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27.01.2006

11:43 Uhr

Kein Zeitpunkt genannt

Bertelsmann wird an die Börse gedrängt

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann soll an die Börse kommen. Der Minderheitsgesellschafter GBL (Groupe Bruxelles Lambert) will seine Anteile abstoßen – wenn die Bedingungen günstig sind.

Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh. Foto: dpa Quelle: dpa

Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh. Foto: dpa

HB GÜTERSLOH/BRÜSSEL. Der Vorstand von GBL habe beschlossen, die Möglichkeit eines Börsengangs ab Ende Mai 2006 bei einem günstigen Marktumfeld wahrzunehmen, teilte GBL am Freitag mit. GBL hat das Recht, sein Paket von 25,1 Prozent an Bertelsmann von Mai an an der Börse zu platzieren. GBL erklärte, die Erstnotiz sei für 2007 angepeilt, womöglich in Frankfurt. Der Börsengang wäre weltweit einer der größten in der Branche und könnte nach Einschätzung von Bankern 20 bis 24 Mrd. Euro schwer sein.

Bertelsmann selbst sieht sich gut gerüstet. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren auf einen möglichen Börsengang intensiv vorbereitet“, erklärte Konzernchef Gunter Thielen am Freitag. „Bertelsmann hat sich gut entwickelt und die Ergebnisse deutlich gesteigert.“ Der Konzernabschluss sei auf den internationalen Standard IFRS umgestellt, die Banken- in eine Kapitalmarktfinanzierung umgewandelt.

Der 25,1-Prozent-Anteil an Bertelsmann war im Jahr 2001 im Zuge der Übernahme des in Luxemburg beheimateten Fernsehkonzerns RTL Group an GBL gegangen. Das Unternehmen des belgischen Finanzinvestors Albert Frére hatte sich den möglichen Ausstieg über die Börse vertraglich zusichern lassen.

Den Rest der Anteile an der Bertelsmann AG halten die Familie des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn (17,3 Prozent) sowie die Bertelsmann-Stiftung (57,6 Prozent). Mohns Ehefrau Liz hatte als Sprecherin der Familie mehrmals betont, dass es keine Bestrebungen gebe, weitere Anteile an die Börse zu bringen. Ein Bertelsmann-Sprecher wiederholte dies am Freitag: Der Anteil von 75 Prozent werde nicht verwässert. Damit werden die Mohns auch weiterhin die volle unternehmerische Kontrolle über den Medienriesen behalten.

Bei einem Verkauf der Beteiligung vor einem Börsengang hat die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, in der die Stimmrechte der Familie und der Stiftung gebündelt sind, ein Vorkaufsrecht. Den Rückkauf der Anteile hatte die Familie in der Vergangenheit aber ausgeschlossen. Der „Financial Times“ zufolge müssten die Mohns dabei mit einem Preis von 5 Mrd. Euro rechnen.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte im Dezember von einer mit der Situation vertrauten Person erfahren, GBL erwäge gegen den möglichen Widerstand der Eigentümerfamilie einen Börsengang. Albert Frére hatte im September jedoch gesagt, er werde den Schritt von der Familie Mohn abhängig machen. Bankern zufolge war diese damals gegen einen Börsengang.

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