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20.10.2015

14:17 Uhr

Kartellbeschwerde gegen Suchmaschinenriese

Telekom knöpft sich Google vor

VonChristof Kerkmann, Christoph Schlautmann

Der Suchmaschinengigant Google gerät wegen seines Betriebssystems Android immer stärker unter Druck. Nun wehrt sich die Deutsche Telekom: Die Bonner wollen bei der EU-Kommission eine Kartellbeschwerde einlegen.

Steigende Umsätze

Beherrscht Google den Markt?

Steigende Umsätze: Beherrscht Google den Markt?

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DüsseldorfDeutsche Telekom gegen Google – diese Auseinandersetzung ist nicht neu. Der deutsche Ex-Monopolist kritisiert den amerikanischen Fast-Monopolisten bei jeder Gelegenheit. Jetzt aber könnte es zu einem Showdown bei der EU-Kommission kommen. In den nächsten Tagen wollen die Bonner angeblich eine formale Beschwerde gegen Googles Betriebssystem Android einreichen – auch wenn der Konzern einen entsprechenden Bericht der „New York Times“ bislang nicht kommentierten will.

Die Klage der Telekom käme nur wenige Wochen, nachdem sich Google gegenüber der EU-Kommission geweigert hatte, sein kritisiertes Geschäftsmodell nachzubessern. Die Vorwürfe seien „sachlich, juristisch und ökonomisch falsch“, monierte Googles Justitiar Kent Walker Ende August in einem öffentlichen Blogpost. Die EU stelle „problematische Forderungen“, die Google unmöglich erfüllen könne.

Schon seit 2010 muss sich der Suchmaschinengigant wegen angeblicher Wettbewerbsverstöße vor der EU-Kommission verantworten – zu den Klägern zählen Konzerne wie Microsoft, Nokia und Oracle.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Vorgeworfen wird dem US-Konzern der Missbrauch seiner Marktmacht – durch die Dominanz seiner Suchmaschine und seines Smartphone-Betriebssystems. Dort hat Googles „Android“ inzwischen einen Anteil von 81,1 Prozent. Die Kalifornier stellen ihr Betriebssystem Android den Geräteherstellern kostenlos zur Verfügung. Wer bestimmte Dienste des Internetkonzerns nutzen will, bekommt diese aber nur im Paket: Die App-Plattform „Google Play“ gibt es nicht ohne „Gmail“ oder „Google Maps“. Genau dies sei der Telekom ein Dorn im Auge, berichtet die New York Times unter Berufung auf Insider.

Im April verstärkte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ihre Vorwürfe und leitete ein förmliches Verfahren ein. Google weise mit dem konzerneigenen Preisvergleichsdienst „Shopping“ eigene Angebote bevorzugt aus, nahm sie Beschwerden von Wettbewerbern hinzu. Auch die Vergleichsportale „Google Flights“ und „Hotel Finder“ stellte die EU-Kommission nach eigener Auskunft zuletzt unter verschärfte Beobachtung. Laut Vestager droht Google ein Bußgeld von bis zu 6,6 Milliarden Euro und ein Eingriff ins Geschäftsmodell.

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Schon im vergangenen Jahr reichte zudem das portugiesische Unternehmen Aptoide eine Klage gegen den kalifornischen Konzern ein. Der in Lissabon angesiedelte Marktplatzbetreiber für Smartphone-Programme sah sich durch Google massiv behindert. „Google baut absichtlich Hürden für Smartphone-Nutzer ein, die Apps anderer Anbieter herunterladen möchten“, monierte Firmengründer Paulo Trezentos. Der IT-Riese verhindere damit, dass „Google Play“ – der hauseigene App-Store der Kalifornier – dem Wettbewerb ausgesetzt werde.

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