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17.07.2014

19:49 Uhr

Kampf um die Cloud

SAP-Chef McDermott bläst zur Attacke

SAP legt gute Zahlen für das zweite Quartal 2014 vor – und attackiert die Konkurrenz. Salesforce wollten die Kunden loswerden, IBMs Initiative mit Apple sei nichts als „gute PR“. Die Aktie stieg um vier Prozent.

SAP-Chef Bill McDermott nutze die Vorlage von guten Quartalszahlen, um Konkurrenten wie Salesforce und IBM zu attackieren. Reuters

SAP-Chef Bill McDermott nutze die Vorlage von guten Quartalszahlen, um Konkurrenten wie Salesforce und IBM zu attackieren.

StuttgartSAP-Chef Bill McDermott kämpft mit harten Bandagen um die Führung am Markt für Cloud-Firmensoftware. Ob IBM oder der neue Rivale Salesforce.com - McDermott scheute sich am Donnerstag bei Vorlage der SAP-Zahlen zum zweiten Quartal nicht, die Konkurrenz offen anzugreifen. Salesforce, vor SAP Marktführer bei Mietsoftware aus dem Internet, komme seit den Spionage-Enthüllungen Edward Snowdens wegen wachsender Zweifel an der Datensicherheit in den USA ins Trudeln, sagte McDermott. „Banken, mit denen ich zu tun habe, denken darüber nach, die so schnell wie möglich los zu werden - ich sehe für sie große Probleme am Markt“, sagte er mit Blick auf die Beziehungen zwischen Salesforce und den Banken als Software-Kunden. Salesforce lehnte eine Stellungnahme ab.

Die jüngste Initiative von IBM mit Apple tat der SAP-Chef als „gute PR, aber ein bisschen 'ich auch'“ ab - SAP habe das gleiche mit Apple schon vor Jahren vereinbart und schon drei Mal so viele Apps für Firmenkunden auf dem iPhone entwickelt.

Hintergrund der Attacken: Die Umstellung auf die Cloud wirft die bisherigen Geschäftsmodelle der Software-Firmen über den Haufen. Sie müssen ihre Produkte vereinfachen und damit zurechtkommen, dass sich die Umsätze auf einen längeren Zeitraum verteilen. Statt wie bisher Lizenzen mit hoher Einmalzahlung zu kaufen und bei sich zu installieren, nutzen die Kunden nämlich immer mehr Software nur bedarfsweise per Abonnement über das Internet.

Der Wettstreit um den Cloud-Markt wird entsprechend härter. Salesforce aus den USA will stärker auf dem SAP-Heimatkontinent Europa expandieren, um seine Position als Pionier zu verteidigen. Die Amerikaner wollen den Walldorfern sogar die generelle Weltmarktführerschaft bei Firmensoftware - also einschließlich der traditionell per Lizenz verkauften Programme - streitig machen.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

Dem reinen Cloud-Anbieter Salesforce trauen Analysten in diesem Jahr einen weiteren Umsatzsprung auf umgerechnet vier Milliarden Dollar zu. Damit ist der Spezialist für Kundenmanagement-Programme ein Riese verglichen mit dem Cloud-Geschäft von SAP, aber ein Zwerg mit Blick auf das Gesamtgeschäft. SAP hob nach einer weiteren Akquisition in der Sparte die Cloud-Umsatzprognose für dieses Jahr um 50 Millionen auf 1,05 Milliarden Euro an. Insgesamt werden die Kurpfälzer nach Analystenschätzung aber mehr als 17 Milliarden Euro Umsatz einfahren.

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