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23.03.2013

09:51 Uhr

Kartellstreit

Google-Gegner drängen EU zum Handeln

VonChristof Kerkmann

Benachteiligt Google seine Konkurrenten? Die europäischen Kartellwächter ermitteln gegen den Suchmaschinen-Riesen. Nun drängen mehrere Unternehmen die EU, mehr gegen den Marktführer zu tun.

Bevorzugt Google in seiner Suchmaschine die eigenen Dienste? Die EU-Kommission ermittelt gegen den Internet-Riesen. dpa

Bevorzugt Google in seiner Suchmaschine die eigenen Dienste? Die EU-Kommission ermittelt gegen den Internet-Riesen.

DüsseldorfMehrere Google-Konkurrenten drängen die EU, im Kartellverfahren gegen den Suchmaschinen-Riesen schärfer vorzugehen. Die derzeitigen Verhandlungen über einen Vergleich allein reichten womöglich nicht aus, um „effektive und zukunftsfähige“ Maßnahmen zu treffen, erklärten elf Unternehmen und Verbände in einem offenen Brief an EU-Kommissar Joaqín Almunia. Sie forderten den Politiker auf, die Zugeständnisse, die Google in dem Streit angeboten hatte, offenzulegen.

Die EU-Kartellwächter untersuchen seit November 2010, ob Google seine Suchergebnisse manipuliert, indem es die eigenen Dienste begünstigt und die Angebote der Konkurrenz in seinen unbezahlten Trefferlisten benachteiligt. Um eine potenziell empfindliche Buße von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes zu verhindern, bot Google im Februar Änderungen an. Der Inhalt ist jedoch nicht bekannt. Mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent in Europa und sogar mehr als 90 Prozent in Deutschland beherrscht das Unternehmen mit seiner Suchmaschine den Markt.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

„Wir müssen auf die Vorschläge von Google reagieren können“, sagte Andreas Stahl vom Verband freier Telefonbuch- und Auskunftsmedien (VfT), der das Schreiben unterzeichnet hat. „Wir haben das Gefühl, dass Google nur Pseudovorschläge macht“, sagte Stahl im Gespräch mit Handelsblatt Online. Seit Beginn des Verfahrens habe sich die Situation nicht verbessert – im Gegenteil.

Beispiel Hotels: Ganz oben stehen zwei Anzeigen, darunter die Hotelsuche von Google, erst darunter zwei unbezahlte Treffer. Auch in der rechten Spalte dominieren die Anzeigen des Such-Riesen. „Hier herrscht ein sehr großes Ungleichgewicht“, sagte Stahl. „Der freie Wettbewerb hat keine Chance, auf diese Plätze zu kommen.“ Google war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Internetkonzern müsse in seiner Suchmaschine alle Anbieter nach den exakt gleichen Kriterien behandeln, auch seine eigenen Websites, erklärten die Google-Gegner in ihrem Schreiben. Er habe jedoch jede Verzögerung ausgenutzt, „um seine wettbewerbsbeschränkenden Aktivitäten weiter zu etablieren, auszuweiten und zu verschärfen“.

Ganz oben Anzeigen, darunter die Hotelsuche von Google: So sieht es aus, wenn man ein Zimmer in Düsseldorf sucht.

Ganz oben Anzeigen, darunter die Hotelsuche von Google: So sieht es aus, wenn man ein Zimmer in Düsseldorf sucht.

Initiator des offenen Briefes ist die französische Firma Foundem, die mit ihrer Beschwerde das Verfahren in Brüssel in Gang gesetzt hatte. Sie unterstützen die Reiseportale Expedia und Tripadvisor, die Kartenanbieter Euro Cities AG und Hot Maps Medien sowie die deutschen Verlegerverbände BDZV, VDV und VfT.

Eine Frist müssen die europäischen Wettbewerbshüter nicht einhalten. Sie wollen aber bis zur Sommerpause bekannt geben, ob die Vorschläge des Suchmaschinen-Riesen reichen, um das Verfahren einzustellen. In den USA ist ein ähnliches Kartellverfahren für Google glimpflich ausgegangen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

23.03.2013, 09:48 Uhr

"Mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent in Europa und sogar mehr als 90 Prozent in Deutschland beherrscht das Unternehmen mit seiner Suchmaschine den Markt."

Selbst Schuld.
Kann man in Deutschland eine solche IT-Firma aufziehen?
Nein, ein Herr von netzbeschmutzenden Anwälten und anderes Schmarotzerge*ier warten nur darauf ihre Abmahnindustrie aufrecht zu erhalten.
Google hats eben drauf, da hilft auch kein "Leistungsschutzrecht". Da hilft nur machen, aber wozu?

Google_Sucks

23.03.2013, 10:34 Uhr

Unbedingt sollte man sich einmal objektiv kritisch mit Google und seinem arroganten und selbstgefälligen Netzauftritt auseinandesetzen.

Versuchen Sie mal objektiv falsche Angaben, z.B. auf Google Maps zu korrigieren. Z.B. weil Ihre Adresse wegen eines Umzuges nicht mehr stimmt oder eine Firma an dem angegebenen Ort nicht mehr existiert.

1.Problem: das dürftige und rechtswidrige Google Impressum (wen kann ich wo in Deutschland anrufen????)
2.Problem: Anklicken des Links "Fehler melden" bewirkt rein gar nicht, außer das Google gerne möchte, daß Sie sich "anmelden" der pure Hohn !
3.Google wähnt sich in einem globalisierten rechtsfreien Raum.
3. Die Google Search Algorithmen sind selbstverständlich hochgradig manipuliert, sonst wäre es kein Algorithmus, sondern ein platter Datendurchlauf!! Im Zweifel wird alles priorisiert, was Google nutzt.

Man kann nur jedermann raten, um Google einen großen Bogen zu machen:
- beim Surfen alle GOOgLE Cookies blocken, geht ganz einfach und stört nicht im Geringsten (z.B.Cookies von "Google analytics")
- KEIN ANDROID Smart Phone
- wenn doch, KEINE Aktivierung oder der Hintergrunddaten
- statt mit Google mit z.B.Fireball suchen !! Fireball sucht direkter, und werbefrei

kuac

23.03.2013, 12:20 Uhr

Was passiert, wenn Sie bei Ggogle einen Suchbegriff eintippen? Siehe hier:
https://www.ixquick.com/deu/protect-privacy.html
Es gibt andere Suchmachinen, die Ihre IP Adressen nicht speichern. Ggogle stellt ein Persoenlichkeits-Profil über Sie und speichert Ihre Daten, Suchbegriffe und die Inhalte Ihrer Email, falls Sie Googlemail benutzen, alles zusammen in einem Ordner. ihr Ordner. Durch Ihre Email und IP Adresse kennt Google auch Ihren Namen.
Google ist ein Sozialschmarotzer. Zählt nur 1% Steuer in der EU, macht aber Milliardengewinn.

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