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20.08.2015

10:10 Uhr

Kein Internet

Totalausfall bei Unitymedia

VonIna Karabasz

Mehr als drei Millionen Kunden von Unitymedia waren am Donnerstagmorgen für drei Stunden vom Internet abgeschnitten. Auf Twitter und Facebook übten sich betroffene Kunden in Ironie und Häme.

Vor allem Nutzer in Nordrhein-Westfalen berichten am Donnerstag von Internet-Ausfällen. dpa

Unitymedia-FIliale in Köln

Vor allem Nutzer in Nordrhein-Westfalen berichten am Donnerstag von Internet-Ausfällen.

Düsseldorf„Der Tag geht für @UnitymediaHilfe gut los …. #Unitymedia“, twittert Matthias Otto am frühen Donnerstagmorgen. Darunter veröffentlicht er ein Bild von einer Deutschlandkarte, auf der Störungen des Kabelnetzbetreibers in gelb und rot angezeigt werden. Es sieht aus wie ein Satellitenfoto an einem bewölkten Tag.

Er ist einer der Ersten an diesem Morgen, der über den Kurznachrichtendienst von der Störung berichtet. Innerhalb kurzer Zeit steht #Unitymedia an der Spitze der Twitter-Trends. Die meisten Kunden reagierten mit Ironie auf den Ausfall. So schreibt @FKTVTwipsy: „#unitymedia trendet, und viele werden es nicht wissen! #Infrastrukturapokalypse“.

Die Störung begann gegen 5.30 Uhr und dauerte rund drei Stunden. Beim Kundenservice liefen die Telefone heiß, auf der Internetseite Allestörungen.de liefen fast 6000 Meldungen auf. Unitymedia erklärt, es habe einen Totalausfall aller internetbasierten Dienste gegeben. Mehr als drei Millionen Kunden des in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg tätigen Kabelnetzbetreibers waren betroffen. Weil über das Internet auch Angebote wie VoiceOverIP- oder Video-On-Demand-Angebote laufen, ging in einigen Fällen auch das Fernsehen oder das Telefon nicht. Grund für den Ausfall soll ein interner Systemfehler gewesen sein.

Bereits Anfang der Woche hatte Unitymedia eine großflächige Störung im Münsterland, nachdem bei Bauarbeiten ein Kabel beschädigt worden war.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Unitymedia hat 2011 KabelBW übernommen und ist nach der Vodafone-Tochter Kabel Deutschland zweitgrößter Kabelanbieter in Deutschland. Es gehört zum US-Kabelriesen Liberty Global. Im zweiten Quartal konnte das Unternehmen seine Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 538 Millionen Euro steigern. Grund dafür ist die anhaltend starke Nachfrage nach schnellen Internetverbindungen. Zuletzt wurde immer wieder spekuliert, dass Liberty Global seine Position im deutschen Markt durch einen Zukauf stärken will.

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