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16.10.2012

15:13 Uhr

Kampagne für Windows 8

Microsoft wirbt für eine „neue Ära“

VonChristof Kerkmann

Es werden spannende Wochen für Microsoft: Der Software-Riese bringt sein neues Betriebssystem Windows 8 heraus. Es muss ein Erfolg werden – daher investiert der Konzern massiv in Werbung.

Windows wird mobiler: Das neue Betriebssystem von Microsoft eignet sich für Tablet-Computer wie den Ativ Smart PC von Samsung. dpa

Windows wird mobiler: Das neue Betriebssystem von Microsoft eignet sich für Tablet-Computer wie den Ativ Smart PC von Samsung.

Microsoft hat den Countdown gestartet. In den USA sind erste Werbespots für das neue Betriebssystem Windows 8 angelaufen. Erst zündet ein Raketentriebwerk, dann explodiert ein Computer – die Botschaft lautet: Hier kündigt sich etwas Revolutionäres an. Der Marketingrummel dürfte bis zum Verkaufsstart am 26. Oktober massiv zulegen, der Konzern wird viel Geld ausgeben, um sein wichtigstes Produkt zum Kassenerfolg zu machen ( auch wenn die in US-Medien kolportiere Summe von mehr als einer Milliarde Dollar übertrieben sein dürfte). Rechtzeitig ist auch der Musikdienst Xbox Music fertig geworden, der auf allen Geräten mit dem neuen Windows laufen soll.

Diese Neuerungen bietet Windows 8

Kachel-Design

Windows 8 sieht schon auf den ersten Blick anders aus: Microsoft übernimmt aus seinem mobilen Betriebssystem das Kachel-Design. Zu sehen sind nun rechteckige Flächen, in denen Nutzer zum Beispiel Programme sortieren können. Und in den sogenannten Live-Kacheln werden Inhalte in Echtzeit aktualisiert – ob der Wetterbericht aus dem Netz oder die Mitteilung über neu eingetroffene E-Mails. Die bekannte Taskleiste samt dem mit Windows 95 eingeführten Startknopf verschwindet dagegen. Einen Desktop gibt es allerdings immer noch, der über eine Kachel aufgerufen wird.

Bedienung per Fingerzeig

Microsoft hat Windows 8 für die Nutzung per Touchscreen angepasst. Anwender können mit den Fingern navigieren, wenn ihr Rechner einen berührungsempfindlichen Bildschirm hat, aber auch klassisch mit Maus und Tastatur. Dass beides in einem Gerät vereint sein kann, zeigen etliche neue Modelle, die Tablet-Computer und Notebook in einem sind.

Ein eigener App Store

Apple lässt grüßen: Microsoft hat für sein neues System den Windows Store eingerichtet. Über die Plattform können Entwickler Apps verbreiten, die für Touchscreens optimiert sind. Auch Spiele werden angeboten. Diese Anwendungen laufen auf allen Geräten, ob mit Windows 8 oder dem abgespeckten Windows RT für Geräte mit stromsparenden ARM-Prozessoren.

Cloud-Dienste

Schon beim Start wird es deutlich: Microsoft integriert seine Cloud-Angebote nahtlos in das neue Betriebssystem. Nutzer können sich künftig mit ihren Daten vom Online-Dienst Windows Live am Rechner einloggen. Damit haben sie direkten Zugriff beispielsweise auf den Online-Speicher Skydrive, außerdem lassen sich die persönlichen Einstellungen und der Browser-Verlauf zwischen verschiedenen Rechnern synchronisieren.

Vorinstallierter Virenscanner

Microsoft hat große Teile seines Software-Pakets Security Essentials in Windows 8 integriert. Der Wächter soll vor Viren und Trojanern schützen.

Neue Prozessoren

Mit Windows 8 unterstützt Microsoft erstmals nicht nur die traditionellen x86-Chips von Intel und AMD, die in PCs laufen: Die Software-Variante Windows RT läuft auch mit stromsparenden Prozessoren mit ARM-Architektur. Diese kommen in Tablet-Computern zum Einsatz, etwa dem iPad, künftig aber auch im Surface RT, den Microsoft selbst auf den Markt bringt. So kann das Unternehmen in einem wichtigen Segment Fuß fassen. Allerdings können Nutzer auf RT-Rechnern nicht mehr ihre klassische Windows-Software installieren, nur Apps aus dem Windows Store.

Der Konzern aus Redmond steht vor spannenden Wochen, binnen kurzer Zeit bringt er gleich drei wichtige Produkte auf den Markt: Bald nach Windows 8 soll das mobile Betriebssystem Windows Phone 8 herauskommen. Mit diesen Produkten will das Unternehmen Boden auf dem Markt mit mobilen Geräten gut machen. Und mit dem Tablet-Computer Surface bietet der Software-Hersteller künftig auch eigene Hardware an, die dem iPad einheizen soll, aber auch den Produkten von zahlreichen Partnern Konkurrenz macht.

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In einem Brief an die Anteilseigner sprach Firmenchef Steve Ballmer kürzlich von einer „neuen Ära für Microsoft”, die Chancen wie nie zuvor biete. Allerdings sind auch die Risiken groß. Denn der Computer-Markt, den der Konzern 30 Jahre lang mit seinem Betriebssystem Windows und später seiner Büro-Software Office prägte, steht vor einem tiefgreifenden Umbruch.

„Immer mehr Konsumenten machen heute mit Smartphone oder Tablet, was sie sonst mit einem stationären Gerät oder Notebook gemacht haben. Auch in der professionellen Welt wird das mobile Arbeiten immer wichtiger“, sagt Reimar Müller-Thum, Experte für Medien und Technologie bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Die PC-Verkäufe schwächeln, während der Absatz von Smartphones und Tablet-Computer durch die Decke geht. Für Microsoft ist das ein gefährlicher Trend – mit dem Schwenk zu mobilen Geräten will das Unternehmen das Geschäft der Zukunft absichern.

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