Tele Columbus. Im Gegensatz zu anderen Interessenten hätte er kein Kartellproblem", sagt Hans-Peter Labonte, Vize-Vorsitzender des Fachverbands Rundfunkempfang- und Kabelanlagen. Malones Kabelkonzern Unitymedia wollte sich nicht konkret äußern. Eine Sprecherin sagte nur: "Wenn wir ein interessantes Angebot bekommen, sehen wir uns das an." Durch den Kauf von Unitymedia im November ist John Malone bislang nur in NRW und Hessen präsent.

Wann allerdings Tele Columbus wirklich verkauft wird, ist unklar. Ein Sprecher der Gläubigerbanken sagte nur: "Das ist eine Partnerschaft auf Zeit. Tele Columbus ist ein Finanzinvestment." Insider gehen davon aus, dass Tele Columbus - bislang eng verbunden mit dem Kabelunternehmen Primacom - erst entflochten und saniert werden muss. Der Verkaufsprozess könnte frühestens in eineinhalb Jahren losgehen. Malone wird aber nicht der einzige Bieter sein. Auch Kabel Deutschland (KDG), die Nummer eins in Deutschland, ist nicht abgeneigt. "Wir sind interessiert", sagte eine Sprecherin. "Wir gehen davon aus, dass nach dem Erwerb von Tele Columbus der Konzern in einen ordentlichen Verkaufsprozess überführt wird."

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