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29.05.2014

11:29 Uhr

Kauf des Kopfhörerhersteller Beats

Apple-Chef reißt „Berliner Mauer“ ein

Tim Cook will mit den Unterhaltungsfirmen in Los Angeles bessere Geschäfte machen. Am Milliarden-Zukauf Beats ist für den Apple-Chef vor allem der Streaming-Dienst interessant. Denn iTunes Radio ist bisher erfolglos.

Größte Übernahme der Firmengeschichte

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San FranciscoDer iPhone-Hersteller Apple will mit der größten Übernahme seiner Firmengeschichte boomenden Musikstreaming-Diensten wie Spotify oder Pandora die Stirn bieten. Der kalifornische Konzern kauft für drei Milliarden Dollar das Unternehmen Beats, das neben hochpreisigen Kopfhörern auch die begehrten Online-Musikabos anbietet. Der Musikproduzent Jimmy Iovine, der das Unternehmen mit dem Rapper Dr. Dre gründete und schon mit Künstlern wie Bruce Springsteen oder U2 zusammenarbeitete, soll ins Apple-Management aufrücken. Er könnte bei Verhandlungen mit der Musikbranche eine entscheidende Rolle spielen.

Apple-Chef Tim Cook verwies am Mittwoch auf die schwierigen Beziehungen zwischen High-Tech-Firmen und der Unterhaltungsbranche. „Es ist traurig aber wahr, dass zwischen dem Silicon Valley and L.A. eine Berliner Mauer steht“, sagte Cook dem „Wall Street Journal“. Die Branchen respektierten sich, aber verstünden sich nicht.

Die Kaufsumme von drei Milliarden Dollar ist zwar nur ein Bruchteil von Apples 150 Milliarden Dollar an Barreserven. Doch die Größenordnung des Zukaufs ist neu: In den vergangenen Jahrzehnten gab der Konzern aus Cupertino meist dreistellige Millionenbeträge für Übernahmen aus. Der Kauf von Beats wurde bereits erwartet. Apple-Aktien zeigten sich im nachbörslichen Handel am Mittwoch fast unverändert.

Alles rund um iTunes

Auch die Beatles sind dabei

2003 ging der iTunes Store mit 200.000 Songs an den Start, Apple erweiterte den Katalog aber stetig. Heute stehen rund 37 Millionen Lieder bereit, auch notorische Verweigerer wie die Beatles bieten ihre Musik dort mittlerweile an.

Von den USA aus in alle Welt

Seine Anfänge nahm iTunes in den USA, dem Heimatmarkt von Apple. Doch der iPod-Hersteller expandierte schnell: 2004 ging die Musik-Plattform in Deutschland an den Start, heute ist sie in 120 Ländern verfügbar.

25 Milliarden Songs in zehn Jahren

Die Beliebtheit des iTunes Music Store lässt sich an den Download-Zahlen ablesen. Die erste Milliarde hatte Apple im Februar 2006 zusammen, die zweite im Januar 2007. Im Februar 2013 vermeldete der Konzern, dass die Grenze von 25 Milliarden Songs erreicht sei.

Hollywood trifft Mathevorlesung

Apple hat iTunes inzwischen zu einer großen Videoplattform ausgebaut. Mehr als 65.000 Filme gibt es zum Ausleihen oder Kaufen, zudem mehr als 250.000 TV-Episoden. Zudem bietet Apple über iTunes U Lehrmaterialien an, darunter Videos von zahlreichen Vorlesungen.

Die eigene Musik in der Cloud

Im Cloud-Speicher von iTunes Match können Nutzer für 25 Euro im Jahr ihre eigene Musiksammlung ablegen. So haben sie von anderen Geräten aus Zugriff darauf.

Radio à la Apple

Seit September 2013 bietet Apple aus einen werbefinanzierten Streaming-Dienst namens iTunes Radio an. Dieser ging zunächst in den USA an den Start, der Konzern will ihn aber schrittweise auch in anderen Ländern anbieten.

Die Grundlage für den App Store

Auf der iTunes-Infrastruktur baut auch der App Store von Apple auf, in dem Nutzer Anwendungen für iPhone, iPad und iPod touch herunterladen können. Mehr als eine Million Apps stehen zur Verfügung.

Soziales Netzwerk Ping

Keinen Erfolg hatte Apple mit dem Musik-Netzwerk Ping, in dem sich Nutzer mit Freunden über Musik austauschen und Künstlern wie bei Facebook oder Twitter folgen können sollten. 2012 beendete der Konzern das Projekt nach zwei Jahren.

Apple ist zwar ein Pionier beim Verkauf von Musik im Internet und öffnete seinen iTunes Store bereits vor elf Jahren. Doch inzwischen sinken die Umsätze, weil viele Nutzer darauf verzichten, Musiktitel zu kaufen und auf ihre Geräte herunterzuladen.

Stattdessen zahlen sie bei Diensten wie Spotify oder Pandora Media einen Pauschalbetrag und können dafür viele Tausende Musiktitel online hören. Apples eigener Streaming-Dienst iTunes Radio dagegen hat auch acht Monate nach seinem Start nicht den erhofften Erfolg. Beats war dagegen Anfang des Jahres mit einem hochgelobten Angebot an den Start gegangen.

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