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26.11.2014

15:07 Uhr

Kindle-Konkurrent

„Der Tolino behauptet sich toll“

VonChristof Kerkmann

Es gibt nicht nur den Kindle: Die deutschen Buchhändler haben mit dem Tolino einen Gegenentwurf entwickelt. Ihre ersten Erfolge in Sachen E-Books sind beachtlich – doch an einer wichtigen Stelle ist Amazon noch besser.

Alternative zum Kindle: Mehrere deutsche Buchhändler unterstützen den Tolino.

Alternative zum Kindle: Mehrere deutsche Buchhändler unterstützen den Tolino.

Es ist ein bemerkenswerter Erfolg: Dem deutschen Buchhandel ist es gelungen, mit dem E-Reader Tolino die Dominanz von Amazon einzudämmen. Um dem US-Konzern noch mehr Marktanteile abjagen zu können, müssen Thalia, Hugendubel, Weltbild und Bertelsmann den Kunden nach Ansicht eines Experten aber deutlich mehr Orientierung in der großen E-Book-Auswahl bieten.

„Die Tolino-Allianz behauptet sich toll“, sagt der Unternehmensberater Rüdiger Wischenbart, der sich auf den E-Book-Markt spezialisiert hat. Im Vergleich zu anderen Ländern, wo Amazon mit seinem Kindle die dominierende Plattforme stelle, habe sich der deutsche Buchhandel eine „relevante Marktposition“ gesichert. „Wir lernen daraus, dass nicht jeder Markt die Entwicklungsschritte der USA wiederholt“, betont der Autor des „Global E-Book Report“ im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Vorteile und Nachteile von E-Readern

Ausdauernder Akku

Die E-Ink-Displays sind sehr energieeffizient, daher muss der E-Reader erst nach mehreren tausend Seiten wieder an die Steckdose – das reicht für Wochen.

Angenehmes Lesen

Dank der E-Ink-Technik ähnelt der Bildschirm von E-Readern einer Buchseite – das ist für die Augen angenehm. Zudem lässt sich damit auch bei direkter Sonneneinstrahlung lesen. Geräte mit Beleuchtung wie Kindle Paperwhite und Tolino Shine ermöglichen es zudem, auch im Dunkeln zu lesen.

Geringes Gewicht

Die meisten E-Reader sind Leichtgewichte, die um die 200 Gramm wiegen. Tablet-Computer im Sieben-Zoll-Format bringen oft das Doppelte auf die Waage, Zehn-Zöller sogar das Dreifache. Zudem sind die meisten Lesegeräte so kompakt, dass sie auch in die Jackentasche passen.

Große Kapazität

Aktuelle E-Reader haben mehrere Gigabyte Speicher und erlauben teils noch eine Erweiterung per Micro-SD-Karte. Selbst wenn man Bildbände oder Comics aufspielt, reicht das für Hunderte Bücher – das spart beispielsweise im Urlaub Gepäck.

Strenger Kopierschutz

Viele E-Books haben einen Kopierschutz. Damit können Käufer ihre digitalen Bücher nicht einfach an Freunde verleihen. Zwar ist es möglich, ein E-Book auf mehreren Geräten gleichzeitig zu öffnen, allerdings ist das an das eigene Benutzerkonto geknüpft.

Formate-Wirrwarr

Nicht jeder E-Reader kann jedes E-Book öffnen. Marktführer Amazon nutzt das AZW-Format, das sich nur mit dem Kindle öffnen lässt. Die Tolino-Allianz, der die Buchhändler Thalia, Hugendubel, Weltbild und Club Bertelsmann angehören, setzen auf das EPUB-Format, das die meisten Modelle öffnen können, der Kindle jedoch nicht. Bei E-Books ohne Kopierschutz ist aber eine Konvertierung relativ einfach machbar.

Eingeschränkte Möglichkeiten

E-Reader sind Lesegeräte – nicht mehr, nicht weniger. Wer nur gelegentlich ein E-Book liest, ist mit einem Tablet-Computer besser bedient. Mit dem kann man auch im Internet surfen und Filme gucken.

Die Mitglieder der Allianz – die untereinander in Konkurrenz stehen – steigerten im ersten Halbjahr den Anteil am E-Book-Markt auf insgesamt 33 Prozent (Vorjahr: 30 Prozent). Amazon verlor dagegen leicht, ist aber mit 46 Prozent immer noch Marktführer (49 Prozent).

Amazon brachte den ersten Kindle 2007 heraus. Mit dem Geräte und der Verkaufsplattform habe der Konzern den E-Book-Markt in seiner heutigen Form erfunden, sagt Wischenbart. „Die Verlage und Buchhändler waren damals sehr zurückhaltend, ihre Inhalte digital aufzubereiten und dafür eine Verkaufsumgebung zu schaffen.“

Die Hardware der Tolino-Allianz sei konkurrenzfähig, urteilt der Experte. Um gegen Amazon bestehen zu können, müssten die Unternehmen den Kunden aber deutlich mehr Orientierung bieten. „Der E-Book-Markt funktioniert anders als der herkömmliche Buchmarkt, weil er stärker segmentiert ist.“ Es gebe neben den Bestsellern viele Nischenangebote, daher sei eine leistungsfähige Suche essenziell – „da tut sich Amazon mit dem geschlossenen Universum leichter als eine komplizierte Konstruktion wie die Tolino-Allianz“.

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