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17.03.2014

14:47 Uhr

Kabelunternehmen Ono

Vodafone kauft für Milliarden in Spanien zu

Der Deal ist perfekt: Vodafone zahlt für den spanischen Kabelanbieter Ono 7,2 Milliarden Euro. Die neue Mutter von Kabel Deutschland hatte schon länger um Ono gebuhlt. Ein erstes Angebot hatten die Spanier abgelehnt.

Ono-Zentrale außerhalb von Madrid: Der spanische Kabelanbieter wird für 7,2 Milliarden Euro von Vodafone übernommen. Reuters

Ono-Zentrale außerhalb von Madrid: Der spanische Kabelanbieter wird für 7,2 Milliarden Euro von Vodafone übernommen.

LondonVodafone setzt die Einkaufstour in Europa mit einem neuen Milliardendeal fort. Nur wenige Monate nach der Übernahme von Kabel Deutschland schnappt sich der Mobilfunkgigant auch den größten Kabelkonzern in Spanien. Die Briten kaufen Ono für 7,2 Milliarden Euro und bauen damit ihr Festnetzgeschäft in Europa aus. Dies ist der dritte Zukauf des Rivalen der Deutschen Telekom in der Sparte binnen zwei Jahren. Vodafone rechnet durch die Übernahme auf mittlere Sicht mit jährlichen Einsparungen von rund 240 Millionen Euro, wie der Konzern am Montag mitteilte. In einem ersten Anlauf im Februar hatte Ono Vodafone noch die kalte Schulter gezeigt. Daraufhin hatten die Briten ihr Angebot aufgestockt.

Vodafone will das Netz ausbauen und das Europa-Geschäft stärken, dem ein harter Konkurrenzkampf, die Wirtschaftsflaute und Auflagen der Regulierungsbehörden zu schaffen machen. Dazu hält der Konzern verstärkt nach Zukäufen Ausschau. Die Kasse ist prall gefüllt, nachdem Vodafone sein US-Geschäft 2013 für 130 Milliarden Dollar verkauft hatte. So übernahmen die Briten im Herbst für knapp elf Milliarden Euro Kabel Deutschland. Daneben wollen sie hierzulande mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm gegen die Deutsche Telekom punkten. Die Briten haben aber noch wesentlich mehr Geld auf der hohen Kante: Im Februar hatte Konzernchef Vittorio Colao gesagt, dass das Unternehmen in den kommenden Jahren bis zu 40 Milliarden Dollar für Übernahmen ausgeben könnte.

In Spanien greift Vodafone nun beim Branchenprimus zu. Ono mit seinen rund 2500 Beschäftigten bietet unter anderem Kabelfernsehen sowie Internet-, Festnetz- und Mobilfunkdienste an. Insgesamt zählt das Unternehmen 1,9 Millionen Kabelkunden. Die Mehrheit der Firma befand sich bislang im Besitz der Finanzinvestoren Providence Equity Partners, Thomas H. Lee Partners, CCMP Capital Advisors und Quadrangle Capital. „Die Verbindung von Vodafone und Ono schafft einen führenden integrierten Kommunikationsanbieter in Spanien“, sagte Colao.

Nachdem Vodafone lange vor allem ins Mobilfunknetz investiert hat, versuchen die Briten nun das Festnetzgeschäft zu stärken. Da Ono sein Netzwerk später gebaut hat als Rivalen, wirbt der Konzern mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 Megabit pro Sekunde, das 20-Fache der Konkurrenz. Ono ist vor allem im ländlichen Raum präsent und ergänzt damit das Netzwerk, das Vodafone zusammen mit dem Telekom-Giganten Orange - der früheren France Telecom - derzeit in größeren spanischen Städten aufbaut.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Mit dem Deal dürfte sich Vodafone auch dagegen wappnen, selbst geschluckt zu werden. „Investoren könnten davon ausgehen, dass eine Übernahme durch AT&T zunehmend unwahrscheinlicher wird“, erklärten die Analysten der Investmentbank Espirito Santo. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, dass der US-Telekomriese im Zuge seiner Expansionspläne in Europa Vodafone schlucken könnte. Ende Januar kündigte AT&T zwar an, in den kommenden sechs Monaten keine Übernahme des britischen Rivalen anzustreben. Allerdings könnten die Amerikaner noch ein Angebot vorlegen, wenn das Vodafone-Direktorium damit einverstanden ist oder ein Konkurrent ein Gebot vorlegt.

Der Preis von 7,2 Milliarden Euro entspricht dem 7,5-Fachen des Ono-Gewinns 2013 vor Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Bei anderen Deals im europäischen Kabel- und Telekommunikationssektor wurde zuletzt ähnlich viel bezahlt. Die Analysten vom Finanzdienstleister Bernstein nannten den Preis angemessen. Vodafone-Papiere zogen um 1,4 Prozent an und damit stärker als der Gesamtmarkt.

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