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28.09.2011

17:44 Uhr

„Kindle Fire“ für 199 Dollar

Amazon sagt Apples iPad den Kampf an

Noch beherrscht Apple mit seinem iPad den lukrativen Markt für Tablet-Computer. Doch nun will Internethändler Amazon Apple mit Kampfpreisen für das Kindle Fire vom Thron stoßen.

Jeff Bezos präsentiert das Kindle Fire. dapd

Jeff Bezos präsentiert das Kindle Fire.

San FranciscoDie Computerbranche hält den Atem an. Denn seit heute hat Apple, das Unternehmen, das ganze Branchen aufgemischt und völlig neue Produktsegmente geschaffen hat, einen ernsthaften Konkurrenten, dem Experten zutrauen, Apple ausgerechnet im stark wachsenden Markt mit Tablet-Computer zu verdrängen. Der Internet-Händler Amazon hat jetzt das Kindle Fire präsentiert, ein Gerät, mit dem Nutzer eBooks lesen, Musik und Spiele herunterladen und sich Filme und Fernsehsendungen anschauen können. Der Clou: Amazons "iPad" kostet nur 199 Dollar - nicht einmal halb so viel wie das iPad von Apple. „Wir werden Millionen von Geräten verkaufen“, kündigte Amazon-Chef Jeff Bezos an.

Das Fire ist allerdings mit einer Bildschirmdiagonalen von 7 Zoll (17,8 cm) auch deutlich kleiner. Eine Mobilfunk-Verbindung ist nicht vorgesehen, sondern nur WLAN. Der Flachrechner kommt mit einem eigenen Internet-Browser namens Amazon Silk und kostenlosen Speichermöglichkeiten im Internet.

Dem Amazon-Tablet wird zugetraut, zum stärksten Konkurrenten für das iPad zu werden, weil der Online-Händler ebenso wie Apple mit seinem iTunes Store eine breite Palette an Inhalten wie Bücher, Filme, Musik und Apps im Angebot hat. Außerdem stellte Amazon-Chef Bezos ein neues Kindle-Lesegerät für elektronische Bücher mit einem Schwarz-Weiß-Bildschirm vor, das man ebenfalls mit dem Finger steuern kann. Das Kindle Touch soll 99 Dollar kosten, mit Mobilfunk-Verbindung 149 Dollar. Einen gewöhnlichen Kindle-Reader gibt es jetzt für nur noch 79 Dollar. Die Anleger sehen die Neuvorstellungen postiv. In einer ersten Reaktion tendierten Amazon-Aktien satte 3,8 Prozent höher.

Für das Analyse-Haus CCS Insight unterstreiche Amazon damit seine Position als "schlafender Gigant bei mit Inhalten, Plattformen und Services verknüpften Mobilgeräten". Wobei die Experten davon ausgehen, dass Amazon den niedrigen Preis subventionieren dürfte.

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Gene Muster von PiperJaffray sagte bereits vor der Präsentation, das neue Gerät könnte zu diesem Kampfpreis das erfolgreichste Konkurrenzmodell für das iPad sein. „Es geht um den Preis“, sagte auch Collin Gillis von BGC Partners. Das sei der einzige Punkt, an dem man den Markt für Tablet-Computer knacken könne.

Und dass der Preis ein entscheidender Faktor ist, hat unlängst der Schlussverkauf des Touchpads von Hewlett-Packard bewiesen. Lange Schlangen hatten sich etwa in den USA vor den Elektronik-Supermärkten von Best Buy gebildet, als das kleinere „Touchpad“ für 99 Dollar verramscht wurde, die größere Version gab es schon für 149 Dollar.

Das Marktforschungshaus Forrester geht deshalb davon aus, dass Amazon mit Leichtigkeit im vierten Quartal zwischen drei und fünf Millionen Tablets verkaufen und damit die Strategie von Apple wie auch die der Konkurrenz über den Haufen werfen könne. Nur zum Vergleich: Apple hat 4,69 Millionen iPads im zweiten Quartal dieses Geschäftsjahres abgesetzt, im Dritten waren es dann gar 9,25 Millionen Exemplare. Motorolas Xoom ging 440.000 Mal über die Ladentische, Blackberry-Hersteller RIM verkaufte 500.000 Playbooks. Die Erwartungen an Amazon sind also hoch - was nicht für die Technik gilt.

Kommentare (2)

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datRobby

28.09.2011, 15:07 Uhr

Wg. Preis, Ausstattung, Handling usw. habe ich mir vor kurzem das Asus EEE Pad Transformer zugelegt. In meinen Augen schon jetzt ein absoluter Konkurent für das iPad. Ich sage nur USB, Flash, Speichererweiterung, Preis...
Amazon Kindle läuft da übrigens auch drüber und das alles bei ca. 10 Stunden Akkulaufzeit.
Apple hat den Markt in meinen Augen bereits verloren.

Daniel

28.09.2011, 15:26 Uhr

Apple hat aus gutem Grund das Samsung Galaxy Tab verbieten lassen: Sicher nicht wegen der abgerundeten Ecken, sondern weil es ebenfalls ein ernstzunehmender Konkurrent ist.

Bzgl. Ausstattung stimme ich zu, dass durchaus Abstriche im Sinne eines attraktiven Preises möglich sind. An einer Stelle jedoch nicht: Am Display bzw. dessen Eingabemethode ! Billig-Tablets mit resistivem, d.h. druckempfindlichen Panels sollte man auf jeden Fall im Regal liegen lassen. Die machen absolut keinen Spaß und damit auch keinen Sinn !

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