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16.01.2008

15:08 Uhr

Kaufverhandlungen

Gruner + Jahr steht vor Komplettübernahme der FTD

VonHans-Peter Siebenhaar

Die Bertelsmann-Tochter will den Fortbestand der Wirtschaftszeitung sichern. Das Blatt gilt als Prestigeobjekt, obwohl es im vergangenen Jahr 10 Millionen Euro Verlust eingefahren hat. Ob die Zeitung dann mittelfristig ihren verkaufsträchtigen Namen behalten dürfte, ist allerdings unklar.

Die FTD soll mit aller Kraft gerettet werden. foto: dpa dpa

Die FTD soll mit aller Kraft gerettet werden. foto: dpa

DÜSSELDORF. Der Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr (G+J) prüft eine Komplettübernahme der „Financial Times Deutschland“ (FTD). G+J, eine Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann, hält 50 Prozent an der Wirtschaftszeitung. Damit könnte Gruner den Einstieg eines ungeliebten Konkurrenten verhindern. Der Partner, die britische Verlagsgruppe Pearson, will bereits seit Herbst vergangenen Jahres den eigenen 50-prozentigen Anteil verkaufen.

„Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagte ein G+J-Sprecher gestern auf Anfrage. Hinter der „FTD“ steht vor allem Vorstandschef Bernd Kundrun. „Für Kundrun ist die ,Financial Times Deutschland’ eine Prestigeangelegenheit“, hieß es in Verhandlungskreisen. Sowohl Gruner + Jahr als auch Bertelsmann wollen aus strategischen Gründen das Fortbestehen des lachsfarbenen Wirtschaftsblatts aus Hamburg sichern. Das ist schwierig, denn das von Kundrun im Jahr 2000 mitgegründete Blatt steckt tiefer in den roten Zahlen als bisher bekannt.

Im vergangenen Jahr hat die „FTD“ einen Verlust von zehn Mill. Euro eingefahren. Das berichteten Verhandlungskreise. Bislang war die Branche davon ausgegangen, dass die „FTD“ acht Mill. Euro im Jahr verliert. Die Erlöse der Wirtschaftszeitung lagen zuletzt bei 55 Mill. Euro. Gruner + Jahr wollte die Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren.

Der britische Medienkonzern Pearson verlangt für seinen Anteil an der „FTD“ mindestens 15 Mill. Euro. Das Blatt insgesamt werde derzeit mit 30 bis 40 Mill. Euro bewertet, hieß es in Verhandlungskreisen. Dem „Spiegel“-Verlag war der Pearson-Anteil noch im Herbst für acht Mill. Euro angeboten worden. Doch die Mitarbeiter-KG, der Mehrheitsgesellschafter des „Spiegel“-Verlags, lehnte zum Ärger des Mitgesellschafters Gruner den Einstieg bei der „FTD“ ab.

In der Vergangenheit hatte eine Reihe von Verlagsunternehmen sowie Medienkonzernen die Bücher der „FTD“ geprüft. Unter den Interessenten waren die „Süddeutsche Zeitung“, die Düsseldorfer „Rheinische Post“ sowie die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck („Handelsblatt“, „Zeit“). „An Interessenten für die ,FTD’ hat es nicht gefehlt“, sagte ein Beteiligter.

Doch bislang konnte die Frankfurter Investmentbank Drueker & Co., die auch beauftragt ist, das Berliner Sony-Center zu verkaufen, keine Unterschrift unter einen Vertrag vorlegen. Eines der Hindernisse ist die Lizenz von Pearson für den Namen „Financial Times“. Das britische Mutterblatt stand bei der Gründung der deutschen Ausgabe Pate. Bei einem Rückzug fordert Pearson für die Namensrechte offenbar hohe Lizenzgebühren. Zudem droht mittelfristig der komplette Entzug der Namensrechte. Ohne den Namen „Financial Times“ ist das Hamburger Wirtschaftsblatt aber nicht vorstellbar.

Unterdessen ordnet G+J seine Sparte Wirtschaftspresse neu. Die Kölner Verlagsgeschäftsführerin Ingrid Haas plant, die Zeitschriften „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ zusammen mit der „FTD“ in einer Gruppe zu vereinigen. Die Standorte Köln und Hamburg sollen erhalten bleiben. Großen Personalabbau wird es offenbar nicht geben. „Da kann man zehn oder 20 Stellen im Verlagsbereich einsparen. Das ist aber schon alles“, sagte ein Insider über die Pläne der früheren RTL-Pressesprecherin.

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