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22.04.2013

16:12 Uhr

Kartellverfahren

EU will Suchgeschäft von Google kontrollieren

VonChristof Kerkmann, Thomas Ludwig

ExklusivGoogle unter Druck: Die EU-Kommission will den Suchmaschinen-Riesen einer unabhängigen Kontrolle unterstellen – sie fordert rechtliche bindende Regelungen. Wie diese aussehen sollen, ist aber noch unklar.

Im Visier der Wettbewerbshüter: Die EU-Kommission prüft, ob Google seine Dominanz bei Suchmaschinen missbraucht. dpa

Im Visier der Wettbewerbshüter: Die EU-Kommission prüft, ob Google seine Dominanz bei Suchmaschinen missbraucht.

Düsseldorf/BrüsselDie EU-Kommission will die Suchmaschinenpraxis von Google einer unabhängigen Kontrolle unterstellen. Eine Selbstverpflichtung reiche nicht aus, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia dem Handelsblatt am Montag in Brüssel: „Es geht um rechtlich bindende Regelungen.“ Mit einem „klaren und effizienten“ Monitoring ziehe man Konsequenzen aus der Vergangenheit. Wie es aussehen wird, ließ er aber offen.

Mit dem Vorhaben reagieren Europas Wettbewerbshüter auf ein seit 2010 laufendes Verfahren gegen Google. Sie wittern den Missbrauch von Marktmacht. Kommission und Konkurrenten werfen Google vor, in den Suchergebnissen eigene Angebote wie den Kartendienst Maps, den Preisvergleich oder die Hotelsuche – sogenannte vertikale Suchen – gegenüber Konkurrenzangeboten zu bevorzugen.

Grundsätzlich ist der US-Konzern zum Einlenken bereit. Nach monatelangen Verhandlungen hatte er kürzlich Kompromissvorschläge gemacht. Nach Informationen von „New York Times“ und „Wall Street Journal“ (kostenpflichtig) schlägt das Unternehmen vor, seine eigenen Angebote deutlicher zu markieren, wenn es damit kein Geld verdient – das gilt etwa für die Nachrichtensuche News oder das Wetter. In den Bereichen, in denen es Anzeigen verkauft, will es zudem mindestens drei Links zu Konkurrenzangeboten einblenden – etwa bei der Hotelsuche. Änderungen am Algorithmus, der über die Zusammensetzung der Trefferlisten entscheidet, schlägt Google indes nicht vor. Die EU-Kommission unterzieht die Vorschläge nun einem Markttest.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Google beantwortet in Europa mehr als 90 Prozent aller Suchanfragen. Die EU schätzt die Position des Konzerns daher als marktbeherrschend ein. Wer nicht bei Google zu finden ist, ist im Netz praktisch nicht existent. Diese Marktmacht zieht Almunia nicht grundsätzlich in Zweifel. „Es geht nicht darum, Unternehmen zu schrumpfen, es geht darum, Nutzern das die besten Angebote zu bieten“, sagte Almunia.

Den Wettbewerbshütern geht es um die 1a-Lagen der Suchmaschine. „Google platziert seine eigenen vertikalen Suchen prominent auf der ersten Seite und bevorzugt in Containern mit Medieninhalten wie Videos die eigenen Dienste“, sagt Dirk Lewandowski, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg. Wer etwa nach einem Hotel in Düsseldorf sucht, sieht auf den ersten Blick vier bis fünf bezahlte Anzeigen und die Google-eigene Hotelsuche, zudem eine kleine Karte – aber nur zwei bis drei organische, also unbezahlte Treffer von Buchungsportalen wie HRS und Trivago.

Für die Konkurrenz hat das gravierende Folgen. „Die Nutzer klicken vor allem auf die Ergebnisse, die direkt sichtbar sind. Auf die zweite Seite gelangt nur ein sehr kleiner Teil“, sagt Suchmaschinen-Experte Lewandowski. Die Folge: „Sobald Google-Dienste ganz oben stehen, bekommen die Wettbewerber Probleme.“

Kommentare (12)

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www_mmnews_de

22.04.2013, 16:34 Uhr

"EU will Suchgeschäft von Google kontrollieren"

Wer bitte ist die "EU"???

EU = EU-Kommission

Die EU-Kommission besteht aus 27 Personen, nur sie darf in
Europa Gesetze vorschlagen und verabschieden!!!

Die EU-Kommission ( 27 Personen ) wird von keinem Bürger gewählt!!

Wer kontrolliert die 27 Personen ( EU-Kommission ) die von keinem Bürger gewählt wurden, damit sie ihre Übermacht nicht ausnutzen???

EU = Eine 27 Mann/Frau Diktatur?

Warum erfahren wir nichts darüber in den Mainstreammedien

Wer steht hinter den Mainstreammedien?

Bitte nicht löschen, Herr/Frau Zensor danke

Querschlaeger

22.04.2013, 16:52 Uhr

google und Yahoo werden doch schon kontrolliert. Nicht systemkonforme oder politisch inkorrekte Webseiten duerfen auf Druck des Zentralrates nicht angezeigt werden.
In keinem westlichen Land wird soviel Zensiert wie in Deutschland. Wir bewegen uns in der Hinsicht auf der Hoehe von China.
Noch immer nicht genug?

EX-SPON-Forist

22.04.2013, 17:03 Uhr

Leider ist auch der Spiegel nur noch ein Schatten seiner selbst. Eurokritische Themen erscheinen kaum noch und wenn, ohne jegliche Kommentierungsfunktion. Viele Beiträge werden einfach nicht mehr veröffentlicht, viele Foristen wurden kurzfristig ausgeschlossen. Die beiden Chefreakteure wurden verbannt, SPON ist jetzt nur noch ein Schatten seiner selbst. Schade, wieder ein Stückchen Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit weniger. Das Sturmgeschütz der Demokratie hat mit seinem liberalen Geist gebrochen. Schade. Ich werde SPON und auch die gedruckte Ausgabe in Zukunft meiden.

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