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19.09.2014

13:08 Uhr

Klarnamenpflicht bleibt

Echter Name – oder raus aus Facebook

VonKatharina Matheis

Ein Mensch, ein Name: Facebook verbietet seinen Nutzern, sich mit Pseudonymen anzumelden. Viele Travestiekünstler stehen nun vor der Entscheidung, sich im sozialen Netzwerk umzubenennen – oder ihr Profil zu verlieren.

Die Travestiekünstlerinnen Hot Mess, Sister Roma and Heklina hatten mit ihrer Petition Erfolg: Facebook gestattet ihnen weiterhin, auf der Plattform ihre Künstlernamen zu nutzen. ap

Die Travestiekünstlerinnen Hot Mess, Sister Roma and Heklina hatten mit ihrer Petition Erfolg: Facebook gestattet ihnen weiterhin, auf der Plattform ihre Künstlernamen zu nutzen.

DüsseldorfWenn Roy Black noch leben würde, müsste er sich in Facebook als Gerhard Höllerich anmelden. Denn das Unternehmen schreibt vor, dass die Nutzer ihre offiziellen Namen verwenden, nicht ihre Pseudonyme. In Amerika hat es deshalb die Profile zahlreicher Travestiekünstler gelöscht. Die Begründung: „Es scheint, als ob du nicht deinen wirklichen Namen verwendest.“

Doch die Szene wehrt sich. So startete die Dragqueen Olivia La Garce eine Petition, die mehr als 22.000 Unterstützer hat. Denn es gehe um mehr als den Namen: „Unsere selbstgewählten Namen sind Teil unserer Identität. Wir haben damit unsere Netzwerke und Fangemeinden aufgebaut. Wenn wir das jetzt ändern, gebe es nichts als Verwirrung“, schreibt La Garce. Um mit den Dragqueens zu reden, lud Facebook zu einem Treffen in seiner Zentrale in Menlo Park – doch an seiner Politik will der Konzern nichts ändern.

Eingeladen waren Szenevertreter wie die Dragqueen Sister Roma, in deren Pass Michael Williams steht. Jetzt musste sie sich auch Facebook unter diesem Namen anmelden. Denn das Netzwerk bleibt dabei, an der Klarnamenspflicht wird nicht gerüttelt. „Der Name, den du verwendest, sollte dein wirklicher Name sein, so wie er auf deiner Kreditkarte, deinem Führerschein oder deinem Studentenausweis angegeben ist“, heißt es in den Richtlinien.

Die Künstler haben nun zwei Wochen Zeit, sich unter ihren richtigen Namen zu melden. Ansonsten werden ihre Profile gelöscht. Das Unternehmen teilte zwar mit, dass das Treffen am Mittwoch sehr konstruktiv gewesen sei, doch der Namensstandard bleibt. Wer alternative Namen angeben möchte, könne das mit verschiedenen „alias“-Optionen tun. „Ich habe Verwandte, die sollen mich nicht über Facebook kontaktieren“, meint dazu die Dragqueen Heklina, die auch bei dem Treffen dabei war.

Facebook betont außerdem, dass die Nutzer Fan-Seiten einrichten können, um unter ihren gewählten Namen online zu sein. Doch die Künstler kritisieren, dass nicht alle Follower erreicht werden, wenn die Seiten nicht kostspielig hervorgehoben würden. Außerdem gehe es um eine Identitätsfrage.

„Gerade in der queeren Szene ist es üblich, verschiedene Namen zu haben. Der Name, der im Pass steht, ist doch nur etwas, was einem die Eltern mal gegeben haben“, sagt der deutsche Liedermacher Prinz Chaos II. Auch er wurde im vergangenen Jahr aufgefordert, seinen offiziellen Namen anzugeben. Seitdem benutzt er einen anderen, ebenfalls erfundenen Namen. Facebook hat ihn bislang nicht entdeckt. „Wer so mit den Daten der Nutzer umgeht, braucht sich nicht zu wundern, wenn diese lieber einen anderen Namen angeben“, meint der Künstler.

Im vergangenen Jahr klagte der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert für das Recht auf Pseudonyme. Doch Facebook gewann, auch in zweiter Instanz: Weil die Daten in Irland sind, greift das deutsche Datenschutzrecht nicht. Facebook darf von seinen Nutzern die echten Namen verlangen.

Die Travestiekünstlerin Sister Roma war nach dem Treffen am Mittwoch trotzdem zuversichtlich. Sie habe anschließend mit Facebook-Mitarbeitern gesprochen, die selbst zur queeren Minderheit gehören, also homosexuell sind. Daraufhin schrieb sie bei Facebook: „Wir haben definitiv Verbündete, die im 'im Innern' arbeiten.“

Kommentare (1)

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Herr Paul Müller

19.09.2014, 13:12 Uhr

"...Echter Name – oder raus aus Facebook..."

Oh, das wird aber einige aus der Politik treffen ...

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