Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.08.2013

16:38 Uhr

Keine Zukunft für den Smartphone-Pionier

Blackberry prüft den eigenen Verkauf

Blackberry ringt um seine Zukunft: Ein Sonderkomitee soll Zukunftsszenarien für den angeschlagenen Smartphone-Hersteller durchspielen. Ein Verkauf des Unternehmens wird jetzt doch möglich, ein Zeichen der Resignation.

Das neueste Blackberry-Modell 10Z: Verzögerungen bei der Auslieferung verschlechterten die Lage des Unternehmens, jetzt wird ein Verkauf geprüft. dapd

Das neueste Blackberry-Modell 10Z: Verzögerungen bei der Auslieferung verschlechterten die Lage des Unternehmens, jetzt wird ein Verkauf geprüft.

New YorkDer Druck von Apple und Samsung wird zu groß: Der strauchelnde Smartphone-Pionier Blackberry spielt angesichts wegbrechender Marktanteile Alternativen durch. Auch ein Verkauf wird dabei nicht ausgeschlossen. Ein Sonderkomitee werde prüfen, wie das Unternehmen erfolgreich sein könne, teilte der vom Deutschen Thorsten Heins geführte Konzern am Montag mit.

Blackberry war einst neben Nokia Handy-Platzhirsch und bei der Email-Abfrage via Handys sogar führend. Der Siegeszug von Apples iPhone und dem Betriebssystem Android von Google, das auf Samsungs Galaxy-Geräten läuft, hat die Kanadier aber dramatisch zurückgeworfen. Der Börsenwert ist binnen fünf Jahren von 84 auf fünf Milliarden Dollar eingebrochen. Reuters hatte am Freitag von Insidern erfahren, dass der Konzern deswegen den Rückzug von der Börse erwägt, um das Unternehmen in Ruhe zu sanieren.

Die Anleger reagierten positiv auf die Gedankenspiele: Blackberry-Aktien verteuerten sich am Montag zu Handelsbeginn um 4,5 Prozent.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Das Sonderkomitee solle prüfen, ob Blackberry per Joint Venture, strategischer Partnerschaft oder mit anderen Allianzen vorankommen könne, hieß es. Auch ein Verkauf oder andere mögliche Transaktionen seien denkbar. Das Unternehmen findet seit längerem keine Antwort darauf, wie es schnell Marktanteile zurückgewinnen kann. Zusätzlich sorgten zuletzt Verzögerungen bei der Einführung des wichtigen Modells „Blackberry 10“, Probleme im Management, andauernde Quartalsverluste und ein Stellenbau für schlechte Stimmung.

Zum Jahreswechsel 2012/13 hatte das Unternehmen zwar dank Kostensenkungen überraschend schwarze Zahlen geschrieben. Doch erwies sich das im weiteren Verlauf als Strohfeuer, im abgelaufenen Quartal stand erneut ein Verlust zu Buche. Analysten fragen sich, ob Blackberry - ähnlich wie Nokia - die Wende zum Besseren noch schaffen kann. Auch nach der Erklärung vom Montag bleiben Experten skeptisch: „Wir können uns nicht vorstellen, dass es irgendwelche Änderungen gibt, die Blackberry helfen könnten, den drastischen Verlust an Marktanteilen oder den Umsatzverfall bei Dienstleistungen rückgängig zu machen“, sagte Tim Long, Analyst bei BMO Capital Markets.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×