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24.07.2013

14:50 Uhr

Kampf um Dell

Showdown in Texas erneut geplatzt

VonNils Rüdel

Eigentlich sollten heute die Aktionäre über die Zukunft des PC-Bauers Dell abstimmen: Darf Gründer Michael Dell seinen Konzern zurückkaufen? Doch zur Abstimmung sollte es nicht kommen – wegen eines besseren Angebots.

Firmenchef Michael Dell will den Konzern von der Börse nehmen und neu aufstellen. ap

Firmenchef Michael Dell will den Konzern von der Börse nehmen und neu aufstellen.

New YorkDer Unternehmer Michael Dell und der Starinvestor Carl Icahn werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Seit sechs Monaten streiten sie darüber, wie es mit dem angeschlagenen PC-Giganten Dell weitergehen soll: Der Firmenchef will den Konzern von der Börse nehmen und neu aufstellen. Großaktionär Icahn will das verhindern – und auch gleich das Management loswerden. Er habe „noch nie einen Vorstand gesehen, der so schlecht ist wie der von Dell“, hatte Icahn kürzlich gesagt.

An diesem Mittwoch sollten nun die Aktionäre entscheiden. Darf der Firmengründer seinen Konzern zurückkaufen? Oder kommt Icahn mit seinem Gegen-Plan durch? Doch zu einer Abstimmung sollte es nicht kommen: Michael Dell hob überraschend sein Übernahmeangebot an. Zusammen mit dem Finanzinvestor Silver Lake bietet er nun unter bestimmten Bedingungen 13,75 Dollar je Aktie in bar an, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Dies sei sein letztes Wort. Dell-Aktien verteuerten sich im vorbörslichen US-Handel um knapp drei Prozent. Für Dell, das einstige „Wunderkind“ der Technologie-Branche, geht es um sein Lebenswerk. Er will den Konzern umbauen, damit er trotz des schrumpfenden PC-Markts eine Zukunft hat.

Mit Hybrid-Rechnern gegen die Krise

PC-Markt im Umbruch

Der Computermarkt ist im Umbruch: Klassische PCs und Notebooks sind immer weniger gefragt, Tablet-Computer und Smartphones boomen. Während vor allem Apple und Samsung vom Boom der mobilen Geräte profitieren, leiden viele andere PC-Hersteller.

So innovativ wie lange nicht

Für die Verbraucher ist die Krise der Computerbranche gar nicht so schlecht: Die Hersteller sind so innovativ wie lange nicht, um die Kunden von ihren Produkten zu überzeugen. Sie probieren derzeit, welche Formate und Funktionen bei den Kunden ankommen.

Touchscreen wird Standard

Lange waren berührungsempfindliche Bildschirme den mobilen Geräten vorenthalten. Doch spätestens mit der Einführung von Windows 8 haben auch immer mehr PCs einen Touchscreen – das neue Betriebssystem von Microsoft ist für die Bedienung mit dem Finger optimiert.

Lauter Hybridwesen

„2 in 1“ oder gar „3 in 1“: Die Hersteller werben mit zahlreichen Hybridwesen. Diverse Notebooks lassen sich mit Schiebe- oder Klappmechanismen zu Tablet-Computern verwandeln, umgekehrt lassen sich viele Flachrechner mit einer Tastatur zu einem passablen Notebook-Ersatz aufrüsten. Zudem gibt es All-in-One-PCs, die sich auch für den Einsatz in der Horizontalen eignen. Die Grenzen verwischen immer mehr.

Microsoft Surface als Vorreiter

Vorreiter der Tablet-Notebook-Hybriden ist Microsoft: Der Software-Hersteller hat mit dem Surface einen eigenen Rechner auf den Markt gebracht, der die Vorzüge der beiden Gerätekategorien vereinen soll. Doch auch etliche andere Hersteller haben ähnliche Geräte im Angebot.

Zwei Betriebssysteme in einem Gehäuse

Für Android gibt es hunderttausende Apps, mit Windows kann man besser arbeiten. Um diese Vorzüge zu vereinen, bringen einige Hersteller Geräte mit beiden Betriebssystemen auf den Markt, etwa Asus mit dem Transformer Book Trio. Allerdings stellt sich angesichts der Preise oft die Frage: Könnte man diese Geräte nicht auch separat kaufen – für weniger Geld?

Trend zum „All in one“

Immer mehr Hersteller setzen auf das Prinzip „All in One“: Ein Computer, bei dem die gesamte Technik in einem schlanken Monitor steckt. Auch hier gibt es viele Mischwesen: Lenovo, Dell und Sony bieten Geräte an, die sich auch als große Tablet-Computer nutzen lassen.

Auch Intel ist im Umbruch

Der Umbruch des PC-Marktes trifft auch Intel: Der Chiphersteller ist die Nummer 1, wenn es um PC-Prozessoren geht, ist bei mobilen Geräten jedoch ein Nischenanbieter. Mit stromsparenden Chips will der Konzern Anschluss finden – in einigen Smartphones und Tablets ist bereits „Intel Inside“.

Eigentlich war das Votum bereits vergangene Woche angesetzt gewesen, doch der Verwaltungsrat hatte das Treffen gleich nach Beginn vertagt. Aus Angst, die nötige Mehrheit für Dells Plan zu verfehlen, wie es hieß. Nach der heutigen Verschiebung ist der 2. August als neuer Termin für die Abstimmung angesetzt. Bereits im Vorfeld der heutigen Versammlung wandte sich Icahn voller Ungeduld mit einen Appell an den Verwaltungsrat: „Es ist Zeit abzustimmen“, schrieb er in einem Brief, aus dem die Finanznachrichtenagentur Bloomberg zitierte. „Verschieben Sie den Wahltag nicht noch einmal. Dies ist keine Bananenrepublik“.

Bisher hatte Michael Dell 13,65 Dollar pro Aktie geboten, was einem 24,4 Milliarden Dollar schweren Deal entsprochen hätte – mehr als der aktuelle Wert von 12,88 Dollar bei Börsenschluss am Dienstag.

Auch Icahn kritisiert, die bisher gebotenen 13,65 Dollar seien zu wenig. Der milliardenschwere Investor, der als umtriebiger Aktionär gefürchtet ist, hält knapp neun Prozent an Dell. Diese Macht will er nun für seinen Gegen-Plan nutzen: Gemeinsam mit dem Großaktionär Southeastern Asset Management will er unter anderem durchsetzen, dass der Konzern einen Teil der Aktien für 14 Dollar pro Stück zurückkauft. Doch dem nicht genug: Icahn will außerdem den Vorstand hinauswerfen.

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