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26.02.2013

14:15 Uhr

Klage in Paris

Samsung wegen Kinderarbeit in China verklagt

Drei französische Organisationen haben wegen Kinderarbeit und Sicherheitsstandards Klage gegen Samsung eingereicht. Damit verletze das Unternehmen selbst eingegangene ethische Verpflichtungen, so der Vorwurf.

Werbeanzeigen von Samsung. dapd

Werbeanzeigen von Samsung.

ParisWegen der Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken haben drei Nichtregierungsorganisationen in Frankreich Klage gegen den südkoreanischen Technologiekonzern Samsung eingereicht. Die französischen Organisationen werfen Samsung in der in Bobigny bei Paris eingereichten Klage "irreführende Geschäftspraktiken" vor, wie sie am Dienstag mitteilten. Demnach werden in den Fabriken, in denen Samsung produzieren lässt, von dem Konzern eingegangene ethische Selbstverpflichtungen verletzt, insbesondere bei Kinderarbeit und den Sicherheitsstandards.

Die Organisationen Peuples Solidaires, Sherpa und Indecosa-CGT stützen sich bei ihren Vorwürfen auf Angaben der in New York ansässigen Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch (CLW). Während Samsung in seinem Ethikcode zusage, niemanden unter dem gesetzlichen Mindestalter einzustellen, seien in einer für den Konzern produzierenden Fabrik in China zehn Kinder unter 16 Jahren beim Arbeiten angetroffen worden. Häufig müssten in Fabriken zudem nicht bezahlte Überstünden geleistet werden.

Die Geschichte von Samsung

Konzern mit langer Geschichte

Smartphones, Fernseher, Computer, Kameras, und und und: Samsung ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Die Geschichte des südkoreanischen Mischkonzerns begann Ende der 30er Jahre.

Trockennahrung und Getreidemühlen

Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.

Umzug im Korea-Krieg

Während des Koreakrieges (1950-53) musste Lee Byung Chul die Hauptstadt Seoul verlassen, in Busan eröffnete er eine Zuckerraffinerie. Nach dem Krieg gründete er auch eine Textilienfirma und baute eine Fabrik.

Lebensversicherungen

1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft ist größter Versicherer in Südkorea.

Fernseher und Kühlschränke

Ende der 1960er Jahre fängt Samsung an, Elektronik zu produzieren. So kommt 1970 ein Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Markt. Vier Jahre später erweitert der Konzern seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.

Telekommunikationsausrüstung

1980 übernahm Samsung einen Hersteller von Telekommunikationsausrüstung – die Grundlage für das heutige Handygeschäft.

Generationswechsel und Umstrukturierung

Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte. Er teilte den Konzern in vier Gruppen, darunter die heute so bekannte Elektroniksparte.

Autotelefone und Smartphones

In den 1980er Jahren brachte Samsung erste Autotelefone heraus. In den 1990er Jahren verkaufte der Konzern Handys, seit den 2000er Jahren auch Smartphones. Inzwischen ist Samsung der größte Anbieter in diesem Segment, noch vor Apple und Nokia.

Tablet-Computer und intelligente Uhren

Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt geschaffen, Samsung macht dem kalifornischen Konzern mit seinen Galaxy-Tab-Geräten aber inzwischen enorm Konkurrenz. Außerdem hat der südkoreanische Hersteller mit der Galaxy Gear eine Smartwatch herausgebracht.

Nach Angaben der drei Nichtregierungsorganisationen ist ihre Klage gegen Samsung in Frankreich "beispiellos". Noch nie habe sich die französische Justiz mit der Frage befassen müssen, ob die Nichteinhaltung von selbst aufgestellten ethischen Standards strafrechtlich belangt werden könne. Mit der Klage wollten die Organisationen dagegen vorgehen, dass ethische Selbstverpflichtungen zu reinen Marketingzwecken aufgestellt und dann nicht eingehalten würden.

Zuletzt hatte der taiwanische Apple-Zulieferer Foxconn für Schlagzeilen gesorgt. Das Unternehmen musste einräumen, in einem Werk im Osten Chinas Minderjährige beschäftigt zu haben.

Von

afp

Kommentare (3)

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AxelSiegler

26.02.2013, 14:59 Uhr

*seufz* .. wenn irgend'n 14jähriger in'nem Indianerstamm im Amazonas bei Jagd & Nahrungssuche mithilft, ist das natürlich kulturell sakrosankte Idylle - aber zum eigenen (& elterlichen) Lebensunterhalt durch eine bezahlte Tätigkeit in'ner achso-bösen kapitalistischen Gierprofitfabrik zu verdienen, ist demgegenüber natürlich einfach nur menschenverachtend, klar doch ..

Account gelöscht!

26.02.2013, 15:33 Uhr

Toller Vergleich, da wäre ich so leicht nicht drauf gekommen. Ob ich einen Fisch fange oder ein Handy im Dunst von irgendwelchen giftigen Schwermetall-Dämpfen zusammen löte, das dann für ein Tausendfaches des Lohnes in einem Geiz-ist-Geil-Laden landet, ist doch wohl ein Unterschied. Wie hat man APPLE dafür geprügelt, dabei ist SAMSUNG um ein vielfaches schlimmer.

Mal-richtig-stellt

26.02.2013, 17:15 Uhr

Kinderarbeit wird bei uns geächtet und das ist auch gut so. Ich finde es erstaunlich, dass endlich jemand abseits dem üblichen "Apple-Bashing" sich einmal einen anderen Konzern aussucht. Dennoch ist hier ein wesentlicher Punkt zu beachten. Foxconn ist NICHT Apple. Foxconn fertig für eine Vielzahl von "Herstellern". Apple ist hier nur einer von vielen. Samsung hingegen betreibt eigene Werke und ist auch stolz darauf. Wenn die Behauptungen gegen Samsung also stimmen, dann trifft es diesmal tatsächlich den Konzern, der damit den größten Gewinn macht und nicht einen Zulieferer.

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