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01.02.2011

10:40 Uhr

Karstadt-Investor

Berggruen kürzt in Spanien massiv Stellen

VonAnne Grüttner

In Deutschland wurde Nicolas Berggruen als Karstadt-Retter gefeiert, in Spanien dagegen wird er als profitgieriger "Haifisch" gefürchtet. Der Investor streicht 2 500 Stellen bei Spaniens Mediengruppe Prisa. Berggruen will vielleicht wirklich die Welt verbessern. Doch auf dem Weg dahin kann er auch Massenentlassungen in die Wege leiten.

Nicolas Berggruen: Gefeierter Karstadt-Investor, gefürchteter Stellenstreicher. dpa

Nicolas Berggruen: Gefeierter Karstadt-Investor, gefürchteter Stellenstreicher.

MADRID. Als Karstadt-Retter feierten die Deutschen Nicolas Berggruen. In Spanien dagegen wird der 49-jährige Deutschamerikaner schon mal als Spekulant oder als "tiburón" bezeichnet, als Haifisch also, dessen einziges Ziel es sei, so schnell wie möglich größtmöglichen Profit zu erzielen.

Es ist kein Wunder, dass die Spanier nicht gut auf Berggruen zu sprechen sind. Denn die Mediengruppe Prisa, kontrolliert von Berggruen und dem Briten Martin Franklin, hat gerade verkündet, dass sie in den nächsten 15 Monaten nicht weniger als 18 Prozent der gesamten Belegschaft entlassen wird.

Das bedeutet konkret, dass 2 500 Mitarbeiter ihren Job verlieren werden - 2 000 in Spanien und 500 weitere in Portugal, Latein- und Nordamerika. Möglicherweise würden in Zukunft weitere Entlassungen im Ausland nötig sein, teilte die Gruppe mit.

Prisa ist die größte spanische Mediengruppe und gibt unter anderem die linksliberale Zeitung "El País" heraus. Auch der Verlag Santillana und der in Spanien führende Radiosender "Ser" gehören dazu. Die Gruppe hatte hohe Schulden angehäuft, als sie kurz vor Ausbruch der Finanzkrise gezwungen wurde, alle Anteile an ihrer Fernsehholding Sogecable zu kaufen. Die Gesamtschulden der Gruppe werden mit fünf Milliarden Euro beziffert, die Gruppe stand zeitweilig auf der Kippe zum Konkurs.

Nach dem Tod von Prisa-Gründer Jesús Polanco 2007 haben seine Erben daher verkündet, sie wollten ihren Anteil von 70 Prozent reduzieren und seien auf der Suche nach neuen Investoren. Schon Ende 2009 gab Prisa zudem bekannt, dass es seinen Fernsehkanal "Cuatro" sowie große Anteile am Pay-TV-Anbieter Digital Plus an Silvio Berlusconis Mediengruppe Mediaset verkaufte. Auch von einem Viertel der Anteile des Fachverlags Santillana trennte sich die Gruppe.

Als vor knapp einem Jahr bekannt wurde, dass Liberty die Kontrolle an Prisa übernehmen würde, galten die US-Investoren zunächst ebenso als Retter wie kurze Zeit später bei Karstadt. Sie verhalfen Prisa zu einer Finanzspritze von 650 Millionen Euro - ziemlich genau zehnmal so viel wie Berggruen in die Schuldentilgung bei Karstadt steckte.

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