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12.01.2005

07:55 Uhr

Kanadischer Netzausrüster revidiert Gewinn für 2003 nach unten

Nortel fordert von Top-Managern Bonuszahlungen zurück

Der kanadische Telekomnetzausrüster Nortel hat seine Bilanzen für die Jahre 2001 bis 2003 korrigiert und fordert als Konsequenz daraus von Top-Managern Bonuszahlungen in Höhe von 8,6 Millionen Dollar zurück.

slo/HB DÜSSELDORF. Der kanadische Telekomnetzausrüster Nortel hat am Dienstag korrigierte Bilanzen für die Jahre 2001 bis 2003 vorgelegt, die bereits seit längerem erwartet worden waren. Als Konsequenz fordert der Konzern von Top-Managern insgesamt 8,6 Mill. Dollar an Bonuszahlungen zurück, die diese auf Grund falscher Zahlen erhalten hatten.

Die Prüfung ergab, dass der Verlust im Geschäftsjahr 2001 bei 8,08 Dollar je Aktie lag. Ursprünglich hatte Nortel das Minus mit 8,52 Dollar je Aktie angegeben. Auch der Verlust für 2002 sinkt auf 78 Cent je Aktie – nach zuvor 85 Cent. 2003 lag der Gewinn bei zehn Cent je Anteilsschein und damit deutlich niedriger als die zuvor errechneten 17 Cent. Der korrigierte Umsatz fiel dagegen mit 10,2 Mrd. Dollar höher aus bei der ersten Veröffentlichung.

Nortel hatte in den vergangenen Jahren vor allem Fehler bei der Berechnung seiner Umsätze gemacht und diese höher ausgewiesen sowie Rückstellungen falsch gebucht. Das führte im Frühjahr 2004 zu einem Wechsel an der Konzernspitze: Frank Dunn räumte seinen Sessel, Bill Owens folgte ihm.

Das Aufarbeiten der Bilanzprobleme zog auch das laufende Geschäft in Mitleidenschaft: So fielen Margen und Umsatz im dritten Quartal 2004 nach Ansicht von Analysten sehr enttäuschend aus. Der Konzern hatte dafür vorläufige Zahlen bekannt gegeben. Die endgültigen Ergebnisse sollen so bald wie möglich folgen. Zunächst will Nortel aber bis Ende Januar die Zahlen für das erste und zweite Quartal des vergangenen Jahres veröffentlichen.

Für 2005 gab sich Owens optimistisch: Der Umsatz werde höher ausfallen als 2004, sagte er. Der Nortel-Aktienkurs reagierte mit einem Plus. „Das Schlimmste ist jetzt wohl vorbei und Nortel kann sich wieder auf sein Geschäft konzentrieren“, schreibt Jeff Kagan, ein unabhängiger Telekommunikationsanalyst in einem Kurzbericht. Andere Analysten sehen noch keinen Grund zur Entwarnung: Es gebe nach wie vor Unsicherheiten mit Blick auf Nortel, so sei beispielsweise der Marktanteil des Konzerns in der umsatzstärksten Sparte Mobilfunknetzausrüstung unklar, sagte Paul Sagawa, Analyst bei Sanford C. Bernstein.

Seit der Bilanzskandal im Frühjahr 2004 aufflog, kämpfte Nortel zeitweise ums Überleben. Grund waren Verstöße gegen die Mitteilungspflicht der Börse, was Gläubigern die Möglichkeit gab, Zahlungen in Milliardenhöhe zurückzufordern. Allerdings verzichten sie bislang darauf. Auch die Börsenaufsichten in den USA und Kanada nutzten nicht alle ihre Sanktionsmöglichkeiten und sahen unter anderem trotz mehrfach versäumter Bilanztermine davon ab, Nortel von der Börse zu nehmen.

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