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31.01.2012

16:57 Uhr

Kaltfront „Cooper“

Mini kauft sich ein sibirisches Hoch

VonAlexander Möthe

Das Hochdruckgebiet „Cooper“ bringt Deutschland arktische Temperaturen. Was kaum bekannt ist: BMW-Tochter Mini hat dem Hoch seinen Namen gegeben. Eine Marketingkampagne zur Unzeit? Mitnichten.

Kern der Marketingkampagne: der Mini Roadster. AFP

Kern der Marketingkampagne: der Mini Roadster.

DüsseldorfDeutschland zittert derzeit vor einem Kleinwagen. Mit eisiger Kälte hat das Hochdruckgebiet „Cooper“ Deutschland im Griff, zweistellige Minusgrade werden erwatet. Seinen Namen hat das Hoch von der BMW-Tochter Mini. Eine Werbeagentur zeichnet dafür verantwortlich, dass neben „Cooper“ auch Tief „Minnie“ noch über Deutschland hereinbrechen wird. Pünktlich zum Start des neuen Roadster.

Die Idee dahinter ist so einfach, wie genial: für 299 Euro hat sich eine Mitarbeiterin der Werbeagentur Sassenbach Advertising das Recht gesichert, ein Hochdruckgebiet benennen zu dürfen. Für 199 Euro kamen die Rechte am Tief hinzu. Möglich macht das seit 2002 die „Wetterpatenschaft“ des Instituts für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Ein Hoch kann sich dort jeder kaufen. Das Paten-Modell wurde eingeführt, nachdem die Finanzierung der Wetterbeobachtung drastisch gekürzt wurde. Und seit die Medienberichterstattung im Rahmen der Stürme „Wibke“ und „Vivian“ die Berliner  Namensgebung aufgriff, geistern die gewählten Hochs und Tiefs in massiver Präsenz durch Fernsehen, Radio und Internet. Das und die vergleichsweise geringen Preise für eine Patenschaft locken natürlich auch Werbetreibende. Der Clou an dieser Form des Marketing: es ist unaufdringlich.

Mit Slogans wie „Mini macht das Wetter“ und „Ein Hoch auf den Mini Cooper Roadster“ läuft die Kampagne in erster Linie auf Social Media Plattformen. Eher „subkutan“, wie es Jon Christoph Berndt von  Brandamazing nennt, wirkt die Maßnahme: „Wenn der Konsument das nur am Rande mitkriegt, wirkt das nicht platt und wenn es gefällt, teilt man es“, erklärt der Markenexperte. „Seeding“ nennt sich diese Form des viralen Marketings und ist bei Autoherstellern im Premiumsegment durchaus üblich, gibt Berndt an. Es müsse schließlich ein Lebensgefühl vermittelt werden, die behutsamen Kampagnen seien mit „Kirschen und Schokostreuseln auf einer Torte“ vergleichbar – sie runden den Gesamteindruck ab, machen ihn aber nicht aus.

Das Sahnestückchen „Cooper“ wird dabei auch nicht durch brutale Kälte und Todesopfer ungenießbar. Die negative Konnotation beginnt, das ist der Zynismus der Öffentlichkeitswirksamkeit, erst bei ganz anderen Größenordnungen. Und selbst wenn bei Minus 20 Grad Roadster-Fahrer aufgrund eines geöffneten Verdecks erfrieren, gilt noch der Grundsatz „bad news are good news“ – Hauptsache, Aufmerksamkeit.

Bei Facebook jedenfalls scheint der gepflanzte Samen schon aufzugehen. Die meisten Kommentare sind positiv, geteilt wird der entsprechende Eintrag auch. Marketing fürs Unterbewusstsein.

Paul Heger, Mitarbeiter der Aktion Wetterpate, weiß nicht so recht, was er von der Aktion halten soll. „Die werbliche Nutzung ist eher die Ausnahme“, erklärt der Meteorologe. Solange es sich um anerkannte Vornamen handelt, und das ist „Cooper“, lässt sich nichts dagegen sagen. Sozusagen gute Minnie zum cleveren Spiel.

Und so folgt eben jenes Tiefdruckgebiet in Bälde. Ein Tief als Werbung für einen Roadster? „Sturm ist doch geil!“ bemerkt Berndt und  erzählt von heißem Kakao vor  loderndem Kaminfeuer. Die Implikation hierbei:  Der Mini ist auch bei Mistwetter das Auto der Wahl. Die subkutane Werbung  - sie funktioniert demnach bei jedem Wetter.

Kommentare (1)

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Jules

02.02.2012, 00:32 Uhr

ich sehe die marketingkampagne kritisch. etwas so unbeständiges wie das wetter zu wählen ist in meinen augen falsch und unüberlegt. hätte mini eine größere kampagne mit diesen slogans gestartet wäre dies ggf ordentlich in die hose gegangen! die assoziation mit der marke und kältetoten hätte vor allem in osteuropa vielen menschen misbilligt.

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